Schutzausrüstung fehlt: Tiroler Ärzte schlagen Alarm

Katastrophenstimmung nach der Schutzmaterial-Auslieferung in Tirol: Neben falschen Größen regt das Einbehalten dringend benötigter Masken auf.

Die FFP-Schutzmasken wurden aus etlichen der Lieferkartons wieder entfernt.
© Dornauer

Von Angela Dähling

Innsbruck – Die Lieferung der von den niedergelassenen Ärzten dringend benötigten Covid-19-Schutzausrüstung wurde am Freitag zu einem Desaster. Das schildern unabhängig von einander diverse Tiroler Ärzte, die u. a. über Schutzanzüge und Handschuhe in falschen Größen klagen.

FFP-Schutzmasken (Symbolfoto).
© iStockphoto

„Bei der Ausgabestelle für den Bezirk Schwaz in Vomp wurden alle Pakete geöffnet und die bestellten Schutzmasken vor unseren Augen wieder herausgenommen“, berichtet der Jenbacher Allgemeinmediziner Andreas Steger. Begründet worden sei das damit, dass die FFP2-Masken Qualitätsmängel aufweisen würden. Ersatz gab es keinen. Dem Fügener Arzt Günther Lechner, der nach Kontakt mit drei Conora-Infizierten inzwischen zwar negativ getestet wurde, aber noch in Quarantäne ist, erging es noch schlechter. „Ich habe fünf Liter Desinfektionsmittel bekommen, sonst nichts! Keine Schutzmasken, keine Schutzmäntel oder Schutzbrillen“, erzählt er, nachdem sein Sohn das Paket für ihn abgeholt hatte.

Dasselbe Bild im Bezirk Kufstein: „Es kam nahezu überall zu Fehllieferungen und in Kufstein zum völligen Fehlen der wichtigsten Ausrüstung, nämlich Schutzmasken“, berichtet der praktische Arzt Erwin Zanier. Nur durch Unterstützung von Feuerwehren und Betrieben, die über Schutzmasken verfügen, könne man Ordinationen noch offen halten.

Einer, der bei der Belieferung komplett leer ausging, ist der Kufsteiner Allgemeinmediziner Christoph Fankhauser. Er spricht von einer „tickenden Zeitbombe“, wenn sich Ärzte und Pflegekräfte mangels Schutzausrüstung anstecken und dann mit zig Hochrisikopatienten in Kontakt kämen. Ohne Schutzausrüstung werde der niedergelassene Bereich in wenigen Wochen wegbrechen, malt Fankhauser ein düsteres Szenario, mit geschlossenen Ordinationen, Telefonberatungen und Patienten, die dann notgedrungen Spitalsambulanzen überfüllen. Man sei in einer akuten Notsituation. Das bestätigt Günther Lechner: „Wir basteln Schutzausrüstung aus Klarsichtfolie, Baumarkt-Plexiglasscheiben und kleiden uns mit Maler-Anzügen.“ Lechner kritisiert zudem, dass die schutzsichersten FFP3-Masken nicht bestellt werden konnten, und stellt klar, dass die Ärzte das angeforderte Schutzmaterial selbst zahlen müssten.

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LR Bernhard Tilg erklärt, es werde laufend zu weiteren Auslieferungen kommen, im Bezirk Schwaz soll es bereits gestern so weit gewesen sein. Bei den Masken sei eine hygienische Abklärung des Materials nötig gewesen. 20.000 bestellte FFP3-Schutzmasken sollen in den nächsten Tagen geliefert werden.


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