Ein Stück Corona-Normalität: Tirol lockert mit Appell an die Vernunft

Mit Ausnahme der Quarantänegebiete Sölden, Paznaun und St. Anton kehrt in Tirol ein Stück Normalität zurück. Und am 15. April tagt ein Corona-Sonderlandtag.

Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und LH Günther Platter mahnen trotz der Lockerung weiter zu großer Vorsicht.
© Land Tirol

Von Peter Nindler und Marco Witting

Innsbruck – Es ist eine Lockerung mit mehr als angezogener verbaler Handbremse. Tirol beendet die Selbstisolation, damit gelten ab heute bundesweit die gleichen Ausgangsbeschränkungen. Landeshauptmann Günther Platter hat sich vor dieser Entscheidung mit seinen Experten im Krisenstab abgesprochen. Zuletzt war allerdings auch der Druck seitens des Koalitionspartners, der Grünen, größer geworden, zumindest die strikten Beschränkungen für das Spazie­rengehen oder den Individualsport zu lockern.

„Die Zahlen sprechen für das Ende der Selbstisolation, die Corona-Neuinfektionen liegen unter fünf Prozent und die Bettenkapazitäten in den Spitälern reichen aus. Das war vor einiger Zeit nicht so sicher“, sagte Platter. Sein Appell, wie auch jener von LHStv. Ingrid Felipe („Wir sind am Gipfel, aber beim Abstieg müssen wir besonders vorsichtig sein“), der Direktorin der Medizinischen Mikrobiologie der Medizin-Uni Innsbruck Cornelia Lass-Flörl und des Direktors der Klinik für Innere Medizin Günter Weiss, sind jedoch eindeutig: „Es benötigt weiter viel Eigenverantwortung, Zusammenhalt und Solidarität, damit es zu keinem Rückschlag kommt.“

Solange die Corona-Krise nicht zur Gänze bewältigt ist, wird für Lass-Flörl die Schutzmaske weiter ein Thema bleiben. Und: Wichtig sei es nun, dass die Bevölkerung lerne, mit der Freiheit umzugehen, sich weiterhin an die Distanz (!) und die generellen Regeln halte. „Damit es zu keiner zweiten Corona-Welle kommt.“

Günter Weiss spricht von einer stabilen Situation in den Spitälern. An der Klinik seien 30 Mitarbeiter positiv getestet worden. „Aber es hat keinen Fall gegeben, wo sich ein Mitarbeiter bei einem Patienten angesteckt hat oder umgekehrt.“ Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten bezeichnet er als ausgezeichnet.

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Tilg "federführend" eingebunden

Dass LR Bernhard Tilg seit zwei Wochen nicht mehr öffentlich aufgetreten ist, hat für Platter nichts mit der anhaltenden Kritik am Gesundheitslandesrat zu tun. „Er arbeitet fast Tag und Nacht und ist federführend in alle Maßnahmen eingebunden. Nur unsere Kommunikationsstrategie ist eine kompakte.“

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) ist erleichtert über die Lockerungen. „Mir wurde als Bürgermeister vorgeworfen, dass wir unter anderem die städtischen Parks geschlossen haben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Heute kann ich sagen, dass die Innsbrucker Bevölkerung extrem diszipliniert war, sodass jetzt die Zeit gekommen ist, die strengen Maßnahmen zu lockern.“

Sonderlandtag fixiert

SPÖ, FPÖ und NEOS begrüßen den „Sieg der Vernunft“ und die Angleichung an die Vorgaben des Bundes. Die Klubchefs der sechs im Landtag vertretenen Parteien einigten sich übrigens gestern auf eine Sondersitzung am 15. April. Im Landtag werden die notwendigen Tiroler Hilfsmaßnahmen wegen der Corona-Krise beschlossen.

In der Aktuellen Stunde zur Corona-Pandemie dürfte es aber wohl auch zu einer inhaltlichen Debatte über das Krisenmanagement kommen. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen sollen im Sonderlandtag vermutlich nur 20 Abgeordnete teilnehmen.

© APA

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