Tiroler Gastro-Großhandel in Corona-Krise unter Druck

Wedl schließt seine Niederlassung in Imst, Grissemann kündigt 120 Mitarbeiter.

Restaurants, Bars und Hotels müssen in der Coronavirus-Krise geschlossen halten. Den Großhändlern brechen wichtige Kunden weg.
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Imst, Mils b. Hall, Zams – Viele Unternehmen sind von den Auswirkungen der Ausgangs- und Handelsbeschränkungen betroffen, starke Einschnitte sind nötig. Das Handelshaus Wedl schließt seinen Standort in Imst. Von der dauerhaften Schließung des C+C Wedl-Abholmarktes sind rund 20 Mitarbeiter betroffen. „Es ist jedenfalls geplant, zukünftig einige Mitarbeiter des Standortes Imst in anderen Unternehmensbereichen des Handelshauses einzusetzen“, beantwortet die Konzernleitung eine Anfrage der TT. Ein kostendeckender Betrieb des Standorts sei „leider auch mittelfristig mit den Auswirkungen des Coronavirus auf die Gastronomie und Hotellerie nicht möglich“.

Der Zustellanteil des Standortes lag vor der Krise bei rund 60 Prozent des Umsatzes. Die Zustellung an die Gastronomie in der Region Imst werde künftig über die Zentrale und den Fuhrpark in Mils abgewickelt. Im Bereich Frische komme man in den nächsten Wochen enorm unter Druck, Stichwort: Mindesthaltbarkeitsdatum. Deshalb habe man Abverkäufe gestartet und bereits Waren kostenlos an soziale Einrichtungen abgegeben. „Ein Ziel ist es, das Handelshaus Wedl sicher aus der Krise zu führen“, so die Geschäftsführung.

Insgesamt 350 Mitarbeiter zählte das Unternehmen Grissemann mit dem gleichnamigen Einkaufszentrum in Zams – vor der Coronavirus-Krise. Das Familienunternehmen hat 230 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, 120 Mitarbeiter mussten gekündigt werden. „Das waren die schwersten Tage meines Lebens“, sagt Geschäftsleiter Thomas Walser. „Es ist aber leider die einzige Chance, wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, das Unternehmen nach der Krise weiterführen zu können.“ Kurzarbeit für alle sei keine Option gewesen, obwohl man auf die Zustellung von Lebensmitteln und Waren an Privatkunden umgestellt habe: „Wir gehen davon aus, dass der Tourismus nur verzögert und auch nur sehr langsam wieder anlaufen kann.“

Mit der Schließung von Gastronomie und Hotellerie sei dem Unternehmen das Hauptgeschäftsfeld verloren gegangen, „rund 90 Prozent des Umsatzes sind von einem Tag auf den anderen weggebrochen“. Und man stehe vor weiteren Herausforderungen, betonte Walser, denn die Lager seien voll, und rund die Hälfte sind verderbliche Lebensmittel. (top, ritz)


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