Umsatteln auf Lieferservice in Tirol: Das Tiroler Wirtshaus kommt nach Hause

Seit der totalen Lokalsperre in der Gastronomie im Zuge der Maßnahmen gegen das Coronavirus haben viele Gasthäuser in Tirol auf Lieferservice umgesattelt.

Die Wirtsleute Alfred Nikolai und Ingrid Marzari vor ihrem „Burenwirt“, der im Moment im „Lieferbetrieb“ läuft.
© Stegmayr

Von Markus Stegmayr

Polling, Innsbruck – Manuela Schmid, die mit ihrem Mann Franz das Restaurant „P202“ in Polling führt, hat sich ursprünglich entschieden, in Sachen Lieferungen weiterzumachen wie bisher. Über eine große Lieferservice-Plattform bietet sie das Essen des Gasthauses an. „Es gibt im Moment aber immer wieder Ausfälle“, berichtet sie von der offensichtlich aufgrund zahlreicher Liefer-Neulinge überlasteten Seite. „Wir müssen jetzt also verstärkt über das Telefon agieren“, fügt sie hinzu.

Für einen anderen Weg hat sich der „Burenwirt“ in Innsbruck entschieden. Lieferungen sind für die Wirtsleute Alfred Nikolai und Ingrid Marzari Neuland. Man hat sich dabei entschieden, vorranging über eine neu gegründete Facebook-Gruppe mit den Stammgästen zu kommunizieren und auf deren Solidarität zu bauen.

📽 Video | „Burenwirt“ in Innsbruck nun mit Lieferservice

Die Fragestellungen, die sich jetzt nach einer Lieferwoche ergeben, sind beim „P202“ und dem „Burenwirt“ vergleichbar. Vor allem die im Moment omnipräsente Frage nach der kontaktlosen Bezahlung, die vor allem bei Menschen in Quarantäne gewährleistet sein muss, beschäftigt beide.

Bei der eigenen Lieferung hat man sich für eine Styroporbox entschieden, in der auch das Essen transportiert wird. „Wir läuten an oder rufen hinauf, der Kunde nimmt das Essen, legt das Geld hinein, stellt die Box wieder zurück und wir nehmen sie mit“, erklärt Schmid das Kontaktlos-Prozedere.

Ähnlich agiert man beim „Burenwirt“. Der Kunde deponiert den Rechnungsbetrag in bar in einem Kuvert an einem zuvor telefonisch vereinbarten Ort.

Die Funktion des Wirtshauses als ein Ort der Kommunikation wird derzeit vornehmlich telefonisch aufrechterhalten. „Wir erfüllen noch immer eine soziale Funktion, etwa indem wir mit unseren Gästen am Telefon plaudern oder aus einer sicheren Distanz von der Straße aus zum Fenster hinauf Gespräche führen.“ Das steht auch beim „Burenwirt“ so auf der Tagesordnung. „Nur kommen wir angesichts der sehr guten Auftragslage kaum dazu“, meint Nikolai.

Zwischen Zuversicht und Skepsis

In die Zukunft blicken die Wirtsleute in Innsbruck und Polling mit einer Mischung aus Zuversicht und Skepsis. „Wir machen weiter, so lange wir dürfen“, gibt sich Schmid kämpferisch. „Nach drei Monaten ausschließlich Lieferservice würde es aber langsam schwierig werden“, schiebt sie nach. Nikolai und Marzari zeigen sich zuversichtlicher. „Der Lieferservice sichert aus heutiger Sicht unser Überleben“, betonen sie.


Kommentieren


Schlagworte