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Helden des Alltags: „Um halb fünf Uhr war das Ergebnis da“

Guido Wollmann wertete über Nacht den Corona-Test eines Patienten aus, dem dann ein Herz transplantiert wurde.

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Guido Wollmann (45) hat lange Zeit in den USA geforscht.
© Vanessa Rachlé

Von Benedikt Mair

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Innsbruck – Dienstagabend vergangene Woche, 21 Uhr. Guido Wollmann sitzt wie jeden Abend dieser Tage im Labor des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität in der Innsbrucker Schöpfstraße, als das Telefon klingelt. „Die Koordinatorin der Transplantationsabteilung war dran und hat gefragt, ob wir noch Proben bearbeiten.“ Ein Patient, dem am nächsten Tag ein Herz verpflanzt werden sollte, sei auf dem Weg nach Innsbruck. Vor der Operation müsse er aber noch auf das Coronavirus getestet werden. Wollmann sagte zu. Für ihn und seine Kollegen der Auftakt zu einer langen Nacht.

Seit drei Wochen leitet der virologisch tätige Arzt die Spätschicht in dem Innsbrucker Labor. Zwischen fünf und sechs Mitarbeiter sind Montag bis Samstag auch abends im Einsatz, präparieren und analysieren bis 20 Uhr eintrudelnde Corona-Tests. Tagsüber ist die Einrichtung auch sonntags mit der Auswertung von Proben beschäftigt. „Um Mitternacht ist der Dienst für gewöhnlich beendet. Und dann gibt es aber auch noch die Sonderfälle“, sagt Wollmann.

Wie eben vor wenigen Tagen, als die Transplantationsabteilung anklopfte. „Um 22.30 Uhr, als der Patient in der Klinik angekommen ist, bin ich persönlich hin, um den Abstrich abzuholen.“ Kurz nach Mitternacht war das Material so weit vorbereitet, dass es in die erste Maschine gegeben werden konnte. „In ihr wird die Erbinformation des Virus extrahiert. Um halb zwei Uhr folgte dann der zweite Durchlauf.“ Erst hier kann der Erreger, der PCR-Nachweis.“ Erst hier kann der Erreger, sofern der Getestete damit infiziert ist, nachgewiesen werden.

Durch die Corona-Pandemie hat sich für den Mediziner Wollmann beruflich einiges verändert. „Erstmals bin ich in diesem vollen Umfang im medizinischen Versorgungsbereich tätig.“ Eigentlich ist der 45-Jährige in der Krebsforschung zu Hause, er war über ein Jahrzehnt als Wissenschafter in den USA, ehe es ihn im Jahr 2014 nach Innsbruck verschlug. Er untersucht, wie Viren „zur Krebstherapie, also für etwas Gutes genutzt werden können“. Eine langwierige Aufgabe. Nun also der komplette Fokus auf Arbeit mit Patienten, die so schnell wie möglich Ergebnisse brauchen. „Es motiviert, ein wichtiges Zahnradglied in einer Reihe von Einrichtungen zu sein, die helfen sollen, eine Krise zu bewältigen.“ Vier Uhr Früh, die Maschinen haben ihre Arbeit getan. Jetzt muss Wollmann den Test noch auswerten. „Um halb fünf Uhr in der Früh war das Ergebnis da, ich konnte den Befund durchgeben.“ Der Herztransplantation stand nichts im Weg.

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„Die Dringlichkeit unserer Arbeit zeigt sich, wenn wir wenige Kilometer Richtung Süden, nach Italien blicken“, glaubt der 45-Jährige. „Die Situation, in der die Anzahl der schwer Erkrankten unsere Klinikkapazitäten überschreitet, muss vermieden werden. Und je mehr Proben wir am Tag schaffen, desto mehr können wir positiv Getestete isolieren, desto mehr Zeit erkauft uns das im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus.“


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