Disney+ geht heute online: Das Imperium streamt zurück

Sternenkrieger, Superhelden und knüppelhartes Business: Ab heute ist Disneys konzerneigener Videodienst auch in Österreich abrufbar.

Setzt sich die Maus jetzt auch die Streaming-Krone auf: Disney+ geht heute auch in Österreich online. Für monatlich 6,99 Euro werden rund 1000 Filme und Serienepisoden angeboten.
© Disney

Innsbruck – Dem Thema Freundschaft widmet sich Forky in der zweiten Folge von „Forky Asks a Question“. Davor gilt es, wirklich Wichtiges zu klären: „Was ist Geld?“, fragt die zum Spielzeug gewordene Gabel in Folge Nummer eins. „Forky Asks a Question“ ist eines der neuen Formate, die Disney exklusiv für den konzerneigenen Streamingdienst Disney+ produziert hat. Animiertes Infotainment für alle ab 3 Jahren. Später wird Forky auch nach Kunst und Käse fragen. Zunächst aber geht es, wie gesagt und durchaus programmatisch, ums Geld.

Disney hat sich den Einstieg ins Streaminggeschäft viel kosten lassen. Allein der Ankauf von 20th Century Fox – und damit der „Simpsons“ und Kinohits wie „Avatar“ – schlug mit gut 70 Milliarden Dollar zu Buche. In den USA, wo Disney+ seit November 2019 abrufbar ist, startete der Dienst furios: 30 Millionen Abonnenten in wenigen Wochen. Allerdings: Noch macht Disney+ etwa 700 Mio. Dollar Miese im Quartal. Peanuts für einen Konzern, der jährlich mehr als 70 Milliarden Dollar umsetzt. Vor allem die Franchises – Marvel und „Star Wars“ – aber auch der ureigene Disneykatalog sind eine Lizenz zum Gelddrucken.

Weltraum-Western mit Kulleraugen

Jon Favreau ist Disneys Allzweck-Hausregisseur, vom ersten Marvel-Film bis zum „Dschungelbuch“-Remake. Mit der Star-Wars-Serie „The Mandalorian“ beweist er erneut ein goldenes Händchen. Das liegt vor allem an der Figur, die US-Fans schnell als Baby-Yoda zum Meme machten. Mit perfektem Kulleraugen-Kindchenschema streicht das stumme Kleinkind die süße Seite der Familien-Saga hervor. Wie einst George Lucas mit seinen pelzigen Ewoks schielt Mutterkonzern Disney dabei ungeniert auf Spielzeug-Verwertung. Inhaltlich orientiert sich „The Mandalorian“ mit seiner Kopfgeldjäger-Titelfigur (Pedro Pascal) am Western, mit Gast-Auftritten von Regielegende Werner Herzog und Haudegen Nick Nolte. In acht halbstündigen Folgen reduziert die Serie den epischen Sternenkrieg radikal auf harmlos-unprätentiöses Fernseh-Level.

Nicht nur für die im Kino zuletzt etwas müden Sternenkrieger: eine neue Hoffnung. (maw)

Die ersten zwei Folgen von „The Mandalorian“ sind ab heute auf Disney+ abrufbar.
© Disney

Auf diese Zugpferde setzt auch Disney+. Der Streamingdienst ist ab heute auch in Österreich abrufbar. Zyniker würden sagen: Genau zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich dürften Bewegbildanbieter vom Stillstand des öffentlichen Lebens profitieren. Für 6,99 Euro/Monat bietet Disney+ Trickfilme – von „Schneewittchen“ bis zum „König der Löwen“ –, Sternenkrieger und Superhelden. Manches, etwa „Fantasia“ mit Mickey Maus als Zauberlehrling, wurde mit Warnhinweisen versehen – wegen rassistischer Stereotype. Anderes, frühe „Simpsons“-Folgen z. B., hat man für gängige Heimkinosysteme aufgeblasen. Zielgruppe des Dienstes sind fraglos Kinder. Auch das macht ihn dieser Tage besonders interessant. Aber auch Nostalgieanfällige sind gefährdet: Wer will nicht noch mal Teil von Käpt’n Balus tollkühner Crew sein.

Disney+ verringert Bandbreite zum EU-Start

Wie das Portal Deadline berichtet, wird Disney+ zum Start in Europa seine Bandbreite um 25 Prozent zurückfahren, um – so wie auch Netflix, YouTube und Amazon Prime Video – dabei zu helfen, während der Coronavirus-Pandemie das Internet zu entlasten. Die Maßnahme von Disney+ soll für 30 Tage gelten.

Auch die exklusive Doku-Serie „The Imagineering Story“ blickt zurück. Auf Disneys Konzerngeschichte – und damit auf die Kunst, knüppelhartes Business als Schritt in eine bessere Welt zu erzählen. Hier wird schon vorausgesetzt, was Forky erst lernen muss: Bevor von Freundschaft, Kunst und Käse geredet werden kann, muss die Kasse stimmen. (jole)

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Willem Dafoe in „Togo“.
© Disney

Heldenhafter Underdog

In Disneys Konzernwelt ist genug Platz für zwei neue Schlittenhundefilme: „Togo“ entführt nach der Jack-London-Verfilmung „Call of the Wild“, die im Februar noch in die Kinos kam, erneut ins kalte Alaska. Diesmal steht nicht der Goldrausch, sondern ein medizinischer Notfalleinsatz im Fokus. Willem Dafoe (zuletzt auch bei Abel Ferraras Berlinale-Beitrag „Siberia“ mit dem Hundeschlitten unterwegs) spielt Leonhard Seppala, der zusammen mit seiner Frau Constance (Julianne Nicholson) Huskies trainiert. 1925 transportiert er in einer 300-Meilen-Fahrt lebensrettendes Diphtherie-Serum für Kinder in ein abgelegenes Dorfspital – ein frühes Medienereignis. Kein Film für Impfgegner also, denn die legendäre amerikanische Rettungsgeschichte ist historisch verbürgt. Titelheld ist Führungshund Togo – gespielt vom blauäugigen Husky Diesel –, laut Time Magazine das heldenhafteste Tier aller Zeiten. In Rückblenden bekommt man ihn als süß-widerspenstigen Welpen präsentiert, der sich ins Herz seines Herrchen sprintet. Dass das, im Gegensatz zum knallbunten CGI-Misserfolg „Call of the Wild“, fast durchwegs ohne Kitsch und Effekt-Sturm abläuft, ist keine Kleinigkeit. Regisseur Ericson Core macht die unbarmherzige Naturgefahr der gefrorenen Beringsee spürbar und die Mensch-Tier-Beziehung glaubhaft. Ein angenehm abenteuerlicher Film. (maw)


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