Über 300.000 Infizierte weltweit, WHO will mehr Tests

Weltweit haben sich mehr als 300.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 13.000 starben bisher aufgrund der durch das Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19. In Europa bleibt die Lage in Italien und Spanien am dramatischsten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert indes mehr Tests, um Infizierte besser isolieren zu können.

Spaniens Regierung meldete am Sonntag fast 400 neue Tote und damit einen Anstieg von rund 30 Prozent auf insgesamt über 1.700 im Vergleich zum Vortag. „Das Schlimmste kommt noch“, hatte Ministerpräsident Pedro Sanchez Samstagabend angemerkt. Die Marke der Infizierten näherte sich der 30.000er-Grenze. Die Armee war im Einsatz, um beim Transport von Patienten in ein provisorisches Krankenhaus auf einem Konferenzgelände in Madrid zu helfen. In der noch im Aufbau befindlichen Feld-Klinik soll es bald 5.500 Betten geben. Es wäre dann die größte Klinik ihrer Art in Europa.

Erste Todesfälle wurden am Sonntag aus dem Kosovo und Rumänien vermeldet, es handelt sich um ältere Männer mit Vorerkrankungen. Im Iran stieg die Zahl der Toten in dem Land auf 1.685.

Italien verschärft weiterhin die Ausgangssperre, nachdem die Regierung in Rom ein Stopp für nicht lebenswichtige produktive Aktivitäten verhängt hat. Die Bürger dürfen weder mit privaten noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Gemeinde verlassen, in der sie sich befinden.

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Lediglich aus beruflichen, oder dringenden gesundheitlichen Gründen darf man die Gemeinde verlassen, in der man sich aufhalte, heißt es in einer Verordnung des Innenministeriums. Damit will die Regierung vermeiden, dass viele Arbeitnehmer in Norditalien, deren Betriebe infolge des Produktionsstopps schließen müssen, nach Süden ziehen, was zur Ausbreitung der Epidemie beitragen könnte.

1,85 Millionen Italiener sind seit der Einführung der Kontrollen zur Einhaltung der Ausgangssperre am 11. März kontrolliert worden. 82.041 Personen wurden dabei angezeigt, teilte das Innenministerium in Rom mit. 910.023 Geschäfte und Lokale wurden unter die Lupe genommen, 2.119 Inhaber wurden angezeigt. Allein gestern wurden 208.053 Personen kontrolliert, davon wurden 11.068 angezeigt, so viele wie noch nie an einem Tag seit Beginn der Kontrollen.

Italien beschuldigt unterdessen Polen und die Tschechische Republik, eine chinesische Lieferung von Masken und Geräten gestoppt und beschlagnahmt zu haben. Die beiden voneinander unabhängigen Transporte seien an den jeweiligen Grenzen konfisziert worden, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“.

Die italienischen Gesundheitsbehörden sprechen von einem „ernsten und absurden“ Vorfall. Das italienische Außenministerium machte daraufhin Druck in Warschau. „Wir sind angesichts der Berichte aus EU-Ländern sprachlos, die von Italien erworbenes Material für das Gesundheitswesen stoppen. Wir werden nicht zulassen, dass sozialer Egoismus zur nationalen Politik einiger EU-Mitgliedstaaten wird“, protestierte der sozialdemokratische Parlamentarier Ettore Fiano. „Dieses Verhalten ist ein Affront für Italien und gefährdet die nationale Gesundheit“, protestierte die Fraktionschefin der oppositionellen Forza Italia im Senat, Anna Maria Bernini.

Außenminister Luigi Di Maio erklärte, er habe einen Anruf vom Außenministerium im Prag und die Versicherung erhalten, dass die Atemschutzmasken in den nächsten zwei Tagen geliefert werden sollen. Weitere 200.000 Atemschutzmasken, die Italien erworben hat, seien in der Türkei gestoppt worden.

Russland entsandte am Sonntag Hilfe und schickte die ersten von neun Flugzeugen des Typs Iljuschin Il-76 nach Italien, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. „Liebesgrüße aus Moskau“ stand auf an den Fliegern angebrachten Stickern mit Herzen in den russischen und italienischen Landesfarben. Insgesamt sollten acht Brigaden mit medizinischer Ausrüstung verlegt werden. In Russland gibt es bisher nach offiziellen Angaben vergleichsweise wenige Coronavirus-Fälle - Sonntag waren es landesweit knapp 370, davon fast 200 in Moskau.

Politiker stellten die Bevölkerung darauf ein, noch länger durchzuhalten. Mindestens noch acht Wochen wird das Coronavirus die Lage in Belgien dominieren, schätzte Gesundheitsministerin Maggie De Block. Die Prognose basiere auf Ländern wie China und Südkorea, wo das Virus früher ausgebrochen war.

In Deutschland vereinbarten Bund und Länder ein weitreichendes Kontaktverbot. Mehr als zwei Menschen dürften sich nicht treffen, Kernfamilien sind von dem Verbot ausgenommen, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag nach einer Telefonkonferenz der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte.

