LH Platter: Keine Lockerung der „Isolation“ in Tirol vor 5. April

Die landesweite Ausgangsbeschränkungen in ganz Tirol werden bis April dauern. Landeshauptmann Günther Platter pocht auf „Tiroler Entscheidungen“.

Die Polizei kontrolliert die Ausgangssperren, das Land hofft jedoch auf die Vernunft der Bevölkerung.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck — Unabhängig davon, wie die Bundesregierung heute bzw. am Wochenende die Situation rund um die Ausbreitung des Coronavirus bewertet, Tirols Landeshauptmann Günther Platter bleibt dabei: Die für alle 279 Tiroler Gemeinden verordneten Beschränkungen, dass die Dörfer nur in Ausnahmefällen verlassen werden dürfen, gelten bis 5. April. „Ich gehe allerdings davon aus, dass auch der Bund die gesetzten Maßnahmen verlängern wird", sagte Platter am Donnerstag.

Die Kritik aus Vorarlberg, dass Tirol ohne ausreichende Information Mittwochabend die landesweite Quarantäne verordnet habe, weist Platter entschieden zurück: „Es gab natürlich davor eine Abstimmung mit Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner und der Bundesregierung." Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sollen bereits in den vergangenen Tagen die umfassenden Ausgangsregelungen empfohlen haben.

Offen sprach Platter die Zurufe aus Wien an, dass Tirol isoliert werden sollte, und meinte damit — ohne ihn namentlich zu nennen — Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). „Aber in Tirol entscheiden wir schon selbst und das haben wir auch gemacht." Platter spricht von seiner schwierigsten Entscheidung, weil die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung dadurch massiv eingeschränkt wird. Die Freizeitgestaltung muss nämlich auf „„frische Luft schnappen" reduziert werden.

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"Strafen nicht ausgeschlossen"

Die Exekutive wird kontrollieren, aber nicht lückenlos. Der Landeshauptmann schloss in diesem Zusammenhang Strafen nicht aus, wenn überhaupt kein Einsehen für die notwendigen Maßnahmen des Landes vorhanden sei. Bußgelder bis zu 3600 Euro oder im Falle der Uneinbringlichkeit eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Wochen sind möglich.

Beim regionalen Öffi-Verkehr auf der Straße und der Schiene erfolgen jetzt Anpassungen, alle Regiobus-Nightliner und Nacht-S-Bahnen in Tirol werden eingestellt, kündigt Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe an. Der Verkehr über den Brenner ist inzwischen um 80 Prozent zurückgegangen, jener Richtung Deutschland um 60 bis 65 Prozent. (pn)

📽 Video | Bis zu 3600 Euro Strafe bei Verstoß

📽 Video | Alle 279 Tiroler Gemeinden unter Quarantäne

Opposition übt scharfe Kritik am Krisenstab

Weil sie trotz einer Videokonferenz am Mittwoch nicht in die Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen eingebunden wurden, sparen SPÖ-Chef Georg Dornauer und Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter-Schneider nicht mit Kritik an LH Günther Platter (VP).

Zu Fehlern im Krisenmanagement würden jetzt noch eine katastrophale Informationspolitik hinzukommen, sagt Dornauer und fordert personelle Änderungen im Krisenstab. Für Haselwanter-Schneider schaut die Quarantäne-Maßnahme nach einem Ablenkungsmanöver aus. Ihr Befund: „Nicht akkordiert, nicht koordiniert und nicht informiert.“


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