Aus für „Lindenstraße“: Nach 1758 Folgen endet der TV-Nachbarschaftsalltag

Das Ende einer TV-Ära: Die Langzeitserie „Lindenstraße“ sagt am Sonntag „Auf Wiedersehen“. Nach fast 35 Jahren wird die Produktion gestoppt. Die letzte Folge wurde bereits kurz vor Weihnachten aufgezeichnet.

Die erste Folge „Lindenstraße“ wurde 1985 gezeigt
© Das Erste

Köln –Fans der „Lindenstraße“ war der Sonntagabend heilig: Um Punkt 18.50 Uhr saßen sie vor dem Fernseher – Woche für Woche, jahrelang. Bald müssen sie diese Zeit anders verbringen: Morgen läuft die letzte Folge der ARD-Kultserie. Nach fast 35 Jahren ist Schluss mit den Geschichten um Mutter Beimer und Co.

Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD hatte sich 2018 mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags entschieden. Die „Lindenstraße“ sei zwar eine Ikone im deutschen Fernsehen, erläuterte ARD-Programmdirektor Volker Herres damals. Doch das Zuschauerinteresse und die Sparzwänge seien nicht vereinbar mit den Produktionskosten.

Der Erfinder der „Lindenstraße“, Hans W. Geißendörfer, kann dies bis heute nicht nachvollziehen. „Ich habe nach wie vor totales Unverständnis für die Entscheidung, die mir willkürlich erscheint“, sagte er der deutschen Presse. „Das Ende der Lindenstraße erfüllt mich mit großer Trauer.“

Von ihrer Grundidee her zeigte die „Lindenstraße“ den Alltag einer Nachbarschaft.
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Als die ARD am 8. Dezember 1985 die erste Folge zeigte, dachte wohl niemand, dass die „Lindenstraße“ eine der am längsten laufenden Serien im deutschen TV werden würde. In ihren Anfangszeiten, als es erst wenige Fernsehprogramme gab, waren die Ereignisse der jüngsten Folge am nächsten Tag Gesprächsthema in Büros und auf dem Schulhof – immerhin hatten am Vorabend durchschnittlich zwölf Millionen Menschen die Sendung eingeschaltet.

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Von ihrer Grundidee her zeigte die „Lindenstraße“ den Alltag einer Nachbarschaft. „Wir wollten erzählen, was den Zuschauern passiert oder passieren könnte – Krankheit, Tod, Liebe, die großen Begriffe, die immer wieder zu ungeheuer großen Geschichten einladen“, sagt Geißendörfer. „Der normale Zuschauer sollte sich selbst in der Serie wiederfinden.“

Mit Tabubrüchen sorgte die „Lindenstraße“ in den ersten Jahren immer wieder für gesellschaftlichen Zündstoff. Der legendäre Skandal-Kuss zwischen Carsten Flöter (Georg Uecker) und Robert Engel (Martin Armknecht) zum Beispiel war ein Dammbruch im deutschen Fernsehen. Die „Lindenstraße“ war auch die erste deutsche TV-Serie, die Aids thematisierte und in der zwei Schwule heirateten.

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Solche Tabubrüche gelangen später angesichts der vielen Reality-Formate im TV nur noch selten. Doch ihrem Anspruch, brisante Diskussionen aufzugreifen, blieb die „Lindenstraße“ treu. In der jüngeren Vergangenheit gab es zum Beispiel längere Erzählstränge zu Themen wie Flüchtlinge, Rechtsextremismus, den Umgang mit Pädophilen oder die Legalisierung von Cannabis.

Dank eines einfachen Kniffs war die Serie zudem Woche für Woche ganz nah am Puls der Zeit: In den weit im Voraus gedrehten Folgen blieb stets ein Platzhalter frei, der erst kurz vor der Ausstrahlung gefüllt wurde – mit einem Dialog zu einem nahezu tagesaktuellen Thema. Bei Bundestagswahlen wurden sogar die zeitgleich ermittelten Hochrechnungen eingeblendet und von „Lindenstraße“-Bewohnern kommentiert.

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Auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd, wo die in München spielende Serie produziert wurde, stehen nach Angaben des Senders inzwischen nur noch die hölzernen Außenkulissen. Der letzte Drehtag war kurz vor Weihnachten, danach habe der Abbau der aufwändigen Innenkulissen begonnen. Die beiden Hallen, in denen sich die Wohnungen und das Treppenhaus befanden, seien jetzt nahezu leer.

Eine Reihe von Requisiten gingen an Museen. Die Küche von Helga Beimer etwa wanderte ins Bonner Haus der Geschichte, das Technik Museum Speyer nahm das Restaurant „Akropolis“ und das „Café Bayer“ auf.

Wie die „Lindenstraße“ nach ihren fast 35 Jahren ausgeht, bleibt bis morgen ungewiss. Die 1758. und letzte Folge heißt „Auf Wiedersehen“. „Über das Ende haben wir uns lange die Köpfe zerbrochen“, sagt Produzentin Hana Geißendörfer, Tochter des Serienerfinders, der deutschen Presse. Es sei dramaturgisch nicht leicht gewesen, alle Figuren so an einen Punkt zu bringen, dass sich die Zuschauer von ihnen verabschieden könnten. „Ich hoffe, es ist uns gelungen. Für uns fühlt es sich zumindest rund an.“ (dpa)

35 Jahre Serien-Geschichte
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