Notfall-SMS: Privatsphäre oder mehr Sicherheit?

Die Regierung beschloss, künftig Notfall-SMS verschicken zu können. Taiwan kommt damit besser durch die Corona-Krise.

Wer ein Handy verwendet, hinterlässt digitale Spuren. Diese können im Nachhinein ausgelesen werden.
© iStockphoto

Rom, Wien – Der Präsident der norditalienischen Region Venetien, Luca Zaia, hat sich kürzlich für die Bewegungsverfolgung der Handys der Bevölkerung ausgesprochen. Damit sollen Verstöße gegen die landesweit verhängte Ausgangssperre zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus bekämpft werden. „Das wäre meiner Meinung nach eine optimale Lösung“, sagte Zaia im Interview mit dem Radiosender Radio 24. Und auch Taiwan hat versucht, mit dem Zugriff auf Handys aus der Bevölkerung die Coronavirus-Krise unter Kontrolle zu bekommen.

In Taiwan soll dies funktioniert haben. Anfang Februar sollen eines Abends alle Handys in Taipeh, der Hauptstadt, vibriert haben. Es kam eine Warnung, eine Notfall-SMS der Regierung, wie sie sonst nur bei Erdbeben verschickt wird. Mitgeschickt wurde ein Link zu einer Karte und die Frage: „Haben Sie sich an einem dieser Orte am 31. Januar aufgehalten?“ Verzeichnet waren laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vor allem Sehenswürdigkeiten, die eine infizierte Touristin besucht hatte. Mit dieser Rückverfolgung konnte sichergestellt werden, dass Taiwan zwar mit vielen digitalen Anweisungen, aber wenig Opfern durch die Krise kommt.

Auch in Österreich wurden gegen die drohende Verschärfung der Krise weitreichende Gesetzesänderungen beschlossen. So will die Regierung künftig in Notfällen per SMS warnen. Und in der Vorwoche stellte das Telekom-Unternehmen A1 der Regierung anonymisierte Bewegungsdaten von Handy-Usern zur Verfügung. Die Daten zeigten, dass es zu einer Reduktion der Bewegungen um 40 bis 50 Prozent innerhalb einer Woche kam, dass die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus also bei der Bevölkerung ankommen. (ver)

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