Künftig schneller zum Testergebnis: Tirol baut auf 1800 Tests pro Tag

In den nächsten Tagen wird in Tirol die Kapazität für Corona-Testungen von täglich 800 auf 1800 erhöht. Auch wurden etwa Krankenhäuser bestimmten Laboren zugeteilt, der Weg zum Befund damit vereinfacht.

„Tirol ist bereits jetzt sehr fleißig beim Testen. Hier wird Außergewöhnliches geleistet“, sagt der Immunologe Igor Theurl.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Viele sollen es werden und schnell soll es gehen. Am Dienstag kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an, in Österreich künftig bis zu 15.000 Corona-Tests pro Tag durchzuführen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) meinte, dass auch Schnelltests bald zum Einsatz kommen sollen. In Tirol werden derzeit rund 800 Proben pro Tag ausgewertet, dies soll bald auf 1800 ausgeweitet werden. Zudem sind seit gestern Krankenhäuser und Screening-Einrichtungen bestimmten Laboren zugewiesen. Durch die Neuorganisation sollen Wege verkürzt, Abläufe verbessert und damit Ergebnisse schneller mitgeteilt werden können.

Igor Theurl ist Immunologe an der Medizinischen Universität Innsbruck und koordiniert die Corona-Tests in Tirol, das, seiner Meinung nach, „bereits jetzt sehr fleißig beim Testen ist. Hier wird Außergewöhnliches geleistet.“ Kritik, wonach Österreich bisher dahingehend zu wenig getan hätte, relativiert der Mediziner mit einem Rechenbeispiel: Südkorea, das als positives Beispiel bei den Testungen gilt, kann bei einer Bevölkerung von 52 Millionen Menschen bis zu 20.000 Befunde täglich erstellen – auf 2600 Einwohner kommt ein Test. In Tirol leben 758.000 Menschen, bei 800 Diagnosen in 24 Stunden kommt ein Test auf ca. 950 Einwohner. „Wir in den Laboren sehen die Aufgabe und wollen sie erfüllen. Bis spät in die Nacht wird oft gearbeitet. Da geht niemand früher nach Hause.“

In fünf Einrichtungen im ganzen Land werden derzeit die Proben vorbereitet und analysiert. Wobei sich keine einzige davon, laut Theurl, „nur mit ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich dem Auswerten von Tests, beschäftigt. Wie bei Schutzmasken und -kleidung auch herrscht auf dem Weltmarkt ein täglicher Kampf um Reagenzien.“ Er meint damit jene Stoffe und jenes Zubehör, das benötigt wird, um einen Test überhaupt durchführen zu können. Derzeit gelinge es noch, alle erforderlichen Materialien zu beschaffen, wie lang das so anhält, bleibe abzuwarten.

Igor Theurl
© die fotografen

Neun mobile Screening-Teams, bestehend aus Arzt bzw. Pfleger und Fahrer, sind aktuell in Tirol unterwegs, um Abstriche bei Verdachtsfällen und Kontaktpersonen zu machen. Zudem gibt es Screening-Straßen an den Bezirkskrankenhäusern Zams, St. Johann und Kufstein, in der Rossaugasse in Innsbruck, bei der Diskothek Mausefalle in Schwaz und am Parkplatz Bergbahnen Zettersfeld in Lienz – diese dürfen jedoch nur nach Zuweisung angefahren werden. Mit diesen Einrichtungen könne „eine höhere Anzahl an Testungen organisatorisch auch zeitnah“ bewältigt werden, sagt Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Dass Leute teilweise ewig auf ihr Ergebnis warten, war ein Problem, das derzeit zu beheben versucht wird.
Igor Theurl (Immunologe)

Test-Koordinator Igor Theurl gibt zu: „Dass Leute teilweise ewig auf ihr Testergebnis warten, war ein Problem. Eines, das erkannt wurde und derzeit zu beheben versucht wird.“ Dadurch, dass alle Screening-Straßen und Krankenhäuser seit gestern einem fixen Labor zugewiesen sind, werde sich das aber deutlich verbessern. „Optimal wäre es, wenn jemand nach 36 Stunden einen Anruf und dort mitgeteilt bekommt, ob der Test positiv oder negativ ausgefallen ist. Und ich verstehe, dass sich die Menschen sorgen. Wir befinden uns aktuell jedoch in einer Ausnahmesituation, wo wir keine eingespielten Systeme und Kommunikationswege haben“, bittet er aber um Verständnis in der Bevölkerung, wenn es in Einzelfällen zu Verzögerungen kommen kann.

Wer soll nun aber weiterhin getestet werden? Lückenlos alle Einwohner eines Staats? Oder nur bestimmte Gruppen, wie beispielsweise Risikopatienten? „Ob nun flächendeckende Tests sinnvoller sind als stichprobenartige oder die ausschließliche Testung von Patienten mit Symptomen, wird sich erst noch zeigen“, sagt Theurl. „Wir wissen es einfach noch nicht, was der richtige Weg ist.“

Elf Prozent der Kranken im Spital

Bei den allermeisten Corona-Erkrankten in Österreich wurde bislang ein milder Krankheitsverlauf festgestellt. Diese Patienten befinden sich daher in häuslicher Pflege und Quarantäne. Rund elf Prozent der Covid-19-Erkrankten sind am Mittwoch in Spitälern betreut worden, nur 1,6 Prozent aller Corona-Patienten werden auf Intensivstationen behandelt. Dies teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grünen) am Mittwoch mit.

Keine erhoffte Entwarnung kann es derweil bei den Grippe-Patienten geben. Dies ist insofern bitter, weil die Symptome ähnlich sind wie bei Corona und weil damit auch das Gesundheitssystem stark belastet wird. Die Zahl der an Grippe- und grippeähnlich Erkrankten bleibt weiter ungewöhnlich hoch und stabil. Nach den Auswertungen der Agentur für Ernährungssicherheit und Gesundheit (AGES) liegt die Zahl der Betroffenen aktuell bei 112.000 Erkrankten. Eine Modellrechnung der AGES zur Grippe-Sterblichkeit geht heuer von 643 Todesfällen aus. (misp)


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