22-Jährige geriet in Ischgl in Bergnot: Heli-Bergung als teures Vergnügen

Die Ausgangsbeschränkungen wirken sich auf die Anzahl der Rettungseinsätze aus. Diese sind um ein Drittel zurückgegangen. Bei Verstößen drohen saftige Strafen, wie ein Fall aus Ischgl zeigt.

(Symbolfoto)
© Böhm

Von Nikolaus Paumgartten

Ischgl, Innsbruck – Bewegung ja, aber keine Ski-, Berg- oder Mountainbiketouren. Und dennoch: Weder von den Appellen der Politik, noch von der Landesverordnung zum Covid-19-Maßnahmengesetz hat sich eine 22-jährige Tschechin in Ischgl abbringen lassen, am Montag eine Wanderung in hochalpines Gelände zu unternehmen. Wie berichtet, geriet sie dabei in derart steiles Gelände, dass sie gegen 17.30 Uhr einen Notruf absetzte und schließlich vom Polizeihubschrauber mittels Tau geborgen wurde.

Ein teures Vergnügen. Denn wie die Polizei gestern bestätigte, wurde bei der Bezirkshauptmannschaft nicht nur Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Covid-19-Verordnung erstattet, der 22-Jährigen wird auch der Hubschrauber-Rettungsflug in Rechnung gestellt. Das Strafmaß im Verwaltungsverfahren liegt bei bis zu 3600 Euro, das Innenministerium verrechnet pro Flugminute 53 Euro.

Dass sich die Bevölkerung in Tirol im Großen und Ganzen an die neuen Regeln hält, zeigt die Tatsache, dass die Anzahl der Rettungseinsätze in der vergangenen Woche deutlich rückläufig ist – nämlich um rund ein Drittel. Doch nicht nur bei den Rettungsdienst-Einsätzen, auch bei den Krankentransporten verzeichnet die Leitstelle Tirol einen Rückgang von bis zu 40 Prozent, wie Leitstellen-Geschäftsführer Bernd Noggler erklärt. Ebenfalls ein deutliches Minus gibt es bei den Notarzteinsätzen: Diese sind seit Anfang März sogar um zwei Drittel zurückgegangen – dank des geänderten Freizeitverhaltens aufgrund der Ausgangsbeschränkungen. Auch die Notarzthubschrauber werden nur noch vereinzelt zu Einsätzen gerufen, heißt es seitens des Landes Tirol.

Bei der ÖAMTC-Flugrettung betont man allerdings, dass auch in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen ein funktionierendes Flugrettungssystem gewährleistet sein müsse und daher in Österreich alle 16 Notarzthubschrauber in Vollbetrieb stehen. Neurologische und internistische Notfälle führen derzeit die Einsatzstatistik an, ein deutliches Plus gibt es bei Einsätzen, die nach Unfällen im Haushalt erforderlich sind.

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