Kredite, Zinsen, Wohnen: Tiroler AK fordert "finanziellen Schutzschirm" ein

Arbeiterkammer-Präsident Zangerl reklamiert Anteil am 400-Mio.-Paket des Landes für Entlastung der Arbeitnehmer bei Krediten, Zinsen, Wohnen. Hilfsfonds mit Land angedacht.

Die Anrufe besorgter Mitglieder in der AK steigen, weil eben viele nicht mehr wissen, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen.
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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Wie sollen Kredite zurückbezahlt werden? Wie die Miete? Was ist mit Versicherungsraten, die plötzlich nicht mehr leistbar sind? Bis zu 7000 besorgte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich in den vergangenen Tagen hilfe- und ratsuchend an die Arbeiterkammer Tirol gewandt.

Das AMS vermeldet immer mehr Arbeitslose.
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„Die Telefone stehen nicht mehr still.“ Viele würden nicht einmal mehr wissen, wie sie ihre Familie weiter ernähren sollen. „Das geht durch Mark und Bein“, berichtet AK-Präsident Erwin Zangerl von einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung. Immer mehr Familien seien von Lohn- und Gehaltseinbußen bzw. sogar Arbeitslosigkeit betroffen.

Die aktuellen Sorgen und Nöte der Mitglieder bündelnd, hat Zangerl nun ein Forderungspaket ans Land geschnürt. Dessen Kernbotschaft: Die AK verlangt von LH Günther Platter, dass ein deutlicher Anteil jenes 400-Millionen-Pakets, das die Landesregierung angekündigt hat, den Arbeitnehmerfamilien und Beschäftigten zugute kommen müsse. „Die nötige finanzielle Liquidität in schwierigen Lagen muss für alle Betroffenen schnellstmöglich gesichert sein.“ Für die Arbeitnehmer seien die Hilfspakete „genauso wichtig wie für Betriebe und Landwirtschaft“. Aus diesem Grund fordert Zangerl das Land auf, einen „finanziellen Schutzschirm“ auch über die Arbeitnehmer zu spannen. Das soll ein gemeinsamer Hilfsfonds sein, in den die AK ihrerseits zwei Millionen Euro ihres AK-Hilfsfonds einbringen will. Das Geld soll direkt an die Betroffenen ausbezahlt werden.

Doch Zangerl fordert weitere (rechtliche) Hilfen und Maßnahmen ein:

Mindestsicherung: Der eingezogene Mietwohndeckel soll erhöht werden. Auch ohne Corona-Krise hätten diese Mittel zur Deckung des Wohnbedarfs nicht gereicht.

AK-Präsident Erwin Zangerl: „Wir erwarten uns einen deutlichen Anteil des 400-Millionen-Pakets für die Beschäftigten.“
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„Opting in“: Geringfügig Beschäftigte sind nicht arbeitslosenversichert. Bisher konnten sie sich durch „Opting in“ zu einem relativ günstigen Preis zumindest kranken- und pensionsversichern. Jetzt würden sie aber in verstärktem Ausmaß gekündigt, so die AK, wodurch auch das „Opting in“ ende. Die „freiwillige“ Selbstversicherung sei aber wesentlich teurer. Auch hier gehöre finanziell unterstützt, so die AK.

Banken und Versicherungen: Diese sollten bei privaten Kreditraten und Versicherungsprämien unkomplizierte Überbrückungsvarianten anbieten. Verträge sollten bei Zahlungsschwierigkeiten nicht gekündigt werden. „In der Finanzkrise wurde den Banken geholfen – es ist jetzt an der Zeit, dass auch die Banken etwas davon zurückgeben“, so Zangerl.

Energiekosten: Strom und Gas sollten vorübergehend billiger bzw. der Tiwag-Härtefonds erhöht werden.

Mieten: Die AK denkt an, die Wohnbeihilfe und Mietzinsbeihilfe mittels eigenem Fonds über die Wohnbauförderung aufzustocken und rückwirkend auszubezahlen. Auch ein befristetes Kündigungsverbot, wie es Deutschland plane, sei anzudenken.


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