Sportmediziner Fink: „Bei vielen fällt jetzt der Stressfaktor weg“

Druck, Angst oder Regeneration: Zahlreiche Sportler sind derzeit zum Nichtstun verdammt. Doch nicht für alle ist das ein Nachteil.

Kletterin Laura Stöckler hangelt sich zuhause durch.
© gepa

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Der Kreuzbandriss liegt erst wenige Wochen zurück, doch von Erholung und Zeit zum Aufbau fehlt jede Spur. Die Sponsoren warten auf Leistungen, die interne Konkurrenz pocht auf den Startplatz, der Druck wächst von Tag zu Tag. Vorschnelle Auftritte mit teils verheerenden Folgen sind ein Bild, das bittere Realität wurde.

Es ist die Welt vieler getriebener Profi-Sportler – doch diese Welt soll sich gerade jetzt zu Corona-Zeiten langsamer drehen. Mit dem weitreichenden Betretungsverbot der Sportstätten sind viele zu moderaterem Training „gezwungen“ – und gerade jene, die nach Verletzungen rasch zurück wollten, könn(t)en es jetzt entspannter angehen. Oder etwa nicht?

Ben Zwiehoff macht den Tisch zum Hindernis.
© AFP

„Es gibt Gewinner und Verlierer. Gerade Fußballer, die Richtung EM 2020 fit werden wollten und bei denen es knapp geworden wäre, haben keinen Stress mehr“, sagt der renommierte Unfallchirurg und Sportmediziner Christian Fink, zu dessen Kunden zuletzt Starkicker wie Leroy Sané oder Niklas Süle zählten. Doch nicht alle „Sommersportarten“ seien im Vorteil, wie der ÖSV-Arzt ergänzt: „Manche profitieren sehr, bei vielen fällt jetzt auch der Stressfaktor weg. Aber diejenigen, die sich jüngst verletzt haben, verlieren ihr gewohntes Umfeld. Das Schwierigste für die Sportler ist: Sie wissen nicht, wann es losgeht.“

Dabei würden die Therapie-Möglichkeiten von Profis noch sehr gut funktionieren (Fink: „Es steht nicht alles komplett, was die Reha betrifft“). Das Aufbautraining würde sich dennoch ganz anders gestalten, wie ÖSV-Arzt Christian Hoser erklärt. „Viele werden im Sommer noch ein paar Wochen hinten anhängen müssen“, sagt der Unfallchirurg und Fink-Kollege bei der Innsbrucker Sportchirurgie Gelenkpunkt und ergänzt: „Ich bezweifle, dass es zur großen Entschleunigung kommt. Wenn sich alles wieder normal dreht, muss man das und das unterbringen. Das wird eine spannende Zeit.“

Tirols Skeleton-Ass Samuel Maier (l.) hält sich im Garten fit.
© gepa

Zwiegespalten ist im Hinblick verletzter Sportler auch ÖOC-Chefmediziner Wolfgang Schobersberger. „Viele sind verunsichert, weil ihr gewohntes Umfeld stillsteht. Es ist unklar, wie es mit der Reha und Therapie weitergeht“, sagt der ISAG-Direktor. Andere Sportarten würde indes aber profitieren: „Der Druck ist für viele weg, da kehrt mehr Ruhe ein. Und das ist durchaus positiv.“


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