Entscheidende Acker-Wochen in Tirol: Ernte mit welchem Personal?

In der Inntalfurche steht die erste Gemüseernte an. Doch es fehlen über 400 Erntehelfer. Landwirtschaftskammer-Präsident Hechenberger will Tourismusmitarbeiter rekrutieren.

Während hier noch gepflanzt wird, stehen bei Radieschen und Jungzwiebeln die Ernten an.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Vieles steht derzeit in Tirol still. Das Coronavirus hat vieles lahm gelegt. Nicht so auf den Äckern – insbesondere in der Inntal­furche. Für die Tiroler Gemüsebauern sind entscheidende Wochen angebrochen. Während nämlich die einen das bereits im Dezember bestellte Pflanzgut auf den Acker bringen, steht für die anderen die erste Ernte an: die von Jungzwiebel und Radieschen.

Josef Posch, Obmann der Tiroler Gemüsebauern, schätzt, dass in der zweiten bis dritten Aprilwoche zwischen Kematen und Wattens an die 25 Hektar an Radieschen- und etwa zehn Hektar an Jungzwiebelflächen zu ernten sein werden. Nur: mit welchem Personal? Jahr für Jahr werden in Tirol saisonale Erntehelfer gesucht. Zumeist kommen sie aus Polen, Ungarn und der Ukraine. Übers Jahr verteilt an die 1000. Das ist kein neues Problem.

Die Corona-Krise ist neu. Die Grenzen sind dicht. „Wir tun uns ganz hart, Leute zu bekommen“, schildert Posch die sich mit jedem Tag zuspitzende Situation: „Es wird wohl allerhand hinten bleiben.“ Posch malt damit das Schreckensszenario der Bauern an die Wand: reife Ware, die mangels Arbeitskräften nicht geerntet werden kann. Gerade Radieschen und Jungzwiebel zu ernten, seien arbeits- weil handintensiv.

Einige Betriebe würden noch über Erntehelfer verfügen, so Posch. Gebraucht würden aber zum Start trotzdem rund 400, ist auch der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger, besorgt: „Da werden wir ein Problem bekommen.“ Zumal sein Blick noch weiter in die Zukunft geht. Bei weiteren Ackerfrüchten stünde Aussaat und Düngung an, so Hechenberger: „Das ist sehr entscheidend für den ganzen Sommer und Herbst.“ Einige Bauern, so Posch, hätten die Aussaat bereits zurückgeschraubt. Hechenberger drängt jetzt darauf, neue Erntehelfer zu lukrieren: „Wir müssen mit den Sozialpartnern diskutieren, ob wir nicht freigestellte Mitarbeiter aus dem Tourismus einsetzen können.“ Auch Posch sagt, man sei „für alles offen“. Was die in Corona-Zeiten nötigen Sicherheitsvorkehrungen betrifft, so hegt Posch keine Zweifel, dass die auch bei der Ernte eingehalten werden können.

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Zuletzt haben Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Arbeitsministerin Christine Aschbacher die Online-Plattform www.dielebensmittelhelfer.at vorgestellt.

Generell sei die Absatzlage für die Bauern derzeit different, sagt Posch. Jene, die hauptsächlich die Gastronomie beliefern, hätten stark zu kämpfen. Eben aufgrund der behördlichen Schließungen. Jene indes, die Handelsketten zu ihren Kunden zählen, haben ein gutes Geschäft. Die Auswirkungen seien „noch nicht abschätzbar“, so Hechenberger.

Indes boomt die bäuerliche Direktvermarktung. Gerade Hofläden werden derzeit regelrecht gestürmt.


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