Tiroler Forscher könnten 1000 Corona-Tests pro Tag liefern

Testen, testen, testen ist das Motto, das aufgrund von mangelnden Test-Sets nicht leicht umzusetzen ist. Ein Tiroler könnte Abhilfe schaffen.

Die Uni Innsbruck und Forscher Traugott haben einen neuen Test entwickelt, um festzustellen, ob jemand Corona hat oder nicht.
© Tirol Kliniken

Von Anita Heubacher

Innsbruck – An den Instituten für Zoologie und Mikrobiologie der Universität Innsbruck ist ein neues Testverfahren zum Nachweis des Coronavirus entwickelt worden. „Das Verfahren hat den Vorteil, dass wir mit Analysestoffen, die leichter zu beschaffen sind, arbeiten“, erklärt Michael Traugott. Er hat mit seiner Spin-off-Firma Sinsoma GmbH, den beiden Uni-Instituten und in Abstimmung mit der Medizin-Universität das Testverfahren erarbeitet.

Erste Tests seien erfolgreich gewesen. „Wir arbeiten im Hochdurchsatzverfahren“, erzählt Traugott. Das ist neu. Der große Vorteile davon ist, dass es schnell geht. Diese Woche sollen die Evaluierungen abgeschlossen sein. „Dann könnten wir 1000 Tests pro Tag liefern.“

Michael Traugott
© Sinsoma

Testen, testen, testen, lautet die Devise der Weltgesundheitsorganisation WHO der Bundes- und auch der Landesregierung. Südkorea hat eine sehr hohe Testrate und sehr gute Erfolge im Eindämmen der Seuche verzeichnet. Zwar wird in Tirol österreichweit am meisten getestet, aber dennoch ist noch Luft nach oben. Das liege daran, dass ähnlich wie Masken oder Schutzanzüge auch die Corona-Test-Sets Mangelware seien, erklärten die Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl und der Infektiologe Günter Weiss.

Labors zum Auswerten und Personal gebe es in Tirol genug. Traugotts Verfahren könnte Tirol unabhängiger vom Weltmarkt machen. Der Forscher meint, bei den Reagenzien, die er für sein Verfahren verwendet, zeichne sich kein Engpass am Weltmarkt ab. „Die Test-Kits sind wie eine Packerlsuppe. Die machen wir nicht, sondern stellen die Zutaten selber zusammen.“ Man verhandle derzeit mit der Bundesregierung. Endgültig grünes Licht gebe es noch keines.

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Die Test-Kits sind wie eine Packerlsuppe. Die machen wir nicht, sondern stellen die Zutaten selbst zusammen.
Michael Traugott (Biologe Uni Innsbruck, Sinsoma)

Neben einem Test, der zeigt, ob Menschen mit Corona infiziert sind oder nicht, gibt es jetzt auch Tests, die zeigen, ob jemand Antikörper gegen die Seuche gebildet hat. Solche Tests kann Traugott nicht liefern. „Das ist ein ganz anderes Verfahren“, stellt der Wissenschafter klar.

📽 Video | Neuar­tiges Corona-Test­ver­fahren ent­wi­ckelt

Die Antikörpertests könnten die Grundlage dafür sein, Immune von den Ausgangssperren auszunehmen oder sie wieder arbeiten zu lassen. Dazu hatte diese Woche die Leiterin der Intensivmedizin an der Innsbrucker Klinik, Barbara Friesenecker, einen Denkanstoß geliefert. Friesenecker beschäftigt sich auch mit bioethischen Fragen. Die Intensivmedizinerin warnt jedoch eindringlich davor, die Maßnahmen zu früh zu lockern. Am Ende brauche es aber eine Herdenimmunität. Das hieße, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren und Antikörper bilden müssten.

Die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl hatte gestern via APA gewarnt, dass die Schnelltest-Angebote momentan „völlig unübersehbar und teilweise auch gar nicht seriös“ seien. Sie hatte sich dabei nicht auf die Innsbrucker Entwicklung bezogen. Es werde immer schwieriger, die notwendigen Test-Kits und Reagenzien in größerem Ausmaß geliefert zu bekommen. „Die ganze Welt will die gleichen Dinge zur gleichen Zeit. Das ist das Problem“, wird Puchhammer-Stöckl zitiert. Man müsse sorgsam mit den Testkapazitäten umgehen.

Um herauszufinden, wie gefährlich das Coronavirus sei, müsse man auch wissen, wie viele Infektionen asymptomatisch verlaufen. Die angekündigte Testung von 2000 Personen hält sie „für eine notwendige Idee“.


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