Über den Wolken: Benjamin hat Kerosin im Blut

Einmal selbst am Steuer eines Flugzeugs zu sitzen – davon träumt der 17-jährige Benjamin Radner seit seiner frühesten Kindheit. Jede freie Minute arbeitet er auf sein Ziel hin.

Das mehr als ein Meter lange Modell dieser Boeing 757 von TUI ist der ganze Stolz des 17-jährigen Schülers aus Stams.
© Radner

Von Beate Troger

Stams – Erst vorige Woche ist er 17 geworden. Also gerade alt genug, um ein Flugzeug zu steuern. Kein Scherz.„Wenn ich die Privatpilotenlizenz hätte, dürfte ich jetzt schon ein Flugzeug steuern“, erklärt Benjamin Radner aus Stams. Sein Herz schlägt für die Luftfahrt. Seit seinem ersten Lebensjahr besucht er mit seinem Papa regelmäßig den Flughafen. Kein Wunder, dass seit dem frühesten Kindesalter sein Berufswunsch feststeht: Er möchte Pilot werden.

Benjamin Radner am Flugsimulator
© Radner

Bis er selbst die Steuerknüppel betätigen und in der schicken Uniform die fliegenden Riesen durch die Lüfte lenken kann, hat der Teenager noch einen langen Weg vor sich. Doch er bringt die besten Voraussetzungen dafür mit.

Jede freie Minute widmet er seinem Hobby. Auf seinem Computer hat er einen Flugsimulator samt Schubhebel und Lenkrad installiert und fliegt virtuell um die Welt. Erst vor dem TT-Gespräch hat er einen Vier-Stunden-Flug von London nach Kos zurückgelegt.

Der Innsbrucker Flughafen ist Benjamins zweites Zuhause. Egal, ob Regen, Schnee oder eisige Minusgrade, in der Wintercharter-Hochsaison steht der Schüler jeden Samstag bis zu zwölf Stunden lang am Rollfeld oder auf der Terrasse und fotografiert die Maschinen, die landen und abheben. „Spotten“ heißt das im Luftfahrtjargon.

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Zu Besuch im Cockpit.
© Radner

Das Privatflugzeug der holländischen Königsfamilie hat er schon genauso abgelichtet wie diverse Regierungsflieger. „Doch eigentlich interessieren mich die Promis nicht so sehr wie die Maschinen“, stellt er klar. Sein Lieblingsflugzeug ist die Boeing 757. Mehr als tausend verschiedene Modelle dieses Jets gibt es. Benjamin kennt sie alle. Sein aktuelles Projekt: Er stellt jedes einzelne auf seinem Instagram-Blog (the_b757_fan) mit Foto vor. „Wenn ich jeden Tag einen Beitrag veröffentliche, bin ich in knapp drei Jahren fertig“, lacht er. Von der Boeing 757 besitzt er auch mehrere Modellbausätze, das größte davon ist einen Meter lang.

Zu seinem 15. Geburtstag wurde ihm sein damals größter Traum erfüllt: Als die britische TUI mit ihrer Boeing 757 in Innsbruck landete, durfte er das Flugzeug von innen bestaunen und sogar im Cockpit Probe sitzen.

Unter den etwa 30 Spottern aus aller Welt, die sich vor allem am Wochenende dort treffen, ist er mit Abstand der Jüngste. Das Geld für seine professionelle Fotoausrüstung hat er zusammengespart, „vom Taschengeld, Weihnachten und Geburtstag“, erzählt er. Rund 800 Fotos der veschiedensten Flugzeugtypen knipst er jeden Samstag. „Bis zu zwei Stunden brauche ich, bis ein Bild professionell für die Spotter-Seiten im Internet bearbeitet ist“, berichtet Benjamin. Denn dafür müsse alles perfekt sein. „Der Innsbrucker Flughafen liefert mit den Bergen im Hintergrund auch immer eine tolle Kulisse“, sagt Benjamin, „das kommt im Netz gut an.“

Beim Fotografieren am Flughafen Innsbruck: Benjamins Herz schlägt für die Luftfahrt
© Radner

Auf seinem Heimatflughafen in Innsbruck hat der Schüler erst kürzlich eine Jugendinitiative gegründet. Im Verein der Freunde des Flughafens Innsbruck (FDFI) gründete er die Gruppe „FDFI – Next Generation“. Bis jetzt sind die jungen Luftfahrtfans zu fünft. „Aber ich hoffe, dass noch viel mehr Jugendliche mit demselben Interesse zusammenkommen.“ Wann auch immer es möglich und leistbar ist, fliegt Benjamin auch als Passagier mit. Sein Hobby nimmt fast seine gesamte Freizeit in Anspruch. Wenn er nicht gerade am Flugsimulator trainiert oder Flieger fotografiert, interessiert sich der Pilot in spe für klassische Musik.

Dass der Flughafen derzeit geschlossen und die Wintersaison vorzeitig zu Ende ist, macht den Teenager „sehr traurig“. Doch nach dem Online-Unterricht nutzt er momentan die Zeit und informiert sich über Flugschulen und Lehrgänge. Auf dass er selbst bald so richtig im Cockpit Platz nehmen darf.


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