Küche nicht bezahlt: 23 Monate Haft für Unterländer

Reklamationen wurden für einen Unterländer zur Betrugsmasche. Das Gericht erkannte dahinter „einen roten Faden“.

(Symbolbild)
© Zolnierek

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Kurz bevor das Coronavirus die Gerichte lahmlegte, musste ein Unterländer ans Landesgericht. Vorwurf: schwerer Betrug. Ungünstig für den Angeklagten: Er ist bezüglich Betrugsdelikten kein unbeschriebenes Blatt und kassierte dafür schon Strafen, von denen noch 15 Monate Haft auf Bewährung offen waren.

Diesmal ging es um das Nichtbezahlen einer neuen Einbauküche und die Reparatur eines Skidoos. Was im Einzelfall eher banal klingt, hatte offenbar System. So hatte er die Küche bei einer bekannten Möbelfirma für 12.500 Euro bestellt und einbauen lassen. Aufgrund einer unerfahrenen Mitarbeiterin kam der Angeklagte dabei ohne jegliche Anzahlung zu seiner Bestellung. Als das letzte Kästchen verschraubt war, machte der Unterländer dann eine Vielzahl von Einbaumängeln – teils berechtigt – geltend. Die nachgereichte Zahlungsaufforderung der Möbelfirm­a über vorab 6250 Euro ignorierte er dann genauso wie die Verbesserungstermine. So standen die Monteure vor verschlossenen Türen, auch am Handy war der zornige Kund­e nicht mehr erreichbar. Ein leitender Mitarbeiter der Möbelfirma: „Das mit der fehlenden Anzahlung war die erste Panne. Wenn beim Einbau aber etwas schiefgeht, muss der Kunde uns schon Gelegenheit zur Nachbesserung geben. Unser Geld haben wir bis heute nicht gesehen.“

Ähnlich erging es einer Werkstatt, die für den Angeklagten ein Skidoo repariert hatte. Erst wurden teure Ersatzteile bestellt. Später reklamierte der Kunde die Reparatur: „Auf Mahnungen hat er nie reagiert und von Reparaturmängeln war uns niemals etwas bekannt“, so der Chef.

Die erfahrene Richterin schaute sich die Vorstrafen­akte an und wurde schon beim Küchenkauf stutzig: „Ich hab­e alles ausgehoben. Sie hatten damals 15 Exekutionen laufen. Wie wollten Sie die Küche denn je bezahlen?“ So erkannte das Gericht anhand der Vorakten eine Betrugs­masche: „Das System zieht sich ja bei Ihnen durch wie ein roter Faden.“ Der Riss des Fadens endete bitter: Zu acht Monaten Haft wurden die offenen 15 widerrufen. Das machte nicht rechtskräftig 23 Monate Gefängnis.


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