Landestheater: „Es kann sein, dass der Rest der Saison ausfällt“

Die Corona-Krise zwingt das Tiroler Landestheater zu einer langen Pause. Kurzarbeit ist möglich. Das Programm für die Spielzeit 2020/21 liegt bereit.

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© Larl

Von Markus Schramek

Innsbruck –Programmpräsentation des Tiroler Landestheaters: Das ist unter normalen Umständen ein medialer Großauftritt der kompletten Führungsriege vom Intendanten abwärts. Von normalen Umständen ist man dieser Tage, Wochen und wohl Monate jedoch weit entfernt – Corona-Krise. So wurde der Theaterspielplan für die Saison 2020/21 gestern per Presseaussendung kundgetan (Details dazu im Kasten rechts). Auch das Landestheater hat auf Notbetrieb umgeschaltet. Fast niemand befindet sich noch im Haus.

Die Vorstellungen waren vor Ausbruch der viralen Katastrophe gut gebucht. Doch jetzt ist es ungewiss, ob das Schauspielhaus in der verbleibenden Spielzeit überhaupt noch einmal aufsperrt. „Dass wir bis zum Saisonende im Sommer zusperren müssen, kann man nicht mehr ausschließen“, sagt Intendant Johannes Reitmeier. Nach seinen Worten laufen Planungen für verschiedene Szenarien. Eines davon sei der komplette Ausfall der restlichen Saison.

Die noch vor Kurzem angedachte Wiedereröffnung des Theaters nach Ostern ist wohl hinfällig. Denn bis zu diesem Zeitpunkt gilt in Tirol seit gestern auch die Quarantäne. Bis wieder öffentliche Veranstaltungen erlaubt sind, wird noch einige Zeit vergehen.

Auch Reitmeier glaubt, dass der Weg zurück zur Normalität langsam und stufenweise erfolgt. „Jetzt haben ganz andere Dinge Vorrang“, betont der Theatermacher. „Die Quarantäne ist einzuhalten, damit wir und unser Gesundheitssystem gesund bleiben.“

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Dem Landestheater droht ein Einnahmenausfall in Millionenhöhe, so die laufende Saison tatsächlich schon beendet ist. „Es trifft ja nicht nur uns, es geht allen Betrieben so“, sagt Reitmeier. Die Zeit, darüber mit den Eigentümern Land Tirol und Stadt Innsbruck zu sprechen, werde später kommen. „Man wird sehen, inwieweit wir Unterstützung aus den Krisenfonds erhalten können.“

450 fix Angestellte Mitarbeiter hat das Landestheater (mitsamt Haus der Musik und Tiroler Symphonieorchester Innsbruck). Dass Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, „ist auch bei uns ein Thema“, so Reitmeier.

Besonders hart trifft der Aufführungsstopp die rund 150 freiberuflichen Mitarbeiter, von den Platzanweiserinnen bis zu Gastauftritten im künstlerischen Personal. Viele von ihnen stehen nun ohne Einkommen da. Den freischaffenden Künstlern stellt Reitmeier ein ersatzweises Engagement „zu einem späteren Zeitpunkt“ in Aussicht.

Die Gesamtauslastung aller Spielstätten stieg in der Saison 2018/19 um drei Prozent auf 90 Prozent. Rund 4,7 Millionen Euro wurden aus Tickets lukriert, ein Höchststand der letzten Jahre.

Solche Zahlen sind heuer völlig außer Reichweite. „Dabei hatten wir selbst den Verlust von 1000 geförderten Landesabos durch Ticketverkäufe so gut wie wettgemacht“, hadert Reitmeier doch ein wenig mit dieser Corona-belasteten Zeit.


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