Sudoku statt Stammtisch: Alternativen in der Fußball-Unterhaus-Pause

Das Tiroler Fußball-Unterhaus wird im Frühjahr 2020 aufgrund der Corona-Krise wohl nicht aus dem Winterschlaf erwachen. TFV-Präsident Josef Geisler denkt Lösungen an.

Reichenau-Turbo Manuel Kovatsch macht auch ohne Ball große Sprünge.
© Kovatsch

Von Alex Gruber

Innsbruck – Am abgelaufenen Wochenende hätte nach der Regionalliga West auch die Regionalliga Tirol und Hypo Tirol Liga starten sollen. Aber angesichts der Tragweite des Coronavirus wird sich auch im regionalen Fußball für zumindest einige Wochen die Kugel nicht drehen. In Imst (Herbert Ramsbacher), Telfs (Daniel Osl und Marcel Schreter), Zirl (Werner Rott) und bei den Wacker Amateuren (Richard Slezak) bleibt somit für vier neue Regionalliga-Trainer das Resultat der Wintervorbereitung vorerst aus. Der Ball wird gedanklich teils schon ins nächste Halbjahr gespielt.

Beim SC Imst beliefern Präsident Josef Eisenbeutl, Sandra Westreicher und Torjäger Rene Prantl Hilfsbedürftige mit Gütern.
© SC Imst

L wie Lösungen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber nach der derzeitigen Lage scheint es utopisch, dass im Frühjahr noch gespielt werden kann“, blickt TFV-Präsident Josef Geisler der Realität ins Auge. Als Vizepräsident des Österreichischen Fußballbundes spinnt der pensionierte Richter und Rechtsexperte den Faden über den Amateurfußball hinaus und regt folgenden Gedanken an: „Wichtig ist, dass der ÖFB mit seinen neun Landesverbänden weiter einheitlich handelt. Ich denke, man muss es womöglich so handhaben, dass die Saison 2019/20 nicht stattgefunden hat.“ Das hieße: 2020/21 würden alle Ligen in gleicher Aufstellung beginnen. Das scheint im Amateurbereich möglich, im Profifußball sehr schwierig. Laut Geisler könne die Herbsttabelle dort über die Vergabe von Europacup-Startplätzen entscheiden. Falls im Frühjahr nicht mehr gespielt werden könne, sei auch ein Wechsel in eine Jahresmeisterschaft wie in den skandinavischen Ländern denkbar. „Aber es gibt augenblicklich viel, viel wichtigere Themen“, unterstreicht er mehrmals. Die Unterhaus-Saison im Mai und Juni mit vielen englischen Wochen irgendwie durchzudrücken, „kann nicht im Sinne des Erfinders sein“. Geisler freut sich aber jederzeit über Anregungen aus den Vereinen.

Fraglich, ob Tirols Schiedsrichter wie Christopher Spiss im Frühjahr noch anpfeifen.
© Thomas Boehm / TT

H wie Helfer: Der Hilfs- und Lieferdienst, den der SC Imst anbietet, wird im Oberland gerne angenommen. Neben Lebensmitteln und Medikamenten werden auch Blumen(-Zubehör) geliefert, auch Torjäger Rene Prantl packt gerne mit an: „Man hilft doch gerne, wenn man kann.“ Schwaz-Trainer Bernhard Lampl wird als Mitarbeiter des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) dieser Tage auch alles andere langweilig, ein anderer wie Kematen-Goalie Alperen Yildirim (Bruder von Wacker-Profi Ertugrul) steht an der Hofer-Kassa Tag für Tag seinen Mann. TFV-Vizepräsident Arno Bucher hat als ausgebildeter (ehemaliger) Krankenpfleger seine Bereitschaft beim Land Tirol für Dienste angemeldet: „Im Moment geht es wirklich nicht darum, ob wir noch Fußball spielen oder nicht. Man muss neben dem obersten Gut der Gesundheit auch froh sein, wenn man in einigen Wochen noch einen Job hat“, wird die Bucher-Aussage auch in der Nachbargemeinde von Zirl-Obmann Martin Plattner unterschrieben.

A wie Aufwandsentschädigungen: Das durchaus gute Taschengeld, das sich nicht wenige Kicker von der Regionalliga abwärts als „local heroes“ im Fußball verdienen, ist zwar nicht von existenzieller Bedeutung, fällt in den kommenden Wochen aber vollständig aus. Es gibt zwar auch höherklassige Amateurklubs, die über Pulsuhren und Co. den Trainingsaufwand der Spieler überwachen können, zum Profibetrieb und einem Anstellungsverhältnis fehlt aber dennoch ein gutes Stück.

H wie Heimarbeit: „Ich kann sowieso kaum ruhig sitzen“, sagt die Reichenauer Arbeitsbiene Manuel Kovatsch und springt schon wieder über den Gartenzaun. Der „Präsi“ Geisler hält sich in seinem Fitnessraum im Zillertal fit, von Step-up-Aerobic mit der eigenen Mutter im Wohnzimmer (Yildirim) bis zu „Läufen“ im eigenen Garten ist alles dabei. Weil mittlerweile auch das Joggen (Reichenau-Coach Gernot Glänzer: „Einer meiner Spieler wurde verwarnt“) verboten ist, wird in der längeren Pause dennoch die Fitness leiden. Ein Funktionär wie Plattner – „Ich habe mit den Trainern schon über den Herbst gesprochen“ – bewahrt sich auch den Humor: „Ich sitze gerade vor einem Sudoku, fange im unteren Level an und arbeite mich hoch. Ich habe ja genug Zeit.“

G wie Gesellschaft: Auf die muss man von Reutte bis Kitzbühel am beliebten Unterhaus-Stammtisch verzichten. „Die Ausfälle zeigen jetzt auf, wie viel organisierter Sport bedeutet“, schließt Geisler. Im Wissen, dass derzeit höhere Gewalt jenes „Spiel“ diktiert, das Jung und Alt im Unterhaus verbindet.


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