Über 300.000 Infizierte weltweit, WHO will mehr Tests

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Weltweit haben sich mehr als 300.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 13.000 starben bisher aufgrund der durch das Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19. In Europa bleibt die Lage in Italien und Spanien am dramatischsten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert indes mehr Tests, um Infizierte besser isolieren zu können.

Spaniens Regierung meldete am Sonntag fast 400 neue Tote und damit einen Anstieg von rund 30 Prozent auf insgesamt über 1.700 im Vergleich zum Vortag. „Das Schlimmste kommt noch“, hatte Ministerpräsident Pedro Sanchez Samstagabend angemerkt. Die Marke der Infizierten näherte sich der 30.000er-Grenze. Die Armee war im Einsatz, um beim Transport von Patienten in ein provisorisches Krankenhaus auf einem Konferenzgelände in Madrid zu helfen. In der noch im Aufbau befindlichen Feld-Klinik soll es bald 5.500 Betten geben. Es wäre dann die größte Klinik ihrer Art in Europa.

Erste Todesfälle wurden am Sonntag aus dem Kosovo und Rumänien vermeldet, es handelt sich um ältere Männer mit Vorerkrankungen. Im Iran stieg die Zahl der Toten in dem Land auf 1.685.

In Italien bzw. im europäischen Corona-Epizentrum Lombardei kündigt sich keine Rückgang der Zuwachszahlen an. „Leider sehen wir immer noch kein Licht am Ende des Tunnels“, sagte Bürgermeister Giorgio Gori. Daniele Macchini, ein Chirurg in der schwer getroffenen Stadt Bergamo, berichtete von einem „Krieg“, der im Gange sei. Mindestens 17 Ärzte sind in Italien seit Beginn der Epidemie gestorben. Am Sonntag gab es auch den ersten toten Mediziner in Frankreich.

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Russland entsandte am Sonntag Hilfe und schickte die ersten von neun Flugzeugen des Typs Iljuschin Il-76 nach Italien, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. „Liebesgrüße aus Moskau“ stand auf an den Fliegern angebrachten Stickern mit Herzen in den russischen und italienischen Landesfarben. Insgesamt sollten acht Brigaden mit medizinischer Ausrüstung verlegt werden. In Russland gibt es bisher nach offiziellen Angaben vergleichsweise wenige Coronavirus-Fälle - Sonntag waren es landesweit knapp 370, davon fast 200 in Moskau.

Politiker stellten die Bevölkerung darauf ein, noch länger durchzuhalten. Mindestens noch acht Wochen wird das Coronavirus die Lage in Belgien dominieren, schätzte Gesundheitsministerin Maggie De Block. Die Prognose basiere auf Ländern wie China und Südkorea, wo das Virus früher ausgebrochen war.

In Großbritannien sollen sich rund 1,5 Mio. Risikopatienten laut Staatssekretär Robert Jenrick auf eine drei Monate andauernde Quarantäne einstellen. Serbiens Behörde erlaubte indes den über 65-Jährigen, an Sonntagen zwischen 4.00 und 7.00 Uhr in bestimmten Supermärkten einzukaufen. Am heutigen ersten Einkaufstag waren vor manch einem Geschäft in Belgrad lange Warteschlagen zu sehen.

Vonseiten der Weltgesundheitsorganisation WHO gab es die Warnung, im Kampf gegen das Coronavirus nicht nur auf die Einschränkung des gesellschaftlichen Lebens zu setzen. „Worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Kranken mit Infektionen zu finden und sie zu isolieren“, sagte der WHO-Experte Mike Ryan in der BBC. Er riet dazu, wie in China, Singapur und Südkorea die Zahl der Tests massiv in die Höhe zu fahren. Ryan betonte auch, bei der Entwicklung eines Impfstoffes realistisch zu bleiben. Die Entwicklung und die nötigen Tests würden „mindestens ein Jahr“ dauern.

In Norwegen können nun Menschen ihren Verdacht, sich selbst mit dem Virus infiziert zu haben, den Gesundheitsbehörden online mitteilen. Auf der Webseite der Behörden liegt ein Schema bereit, in das man eintragen kann, welche Symptome man hat, seit wann und ob man an chronischen Krankheiten leidet. Die Angaben sind anonym und sollen helfen, einen Überblick zu bekommen, wie viele an dem Virus erkrankt sein könnten. Wie in vielen anderen Ländern kann auch in Norwegen nicht jeder getestet werden, der Erkältungssymptome hat.

Indien probte für den Ernstfall. Die 1,3 Milliarden Inder wurden am Sonntag aufgerufen, eine von 7.00 bis 21.00 Uhr (Ortszeit) geltende Ausgangssperre einzuhalten. Premierminister Narendra Modi sah dies als „gewaltiger Beitrag zum Kampf gegen die Covid-19-Bedrohung“. Lav Agarwal vom Gesundheitsministerium erklärte, die Regierung wolle mit der Test-Maßnahme „Einigkeit in der Isolation“ erreichen.

In der Hauptstadt Neu-Delhi und der Finanzmetropole Mumbai schienen sich die meisten Bewohner an die Vorgaben zu halten. Beobachter gehen davon aus, dass der begrenzten Ausgangssperre längere verpflichtende Ausgangsbeschränkungen nachfolgen werden. Indien hat bisher mehr als 320 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet, fünf Menschen starben. Die Dunkelziffer könnte nach Einschätzung von Experten allerdings deutlich höher liegen.


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