Zurück in die Zukunft bei aller Ungewissheit: Treibhaus-Chef gibt nicht auf

Norbert Pleifer sorgte mit einem Rundmail für Alarm in der Kulturszene. Ans Zusperren denkt der Treibhauschef jedenfalls aber nicht.

Norbert Pleifer (67) kämpft um sein Lebenswerk. Aufgrund der Corona-Krise ist an Veranstaltungen weiterhin nicht zu denken.
© Rudy de Moor / TT

Von Markus Schramek

Innsbruck – Allabendlich bespaßt Treibhauschef Norbert Pleifer seine Fangemeinde mit Bild und Ton. Bietet in Zeiten von Corona „Trost und Ermutigung“ über seine Homepage treibhaus.at. Den Beipacktext liefert der Nauderer vorab als Newsletter, herzhaft und direkt. Doch die E-Post von Montagnachmittag ließ bei Freunden der (gar nicht so) kleinen Kunst die Alarmglocken schrillen. „Das Treibhaus wirds so nicht mehr geben. Das ist mein Lebenswerk. Seis drum“, textete der Kulturveranstalter da.

Pleifer, als kritischer Geist bekannt und 2018 von Präsident Van der Bellen mit dem Berufstitel „Professor“ geadelt, hatte seinen Laden schon am 8. März dichtgemacht, einige Tage bevor dies im ganzen Land verordnet wurde. 17 ausverkaufte Konzerte sagt er ab, Eintrittsgelder im Betrag von 155.000 Euro gingen zurück an die Käufer. Im Mai sollte der Szenetreff in der Innsbrucker Angerzellgasse wieder aufsperren, so zumindest die – vergebliche – Hoffnung. Denn mindestens bis Ende Juni bleibt jede Veranstaltung untersagt. Ist das Treibhaus damit am Ende?

Gemach, gemach. Am Tag nach seinem resignativen Rundmail klingt Pleifer am Telefon schon wieder deutlich mehr nach Pleifer. Von Zusperren ist jedenfalls keine Rede. „Das Treibhaus wird es weiter geben, wir sind im besten Alter und gehören nicht zur Risikogruppe“, ist dem „Professor humoris causa“ (Pleifer über Pleifer) wieder nach Scherzchen zu Mute.

Wann es weitergehen soll und wie – darüber kann selbst der fantasiebegabte Treib­hausgründer nur mutmaßen. Etwa so: „Ich fürchte, es wird vom Feeling her noch länger nicht so sein wie früher, aus Angst vor dem Virus.“

330 sitzende Personen fasst der Treibhaus-Turm. Zugangsbeschränkungen könnten dem Turmbau die Seele rauben. Andererseits: „Ich würde mich derzeit auch nicht mit 300 Leuten in einem Konzertsaal zusammendrängen“, konzediert Pleifer.

Über das Open-air-Kino im Hof des Zeughauses, einen Fixpunkt des Sommerprogramms, mag sich dessen Organisator noch gar nicht den Kopf zerbrechen. Abgesagt ist das Freilichtkino noch nicht.

Finanziell glaubt Pleifer die Krise stemmen zu können. Er hat 24 Mitarbeiter unter Vertrag, die für die Kurzarbeit angemeldet wurden. „Es ist ein top eingespieltes Team, weiter mache ich nur mit diesem“, lobt der Chef.

Der Wille zum Durchhalten ist da. Doch Programm gibt es vorerst nur online. Im Internet hat sich Pleifer auch mit Schauspieler Tobias Moretti angelegt. Dessen Versuch, das Corona-Krisenmanagement Tirols (Causa Ischgl) in Schutz zu nehmen, war Pleifer heftigst aufgestoßen. Moretti vollziehe einen „Kriechgang durchs Paznaun“, ätzte Pleifer. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, dichtete er in Richtung Moretti, der sich missverstanden fühlt.

Beide schlagen jetzt versöhnliche Töne an. Zum Duell kommt es aber: in Form einer Schwedenbombenschlacht am Tag, an dem das Treibhaus wieder aufsperrt.


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