Bereits vier Corona-Tote in Tirol, immer mehr "Geheilte" zu erwarten

Zwei Patienten (77, 89) mit schweren Vorerkrankungen starben im Krankenhaus Zams. Insgesamt sind 1138 Menschen im Land infiziert. Für den Genesungsbescheid soll es bald bundesweit neue Regeln geben.

Ob die Immunität gegen das Coronavirus nur ein Jahr oder ein Leben lang hält, muss sich laut Infektiologe Günter Weiss erst zeigen.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Binnen eines Tages hat sich die Zahl der Menschen, die in Tirol am Coronavirus gestorben sind, verdoppelt. Die ersten Todesfälle im Land sind am Montag bekannt geworden, gestern wurden zwei weitere Opfer gemeldet. Dabei handelt es sich um 77 und 89 Jahre alte Patienten des Krankenhauses Zams. Infiziert sind in Tirol mittlerweile 1138 Menschen, was im Vergleich zum Vortag einen Anstieg von 52 bedeutet. Angedacht wird indes, dass Genesene keine Viren-Tests mehr machen müssen, um die Gesundung zu verifizieren. Dies soll verhindern, dass die Labore der Flut an Arbeit nicht mehr Herr werden. Wie genau diese, dann bundesweite, Regelung aussieht, soll in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden.

Die zwei Toten aus Zams sind, laut Auskunft der Tiroler Landespressestelle, bereits mit schweren Vorerkrankungen ins Krankenhaus gebracht und dort stationär aufgenommen worden. Bei der Einlieferung sind beide dann positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch die zwei ersten Tiroler Todesopfer – eine 86-Jährige und ein 78-Jähriger – waren gesundheitlich vorbelastet. Die Frau hatte ein geschwächtes Immunsystem und starb, nachdem sie von Krankenhaus St. Johann auf die Innsbrucker Klinik verlegt worden war. Der Mann, aus St. Anton stammend, galt als Hochrisikopatient und hatte schwere Herzprobleme.

Einen starken Zuwachs um 52 auf insgesamt 1138 gab es in Tirol bei jenen Menschen, die sich mit dem Erreger angesteckt haben. Der nach wie vor am stärksten betroffene Bezirk ist mit 342 Infizierten Landeck, gefolgt von Innsbruck (241) und Innsbruck-Land (152). 9123 Corona-Tests wurden hierzulande bisher durchgeführt, bei 1688 davon läuft derzeit noch die Auswertung.

Wann gilt man als genesen?

Wie die Landespressestelle gestern mitteilte, gelten 19 Menschen in Tirol aktuell als genesen. Wann ist das aber der Fall? Es gibt, bei einem milden Verlauf, zwei Möglichkeiten, den Status „geheilt“ zu erhalten, sagt der Infektiologe und Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin an den Tirol Kliniken, Günter Weiss. Zum einen sei das der Fall, wenn der Patient oder die Patientin mindestens 48 Stunden vor Ablauf einer 14-tägigen Quarantäne symptomfrei ist. „Ansonsten kann auch als genesen gelten, wer zumindest 48 Stunden ohne Symp­tome ist und zweimal nach Ende dieser Zeit negativ getestet wurde“, erklärt Weiss. Für Patienten, die im Krankenhaus behandelt wurden, gilt dasselbe Prozedere, nachdem sie entlassen werden und sich in Heimquarantäne begeben.

Das ist der medizinische Aspekt – und wie sieht es von Seiten der Gesundheitsbehörden aus? „Zwei Tage vor Ablauf der Heimquarantäne werden die Infizierten von uns kontaktiert“, berichtet dazu Tirols Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber. Dann werde ein Abstrich gemacht, dieser getestet. Sofern das Ergebnis negativ ist, gelte der Patient als geheilt. Besonderen Bescheid braucht es dann keinen mehr.

Da das einen enormen Aufwand für die Labore bedeute und in den kommenden Tagen und Wochen immer mehr Geheilte zu erwarten seien, „wird derzeit von den Landessanitätsdirektoren Österreich eine neue Regelung erarbeitet“, sagt Rainer Gerzabek, im Landeseinsatzstab zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Wie diese aussieht, ob die Tests etwa wegfallen, ist noch unklar.

Laut Günter Weiss sind jene, die das Virus einmal hatten, immun dagegen. „Was wir noch nicht wissen, ist, ob die Immunität ein Jahr, zehn Jahre oder ein Leben lang anhält.“ Ebenfalls sei noch unklar, wie sich das Immunsystem verhalten wird, falls das derzeit kursierende Coronavirus in einigen Jahren in etwas veränderter Form wieder auftritt. „Ob wir dann noch immun sind, muss sich zeigen.“


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