1665 Tiroler Schüler für die digitale Schule bisher nicht erreicht

97 Prozent aller Tiroler Pflichtschüler nehmen am digitalen Unterricht teil. Zugleich setzt das Land alles daran, alle Schüler rasch ins Boot zu holen.

Der digitale Unterricht wird von fast allen Pflichtschülern im Land angenommen, knapp drei Prozent negieren aber derzeit das E-Learning.
© APA (dpa)

Innsbruck – Das Coronavirus machte die Schulen vor zweieinhalb Wochen dicht. 58.657 Pflichtschüler in Tirol werden jetzt über E-Learning unterrichtet. Und seit gestern liegt eine Auswertung vor, wie viele Schüler sich beim digitalen Unterricht „einloggen“. So erfreulich die Bilanz mit einer Quote von 97 Prozent ausfällt, für Bildungslandesrätin Beate Palfrader muss allerdings der Blick auch auf jene 1665 Schüler gerichtet werden, „von denen wir bisher keine Rückmeldung erhalten haben“.

Gerade in der aktuellen schwierigen Situation macht sich für die Bildungslandesrätin bezahlt, „dass wir in Tirol schon früh auf eine Digitalisierungsoffensive im Bildungsbereich gesetzt haben“. In 1322 Klassen oder 54 Prozent gibt es eine Ausstattung mit IT-Infrastruktur bzw. wurde die vorhandene erneuert. 2351 Pädagogen für den Pflichtschulbereich und die AHS-Unterstufe absolvierten mehr als 11.000 Fortbildungsstunden für das E-Learning.

Doch jetzt stellt sich die Herausforderung, alle Schüler in den digitalen Unterricht einzubinden. „Das muss unser zentrales Anliegen sein. Jeder Schüler, den wir nicht erreichen, ist einer zu viel“, sagt Palfrader. Darüber hinaus bestehe schließlich Schulpflicht.

Beate Palfrader
© Vanessa Rachlé / TT

Vor allem in den Ballungsräumen Innsbruck, Innsbruck-Land und Schwaz würden sich die Problemstellungen ergeben. Deutlich besser ist es im Unterland und im Oberland. Für Palfrader müssen hier alle Systempartner an einem Strang ziehen. Laut ihrer ersten Grobeinschätzung dürfte es sich vor allem um Kinder und Jugendliche aus bildungsferneren Schichten und aus sozial schwachen Familien handeln. Natürlich würden auch Sprachbarrieren bei der Negierung der digitalen Schule eine Rolle spielen. Palfrader: „An der Aufgabenstellung für die Pädagogen wie im Regelunterricht ändert sich deshalb nichts. Doch wir müssen uns bemühen, dass die Schere durch die Corona-Krise nicht weiter aufgeht, weil die Betroffenen gar nicht mehr am Unterricht teilnehmen“, spricht die Schullandesrätin von einer gemeinsamen Kraftanstrengung.

Jeder Schüler, den wir nicht erreichen, ist einer zu viel. Deshalb braucht es einen gemeinsamen Kraftakt.
Beate Palfrader, ÖVP (Schullandesrätin)

In den nächsten Tagen wird mit den Eltern der betroffenen Schüler Kontakt aufgenommen, um die Gründe zu erfahren, warum bisher Funkstille geherrscht hat. Eine wichtige Funktion übernehmen dabei die Schulsozialarbeiter, Psychologen und die Kinder- und Jugendhilfe. „Und wir können auf 80 Betreuungslehrer zurückgreifen, die vom Land finanziert werden. Eine flächendeckende Erfassung ist deshalb möglich“, hofft Palfrader, dass rasch alle Pflichtschüler ins Boot geholt werden können.

Und wie wird vorgegangen? An erster Stelle stehen Beratung, Aufklärung und Hilfestellung. Sollte das alles nichts nützen, werde die Behörde eingeschaltet, kündigt Bildungslandesrätin Palfrader an. (pn)


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