Merkel rief die Bevölkerung zu „Verzicht und Opfern“ im Kampf gegen die Corona-Krise auf. Das öffentliche Leben und die sozialen Kontakte müssten durch neue Abstandsregeln und Schließungen weiter reduziert werden, sagte Merkel am Sonntag. „So retten wir Leben“, betonte sie.

In Großbritannien sollen sich rund 1,5 Mio. Risikopatienten laut Staatssekretär Robert Jenrick auf eine drei Monate andauernde Quarantäne einstellen. Serbiens Behörde erlaubte indes den über 65-Jährigen, an Sonntagen zwischen 4.00 und 7.00 Uhr in bestimmten Supermärkten einzukaufen. Am heutigen ersten Einkaufstag waren vor manch einem Geschäft in Belgrad lange Warteschlagen zu sehen.

Wegen der Corona-Krise verhängt nun auch Griechenland eine landesweite Ausgangssperre. Die Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie trete am Montag in Kraft, sagte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis am Sonntag in einer Fernsehansprache. Wegen des Coronavirus gelten weltweit mittlerweile für rund eine Milliarde Menschen Ausgangssperren oder Ausgangsbeschränkungen.

In Norwegen können nun Menschen ihren Verdacht, sich selbst mit dem Virus infiziert zu haben, den Gesundheitsbehörden online mitteilen. Auf der Webseite der Behörden liegt ein Schema bereit, in das man eintragen kann, welche Symptome man hat, seit wann und ob man an chronischen Krankheiten leidet. Die Angaben sind anonym und sollen helfen, einen Überblick zu bekommen, wie viele an dem Virus erkrankt sein könnten. Wie in vielen anderen Ländern kann auch in Norwegen nicht jeder getestet werden, der Erkältungssymptome hat.

In Afrika überstieg die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen die Marke von 1.000 Fällen. Das geht aus Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO und Berichten der betroffenen Länder hervor. Zudem gibt es laut WHO mindestens 17 Tote in Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2. Corona-Fälle gibt es in mehr als 40 afrikanischen Staaten.

Besonders betroffen sind unter anderem Südafrika, Ägypten, Marokko und Algerien. Der Kontinent war anfangs vom Virus verschont geblieben. Experten schätzen das Risiko einer Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 in Afrika als sehr hoch ein, auch weil die Gesundheitssysteme in vielen Ländern schwach sind.

Angesichts steigender Corona-Zahlen in Brasilien und anderen Ländern der Region werden auch in Lateinamerika immer mehr Ausgangssperren verhängt. Die Zahl der offiziell mit dem Coronavirus Infizierten in Brasilien, dem größten und bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land, stieg am Wochenende auf mehr als 1.000, 19 Menschen starben bisher.

Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte aufgrund fehlender Tests allerdings weit höher liegen - Experten zufolge könnte sie in Brasilien auf bis zu 9.000 steigen. Während der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die Pandemie erneut als „gripezinha“, kleine Grippe, verharmloste, setzten einzelne Bundesstaaten restriktive Maßnahmen um.

So verhängte der Gouverneur des Bundesstaates Sao Paulo, der mehr als 40 Millionen Einwohner hat, am Samstag als erster eine weitgehende Ausgangssperre, die von Dienstag an für 15 Tage gelten soll. Bolsonaro bezeichnete das als „Hysterie“. Andere Bundesstaaten wie Rio de Janeiro haben die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ebenfalls eingeschränkt.

Indien probte für den Ernstfall. Die 1,3 Milliarden Inder wurden am Sonntag aufgerufen, eine von 7.00 bis 21.00 Uhr (Ortszeit) geltende Ausgangssperre einzuhalten. Premierminister Narendra Modi sah dies als „gewaltiger Beitrag zum Kampf gegen die Covid-19-Bedrohung“. Lav Agarwal vom Gesundheitsministerium erklärte, die Regierung wolle mit der Test-Maßnahme „Einigkeit in der Isolation“ erreichen.

In der Hauptstadt Neu-Delhi und der Finanzmetropole Mumbai schienen sich die meisten Bewohner an die Vorgaben zu halten. Beobachter gehen davon aus, dass der begrenzten Ausgangssperre längere verpflichtende Ausgangsbeschränkungen nachfolgen werden. Indien hat bisher mehr als 320 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet, fünf Menschen starben. Die Dunkelziffer könnte nach Einschätzung von Experten allerdings deutlich höher liegen.

Vonseiten der Weltgesundheitsorganisation WHO gab es die Warnung, im Kampf gegen das Coronavirus nicht nur auf die Einschränkung des gesellschaftlichen Lebens zu setzen. „Worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Kranken mit Infektionen zu finden und sie zu isolieren“, sagte der WHO-Experte Mike Ryan in der BBC. Er riet dazu, wie in China, Singapur und Südkorea die Zahl der Tests massiv in die Höhe zu fahren. Ryan betonte auch, bei der Entwicklung eines Impfstoffes realistisch zu bleiben. Die Entwicklung und die nötigen Tests würden „mindestens ein Jahr“ dauern.


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