Streit der Häuptlinge in Deutschland im Kampf gegen die Krise

Im Kampf gegen die Corona-Krise verliert sich Deutschland zunehmend in einem Machtkampf der Länder. Und die Kanzlerin steckt in Quarantäne.

Nur vermeintlich ein Herz und eine Seele: Doch die Art, Politik zu machen, unterscheidet sich stark bei Armin Laschet und Markus Söder.
© AFP

Von Gabriele Starck

Berlin, München, Düsseldorf – Jedes Bundesland macht, was es will. Von Einigkeit und Abstimmung keine Spur. Gebrodelt hat es schon länger, am Sonntag aber ist der Konflikt offen zu Tage getreten.

Es ist das fortwährende Vorpreschen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Während etwa die anderen Länderchefs noch mit sich und untereinander rangen, hatte Söder schon die Schulschließungen für sein Bundesland verfügt. Die anderen folgten nach und nach. Dass der polternde Franke dann ohne Abstimmung mit seinen Amtskollegen auch noch Ausgangsbeschränkungen erließ, brachte das Fass zum Überlaufen. Es soll laut geworden sein bei der Videokonferenz am Sonntag, und Söder habe mit einem Abbruch gedroht, heißt es.

Diesen Kampf der Häuptlinge kann das Land derzeit nicht brauchen. Noch dazu spielt er sich unter Parteifreunden von CDU und CSU ab. Während es CSU-Chef Söder nicht schnell und weit genug gehen kann mit den Maßnahmen, steht der Landeschef von Nordrhein-Westfalen (NRW) Armin Laschet auf der Bremse. Es ist ein völlig unterschiedlicher Zugang zur Politik, der noch dazu verstärkt wird durch die anstehende Führungsfrage in der CDU und das Rennen um den Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl.

Armin Laschet kandidiert für den CDU-Vorsitz und sein Markenzeichen ist der ausgleichende und manchmal auch als langweilig titulierte Politikstil. So will er aber auch wahrgenommen werden. Söder verkörpert hingegen den Machtmenschen und Macher.

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Dabei hätte eigentlich Laschet vorpreschen müssen. Denn NRW weist mit 8200 bestätigten Infektionen besonders hohe Zahlen auf. Auch befand sich der erste unkontrollierte Infektionsherd hier – in der Stadt Heinsberg, nicht weit von Dortmund. Zum Vergleich: In Bayern zählte man gestern 5700 und in Baden-Württemberg 4300 Fälle.

Kanzlerin Angela Merkel sieht dem Treiben derzeit von zuhause aus zu und arbeitet von dort aus. Sie befindet sich seit Sonntag in Quarantäne, weil einer ihrer Ärzte infiziert ist. Ein erster Test auf das Virus verlief negativ, weitere sollen folgen, sagte ihr Sprecher gestern. Das Quarantäneschicksal teilt sie mit etlichen Kollegen. Friedrich Merz, der ebenfalls um den CDU-Vorsitz kämpft, sowie der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir sind sogar am Virus erkrankt.


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