Telefonbrücke hält Abstand zu Häftlingen

Erstmals können Besprechungen mit Häftlingen oder zeitintensive Vorbesprechungen auf Haftprüfungsverhandlungen nach vorhergehender Vereinbarung mit der Justizanstalt auch telefonisch erfolgen.
© ERWIN SCHERIAU

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Das Coronavirus verunmöglicht etliche Behördenabläufe. Dies hemmt und macht erfinderisch zugleich. So ergreifen Österreichs Justizanstalten derzeit alle erdenklichen Maßnahmen, um das ansteckende Virus nur ja nicht in die Zellentrakte kommen zu lassen. Bislang mit Erfolg. Auch die Rechtsanwälte, die als Teil der Rechtspflege ihre Kanzleien ja weiter betreiben, wollen natürlich Besprechungen in kleineren Räumen vermeiden.

Und so kam es nun in der Innsbrucker Justizanstalt zu einem Projekt zwischen Strafvollzug und Rechtsanwälten, das bundesweite Vorbildwirkung haben könnte.

Der Innsbrucker Rechtsanwalt Hubert Stanglechner, Vorstand der Strafverteidigervereinigung, hat die Telefonbrücke eingefädelt: So können seit gestern erstmals Besprechungen mit Häftlingen oder zeitintensive Vorbesprechungen auf Haftprüfungsverhandlungen nach vorhergehender Vereinbarung mit der Justizanstalt auch telefonisch erfolgen. Zu einem vereinbarten Zeitpunkt ruft der Häftling seinen Verteidiger dann einfach an und kann ungestört mit ihm sprechen. Die Kosten für das Telefonat muss der Häftling freilich selbst vom Taschengeld bezahlen. Hierzu könnte es aber bald eine Unterstützung geben. RA Stanglechner zur TT: „Für alle die wohl weitaus bessere Lösung als ein Gespräch durch die Plexiglasscheibe. Dazu müssen Kollegen fallweise nun auch nicht mehr aus entfernten Bezirken zur Justizanstalt anreisen. Sollte sich das System bewähren, wäre es auch durchaus nach Ende der Corona-Krise praktikabel.“

Noch ein Weg zu inhaftierten Mandanten bleibt Verteidigern derzeit erspart: So führen die Ermittlungsrichter die nach 48 Stunden vorgeschriebene Erstanhörung von Häftlingen nunmehr am Landesgericht über Videokonferenz durch. Auch das könnte Zukunft haben.

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