Helden des Alltags: „Die Menschen bedanken sich jetzt viel öfter als früher“

Das Pflegepersonal in den Spitälern ist seit Wochen besonders gefordert. Doch das Coronavirus hat nicht nur die Arbeitsabläufe verändert.

Ihr aufmunterndes Lächeln muss Marina Schneider derzeit oft hinter ihrer Maske verstecken.
© tirol kliniken/Schwamberger

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Marina Schneider liebt die Abwechslung und die Herausforderung. Genau deshalb hat sich die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin vor gut sieben Jahren dafür entschieden, ihren Beruf in der Notaufnahme des Medizinzentrums Anich­straße (MZA) an der Inns­brucker Klinik auszuüben. „Es ist spannend, weil wir hier Patienten aus den unterschiedlichsten Bereichen habe“, erzählt die 30-Jährige.

Seit einigen Wochen ist ihre Arbeit und die ihrer Kollegen um eine ganz spezielle Herausforderung reicher geworden: „Wir haben jetzt zwei Bereiche, auf die Patienten nach einer Ersteinschätzung aufgeteilt werden.“ Wird jemand mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion eingeliefert, so wird er in einen Bereich gebracht, in dem höchste Schutzstandards gelten. „Es ist eine Herausforderung für das ganze Team, aber alle arbeiten super zusammen. Es gibt kein böses Wort untereinander, auch wenn die Situation oft stressig ist“, sagt die Innsbruckerin. Es herrsche eine besondere Hilfsbereitschaft und ihr Vorgesetzter sei 24 Stunden am Tag erreichbar und stets bemüht, die Abläufe für alle so gut wie möglich zu gestalten.

Die Arbeit in voller Schutzmontur ist anstrengend. Doch auch hier hilft der Teamgeist bei der Bewältigung des fordernden Alltags. „Wenn es einem im Risikobereich einmal zu viel wird, dann gibt es immer jemanden, der einen ablöst.“ Meist reichen schon zehn Minuten an der frischen Luft, um mit neuer Energie zurück ans Werk zu gehen. Und so gelingt es trotz aller Widrigkeiten, dass der Spaß an der Arbeit nicht verloren geht.

Eine ständige Angst, sich selbst mit dem Coronaviru­s anzustecken, hat Marina Schneider nicht. „Wir bekommen die Schutzkleidung zur Verfügung gestellt und ich vertraue darauf, dass die ihre Funktion erfüllt“, sagt sie. Wenn man sich beim Anlegen dieser und im Umgang mit anderen Menschen an die Regeln halte und beispielsweise regelmäßig die Hände desinfiziere, dann habe man zumindest alles dafür getan, bestmöglich geschützt zu sein. „Aber natürlich: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Man muss aber sagen, dass man bereits ein gewisses Risiko eingeht, wenn man das Haus verlässt“, sagt die diplomierte Krankenpflegerin.

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Das Coronavirus hat nicht nur die Arbeitsabläufe in der Notaufnahme des MZA verändert, sondern auch die Patienten. „Sie sind viel geduldiger geworden. Wenn früher einem Patienten alles zu langsam gegangen ist, hat er gleich einmal zu schimpfen begonnen. Jetzt gibt es Patienten, die sich sogar entschuldigen, wenn sie zu uns in die Notaufnahme kommen. Das müssen sie natürlich nicht, denn dafür sind wir schließlich da.“ Sie habe jedenfalls deutlich zugenommen, die Wertschätzung gegenüber dem Pflege­personal. „Die Menschen bedanken sich jetzt viel öfter als früher. Und man merkt, dass sie es ehrlich und ernst meinen. Das ist schon ein sehr schönes Zeichen“, freut sich Marina Schneider. Umso schwieriger sei es daher, dass der Kontakt zu den Patienten momentan sehr distanziert ausfallen muss. „Nicht selten sind Menschen sehr verängstigt, wenn sie zu uns kommen. Da hilft dann oft ein freundliches Gesicht und ein aufmunterndes Lächeln. Aber mit der Schutzmaske bis unter die Augen ist das derzeit leider nicht möglich.“

Bei aller Arbeit, die sie und ihre Kollegen sowie das Ärzte­personal verrichten, will Marina Schneider nicht unerwähnt lassen, dass in der Klinik die Abläufe nur deshalb auch in der Krise so reibungslos funktionieren können, weil wirklich in allen Bereichen gut zusammengearbeitet wird. „Und zwar bis zum Wachdienst und zu den Reinigungskräften.“


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