Flughafen Innsbruck fliegt in die Zwangspause

Mit Montag stellt der Innsbrucker Flughafen den Betrieb ein – nach Rücksprache mit den Eigentümern vorerst auf unbestimmte Zeit. Volle Einsatzbereitschaft für Notfälle sei gegeben, Mitarbeiter mit April in Kurzarbeit.

„Time to go“: Wer konnte, hat Tirol bereits verlassen, der Flughafen ist verwaist. Und sperrt deshalb zu.
© Foto Rudy De Moor

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Gestern kamen in Summe zwei Flüge. Eine Eurowings-Maschine aus Hamburg und eine „S7“ aus Moskau. Die erste hatte vier Passagiere an Bord, die andere kam gänzlich leer, um noch die letzten verbliebenden russischen Bürger in die Heimat zu fliegen. Eine Rückholaktion aus einem Corona-Krisengebiet: Tirol.

Am Flughafen Innsbruck herrscht gespenstische Ruhe. Für Samstag – in der Winterchartersaison der Top-Flug-Tag – befänden sich zwar noch Flüge im System, dass diese tatsächlich den heimischen Regionalflughafen auch ansteuern, bezweifelt selbst Flughafen-Direktor Marco Pernetta im TT-Gespräch.

„Ab Montag ist Schluss.“ Pernetta verkündete gestern die Schließung des Flughafenbetriebs mit 23. März. Vorerst auf unbestimmte Zeit. Nach Rücksprache mit den Eigentümern, also Land, Stadt und Kommunalbetriebe, habe man sich aufgrund der aktuellen Lage für diesen einschneidenden Schritt entschlossen. Für Notfälle stehe man aber weiter Gewehr bei Fuß. So könne man etwa für dringend benötigte Ambulanzflüge, sonstige Rettungsflüge, aber auch nötige Sonderflüge (Bsp: Einfliegen von Corona-Schutzausrüstung) „jederzeit binnen drei Stunden den notwendigen Betrieb wieder voll hochfahren“, versichert Pernetta. Hierzu stünden Mitarbeiter in Rufbereitschaft, mehr als ein Team von bis zu zehn Personen plus eine Tower-Besetzung brauche es hierfür nicht. Der Rettungshubschrauberstützpunkt ist nicht betroffen.

Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt

Eine weitere Konsequenz: Mit 1. April werde die gesamte Belegschaft, also rund 160 Mitarbeiter, in die Kurzarbeit geschickt. Eine Lösung, die laut Pernetta auch die Zustimmung des Betriebsrates habe. Die Kurzarbeit ist von April bis Juni, also drei Monate lang, angedacht. Das Ausmaß beträgt teils zwischen 80 und 90 Prozent. Dies sei die einzige Möglichkeit, die Mitarbeiter zu halten, so Pernetta. Bis die Kurzarbeit in Kraft tritt, werden noch notwendige Arbeiten ausgeführt. Ebenso sollen Urlaube und Zeitausgleichsstunden abgebaut werden. Die Geschäfte im Flughafengebäude sind nicht mehr zugänglich, die Polizeiinspektion bleibt besetzt.

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Letztmalig gab es am Flughafen Innsbruck im April 2010 keinen Flugverkehr, als in Island der Vulkan Eyjafjallajökull mit seinen Asche-Eruptionen für eine behördlich angeordnete, großflächige Luftraumsperre gesorgt hatte.

Gesperrt werden hätte der Flughafen nach Plan erst im Herbst 2021 für vier Wochen sollen: wegen der Generalsanierung der Landepiste. Wie es nun mit diesem Projekt (und auch dem Terminalneubau) weitergehe, sei unklar, so Pernetta: „Der Termin steht in Frage.“


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