Tilg: 80 Prozent der Infizierten in Tirol haben milde Symptome

Tirol führe sehr viele Corona-Tests durch, dementsprechend steige auch die Zahl der Infizierten, sagt Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.

© Foto TT/Rudy De Moor

Innsbruck –Der Krisenstab der Tiroler Landesregierung ist rund um die Uhr im Einsatz. Ein Telefon-Interview mit Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg war aus terminlichen Gründen nicht möglich. Wir haben ihm per E-Mail Fragen zukommen lassen.

Wie sehen die Krankheitsverläufe aus? Es heißt immer, 80, jetzt sogar 90 Prozent verlaufen milde. Hat sich das in Tirol bewahrheitet?

Bernhard Tilg: Am meisten treten milde Verlaufsformen, Symptome eines grippalen Infekts, auf. Große Studien zeigen, dass rund 80 Prozent der Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, leichte oder milde Verlaufsformen zeigen. In Tirol haben wir derzeit noch kein anderes Bild.

Die Patienten, die in Tirols Spitälern auf der Intensivstation liegen, fallen die in die Risikogruppe der Älteren, und/oder sind sie vorbelastet durch andere Krankheiten?

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Tilg: Derzeit sind acht Personen in Tirol intensivpflichtig. Einige dieser Personen fallen in die Risikogruppe der Älteren und sind durch Vorerkrankungen belastet.

LR Bernhard Tilg.
© Thomas Boehm / TT

Die Zahl der Infizierten ist von Donnerstag auf Freitag um 177 gestiegen. Ist das Land damit „zufrieden“, sollten es weniger sein?

Tilg: Wir haben in den letzten Tagen und Wochen auf allen Ebenen intensive Maßnahmen, wie die Einschränkung der Sozialkontakte oder Verkehrsbeschränkungen, getroffen, um den Anstieg von positiven Fallzahlen möglichst einzudämmen. Der Anstieg in den kommenden zehn Tagen ist zweifelsohne maßgebend.

Haben wir auch deshalb mehr Infizierte, weil mehr getestet wird?

Tilg: Wir gehen besonders aktiv vor. Mit Stand Freitagnachmittag wurden österreichweit 15.613 Tests durchgeführt, 6205 davon allein in Tirol. Damit ist Tirol für rund 39 Prozent der Testungen verantwortlich, obwohl wir nur 8,5 Prozent der Bevölkerung stellen. Die hohe Anzahl an Fällen in Tirol und die hohe Anzahl an Tests bedingen sich gegenseitig. Zudem hat es Cluster mit besonders vielen Fällen gegeben.

Wann gibt es eine Regelung für die Physiotherapeuten, die MTD-Berufe? Da ist die Verunsicherung, trotz Zusage der Wirtschaftsministerin, groß.

Tilg: Seitens der Bundesregierung wird an einer diesbezüglichen Lösung gearbeitet. Mir ist es sehr wichtig, dass für die freiberuflichen Gesundheitsberufe in Tirol eine faire und gute Lösung gefunden wird.

Sie haben viel Kritik einstecken müssen nach Ihrem Auftritt in der ZIB2: Was sind Ihre Lehren daraus und war es ein Fehler, keine Fehler zuzugestehen?

Tilg: Das Land Tirol hat rechtzeitig auf die Entwicklungen hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus reagiert. In einer Krisensituation, wie wir sie derzeit weltweit vorfinden, stehen ganze Nationalstaaten vor großen Herausforderungen. In derartigen Situationen müssen Entscheidungen evidenzbasiert, schnell und strikt getroffen werden, um am Ende zum Wohle der Tiroler Bevölkerung Leben zu retten. Alle Maßnahmen waren und werden mit dem Bund täglich akkordiert. Grundsätzlich hat Tirol umfassend reagiert und eine richtige Gesamtvorgangsweise gewählt. Seitens des Landes wird mit aller Kraft die Bewältigung der Krise vorangetrieben.

Die Fragen stellte Anita Heubacher.


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