Bettendichte ist Österreichs Plus, Notfallbetten kommen trotzdem

Was lange von Gesundheitsökonomen und Politikern kritisiert worden ist, erweist sich jetzt als Vorteil. Trotzdem will man 20.000 Notfall-Betten schaffen.

Gesundheitsminister Anschober (r.) und Herwig Ostermann rechnen trotz steigender Zahl der Corona-Fälle damit, Zustände wie in Italien und Spanien verhindern zu können.
© APA

Von Michael Sprenger

Wien – Weltweit wurden, Stand gestern Abend, mehr als 510.000 Corona-Fälle bekannt gegeben. In Österreich waren bis zu diesem Zeitpunkt 6847 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hofft, heute konkrete Ergebnisse zu präsentieren, wie sich die verschärften Maßnahmen, um ein Ausbreiten des Virus zu verhindern, auswirken. Ziel ist es, die Zuwachsraten in einen niedrigen einstelligen Bereich zu drücken.

Derzeit verfolge die Gesundheitspolitik zwei konkrete Ziele: einerseits alle Vorbereitungen zu treffen, um das Spitalsystem vor einem Kollaps zu retten, andererseits für die nötige Schutzausrüstung zu sorgen und die Testkapazität zu erhöhen.

Mehrere Großlieferungen an dringend benötigter Schutzausrüstung sollen in den kommenden Tagen in Österreich eintreffen. So werden Schutzmasken, Schutzkleidung und allein 11 Millionen Handschuhe erwartet.

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Was lange Zeit vor allem von Gesundheitsökonomen so kritisiert worden ist, erweist sich mittlerweile als Stärke des heimischen Spitalsystems. Gemeint sei hier vor allem die hohe Bettendichte in Österreich. Trotzdem, so Anschober, will man außerhalb der Spitäler für Betten sorgen, um Patienten mit einem leichteren Krankheitsverlauf zu versorgen. Ziel ist es, österreichweit bis zu 20.000 Betten bereitzustellen.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, berichtete im Beisein des Ministers von Prognosemodellen, mit denen man in Österreich versuche, die Entwicklung der Krankheitsfälle vorauszusagen. Demnach rechne man bis 3. April mit 11.000 Fällen, davon wären 8500 tatsächlich krank und 2500 wieder genesen. Tritt diese Prognose ein, reichen in Österreich die Spitalkapazitäten aus. Und wie schaut es für jene Patienten aus, bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf erwartet wird? Insgesamt gibt es in Österreich 2451 Intensivbetten. Laut den aktuellen Prognosen besteht also noch Spielraum an freien Beatmungsgeräten und freien Intensivbetten. „Das heißt aber nicht, dass wir nicht an die Kapazitätsgrenzen stoßen können“, erläuterte Ostermann.

Und wie ist der aktuelle Stand bei den Testungen? Bisher wurden knapp 36.000 Tests durchgeführt. Anschober kündigte erneut eine Steigerung an. 15.000 Tests täglich sind das Ziel, wann dieser Wert erreicht werden soll, konnte der Gesundheitsminister am Donnerstag nicht beantworten. Dies hänge von der Marktsituation und vom Weltmarkt ab. Es werde jedenfalls „Tag für Tag nachjustiert“, sagte der Gesundheitsminister.


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