Neues Buch von Richard Vill: Staunen über textile Kostbarkeiten

Der Südtiroler Modedesigner Richard Vill beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit der Entstehung einzigartiger textiler Kunstschätze.

Detailansicht eines Altarbehangs aus Wolle und Leinen um 1490. Kloster Muri Gries (Bozen).
© Dalago

Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Textilien aus Samt und Seide waren schon immer wertvoll. Kaum bekannt ist allerdings, dass im heutigen Südtirol und Trentino bis weit ins 19. Jahrhundert die Seidenproduktion neben dem Weinbau einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellte. Richard Vill, Südtiroler Modedesigner und Referent an der Europäischen Textilakademie in Bozen, zeichnet in seinem reich bebilderten wie informativen neuen Buch „Samt und Seide im historischen Tirol“ die Entwicklung und Entstehung textiler Kostbarkeiten nach. Staunend blättert man in dem Bildband, der die Fragilität dieser Schätze wieder ins Bewusstsein ruft und in gut strukturierten Kapiteln die Entwicklung der Seidenproduktion veranschaulicht.

Textilien wurden anfangs nur für den klerikalen Bereich gefertigt und dienten der Kirche als Machtdemonstration. Bereits im 11. Jahrhundert schmückte man Kirchen und Klöster mit prächtigen Wandteppichen, die mit Seiden-, Gold- und Silberfäden bestickt wurden. Ab dem 15. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Kaiser Maximilian I., produzierte man vermehrt Textilien für den höfischen Bereich, denn auch der Adel wollte seinen Sonderstatus durch prestigeträchtige Kleidung unterstreichen. Die Schatzkammer der Serviten in Innsbruck besitzt etwa mit Seidenfäden bestickte Schuhe von Herzogin Anna Caterina Gonzaga, der zweiten Frau Ferdinand II, Erzherzog von Tirol.

Buchtipp

Richard Vill: Samt und Seide im Historischen Tirol. Verlag der Europäischen Textilakademie (Hrsg.), 412 Seiten 89 Euro.

„Die geografische Lage Alt-Tirols als Verbindungspunkt südlicher und nördlicher Kulturen machte die wirtschaftliche Entwicklung des Textilsektors und den Handel mit textilen Erzeugnissen zu einem Drehpunkt im europäischen Raum“, sagt Richard Vill gegenüber der TT und ergänzt: „Dieses alte Wissen könnte in Zukunft auch für neue Konzepte in der Textilerzeugung genutzt werden.“

Schuhe von Anna Caterina Gonzaga.
© Dalago

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Kommentieren


Schlagworte