Klarstellung gefordert: „Zangerl beleidigt gesamten Tourismus in Tirol“

Mayrhofens Bürgermeisterin Monika Wechselberger wirft dem Tiroler AK-Chef „geschäftsschädigendes Verhalten“ vor und droht mit Klage. 260 Briten haben die Quarantänegebiete gestern verlassen.

Internationale Schlagzeilen der heftigen Art bekommt in diesen Tagen die Tourismushochburg Ischgl ab.
© TT

Innsbruck – Die Aussagen von Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl, Mitarbeiter in den Quarantäneregionen würden schlecht behandelt und auf die Straße gesetzt, sorgen für ordentlich Wirbel. Die Wirtschaftskammer teilte gestern mit, eine intensive Recherche in den betroffenen Gemeinden habe ergeben, dass die Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen würden. „In den Quarantänegemeinden ist man über Zangerl empört und auch wir von der Wirtschaftskammer sind von der Vorgangsweise enttäuscht. Ein Anruf hätte genügt, und wir hätten uns um alle Themen gekümmert“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser. Er mahnt die AK zu „mehr Seriosität“.

Scharfe Kritik richtete Walser auch an ÖGB-Vorsitzenden Philip Wohlgemuth und SPÖ-Nationalrätin Selma Yildirim, die ebenfalls auf die Vorwürfe der AK reagiert hatten: „Die Damen und Herren hätten ihre augenscheinlich vorhandene Kreativität besser bei der Erstellung eines rasch abwickelbaren Kurzarbeitsmodells eingebracht“, meinte der WK-Präsident.

Als Beleidigung für den gesamten Tourismus in Tirol bezeichnet Mayrhofens Bürgermeisterin Monika Wechselberger die Aussagen Zangerls und wirft ihm „geschäftsschädigendes Verhalten“ vor. Wechselberger fordert eine Klarstellung, „dass kein einziges Unternehmen in Mayrhofen gemeint war“. Andernfalls drohe eine Klage.

Für Zangerl legen die heftigen Reaktionen nahe, „dass sich manche wohl ertappt fühlen“. Er stellt zudem klar, dass er keine Orte oder konkrete Betriebe genannt habe und alle Aussagen in der Möglichkeitsform formulierte.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper
© TT

Rund 260 Briten, großteils Saisonarbeiter, haben indes gestern Samstag die Quarantänegebiete Paznauntal und St. Anton in Richtung Heimat verlassen. Die Ausreise wurde in Abstimmung mit dem Außen-, Gesundheits- und Innenministerium mit zwei Flugzeugen über den Flughafen Innsbruck abgewickelt, teilte das Land Tirol mit. Die Briten wurden mit Bussen und einer Polizeieskorte „unter Einhaltung strenger Hygiene- und Sicherheitsvorgaben“ zum Flughafen gebracht, heißt es in der Aussendung.

Darüber hinaus werde die Ausreise inländischer Personen vorbereitet. Die Betroffenen vor Ort sollen unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen und in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden in ihren Heimatbezirken die Quarantäne­gemeinden verlassen können.

Weiterhin für Negativ-Schlagzeilen sorgt abseits davon Ischgl. Für das deutsche Magazin Der Spiegel, das dem Tourismusort in ihrer aktuellen Ausgabe eine mehrseitige Reportage widmet, steht Ischgl „für Unvermögen, Skrupellosigkeit und Gier“. (TT, dd)


Kommentieren


Schlagworte