120.000 Euro Verlust in jeder Woche: Kinos macht Corona-Krise zu schaffen

Kultur-Stillstand wegen Covid-19: Tirols Kinobetreiber rechnen mit einer Normalisierung des Betriebs ab frühestens Herbst.

„I’ll be back“ hieß es 1984 erstmals bei Terminator – wann sich die heimischen Kinos wieder zurückmelden, ist derzeit noch unklar.
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Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Für die Kulturszene gibt es vor allem Durchhalteparolen, nachdem bekannt wurde, dass Veranstaltungen aufgrund der Corona-Krise noch bis Ende Juni ausgesetzt werden müssen. Statt ein „Wir schaffen das“ setzte sich ein deutsches Kino in Terminator-Manier ein aufheiterndes „We’ll be back“ aufs Programm. Auf ein baldiges Wiedersehen hoffen natürlich auch die Tiroler Kinos. Ein Normalbetrieb ist so bald nicht vorstellbar, da sind sich alle Betreiber einig. „Für die Kinos wird es noch länger nicht weitergehen“, meint Metropol-Geschäftsführer Mario Hueber. „Ich glaube, wir müssen uns auf den Herbst einstellen.“

Seit Mitte März sind die Kinos geschlossen, bereits im Vorfeld hatten Zugangsbeschränkungen die Zuschauerzahlen drastisch verringert.

Und so schnell wird sich die Situation auch nach der Wiedereröffnung der Kinosäle nicht wieder normalisieren, meint Dietmar Zingl, Geschäftsführer des Otto-Preminger-Instituts, des Trägervereins von Leokino/Cinematograph. „Werden die Leute Lust haben, ins Kino zu gehen? Eher nicht“, meint Zingl. Das Innsbrucker Programmkino hofft beim Neustart auf das treue Stammpublikum, Zingl rechnet aber auch hier mit Rückgängen. Ob zusätzliche finanzielle Unterstützung von öffentlicher Hand nötig wird, ist noch ungewiss. Informelle Gespräche mit der Stadt Innsbruck gibt es, konkrete Aussagen stehen noch aus.

An einem Programm könne man erst arbeiten, sobald es einen konkreten Fahrplan für die Wiedereröffnung gebe, heißt es aus dem Leokino.

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Fixe Ansagen liefert aber auch die gestrige Erklärung von Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek nicht. Generell sei die Informationslage äußerst undurchsichtig, beklagen beide Kino-Betreiber. Die Unsicherheit ist folglich groß. Hueber etwa sieht in potenziell erlaubten Veranstaltungen im Juli etwa Initiativen im Outdoor-Bereich, wohl aber nicht für Institutionen.

Für die Planung ist derzeit lediglich klar, dass Mai und Juni komplett wegfallen. Das Metropol rechnet mit einer Verlängerung der Kurzarbeit für die Mitarbeiter. Auch das Leokino/Cinematograph stellte die Belegschaft mit Mitte März auf Kurzarbeit um.

Fixkosten laufen dennoch weiter. Im Leokino bleibt man derzeit monatlich auf rund 15.000 Euro sitzen. Alle Kinos in Tirol zusammengenommen machen, nimmt man die Einnahmen von 2019 als Vorlage, in der Woche einen realen Verlust von 120.000 Euro, rechnet der Metropol-Geschäftsführer vor. Hueber: „Diese Krise ist für Kinobetreiber absolut existenzbedrohend.“


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