Bergretter und Heli im Einsatz: Unvernunft kehrt in Tirol teils zurück

Gestern wurden Bergretter und der Notarzthubschrauber zu Einsätzen im Zillertal gerufen. Land, Alpenverein und Bergrettung appellieren an Freizeitsportler.

Die Bergrettung musste gestern im Zillertal zweimal ausrücken. Hier wird gerade ein verletzter Mann im Gelände geborgen.
© ZOOM.TIROL

Von Peter Nindler

Innsbruck – Ein Paragleiter landete in Mayrhofen in einer Baumkrone und musste vom Notarzthubschrauber geborgen werden. Am späten Nachmittag stürzte ebenfalls in Mayrhofen ein Mann in unwegsamem Gelände in ein Bachbett, weil er sich abkühlen wollte. Bei beiden Unfällen rückte die Bergrettung aus. Diese Meldungen hören Sportreferent LHStv. Josef Geisler, der Präsident des Alpenvereins Andreas Ermacor­a und der Landesleiter der Bergrettung Hermann Spiegl derzeit gar nicht gerne. Mit Aufhebung der Vollquarantäne am Dienstag ist der Bergsport zwar gesetzlich wieder erlaubt, aber es wird dringend davon abgeraten. Weil die Bergungen aufwändig sind und dadurch wichtige Ressourcen gebunden werden.

Wir sind noch lange nicht über den Berg, deshalb sollten wir auch nicht hinaufgehen.
LHStv. Josef Geisler (Sportreferent)

„Wir sind noch lange nicht über den Berg, deshalb sollten wir auch nicht auf den Berg gehen“, appellierte Geisler am Mittwoch eindringlich an Tourengeher, Mountainbiker und generell an die Bergsportler. Die bisherige Disziplin der Tiroler, die sich natürlich generell nach Bewegung sehnen würden, sei vorbildlich gewesen. „Diese freiwillige Selbstbeschränkung, was den Bergsport betrifft, benötigt es weiterhin, obwohl es kein­e Verbote mehr dafür gibt“, fügte Geisler hinzu. Vielmehr sollten die Menschen spazieren gehen, wandern, laufen oder auf einem Radweg radfahren. Aber alles natürlich mit Abstand.

Alpenvereinspräsident Ermacora ruft zur Eigenverantwortung auf, um Unfälle im Gelände zu vermeiden. „Das heißt, auf Touren und Bergsport zu verzichten, obwohl das Wetter traumhaft ist und die Berge herunterlachen. Denn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist es kaum möglich bei einer notwendigen Hilfe­stellung einen Kontakt mit dem Verletzten zu vermeiden.“ Man wisse außerdem nicht, ob die Patienten infektiös seien, ergänzte Tirols oberster Bergretter Hermann Spiegl.

Jetzt geht es darum, Eigenverantwortung zu zeigen, solidarisch zu sein und deshalb auf Touren im Gelände zu verzichten.
Andreas Ermacora (Alpenvereinspräsident)

Deshalb benötigt es bei jedem Einsatz ein eigenes Covid-Team. Spiegl: „Schon bei der Anfahrt ist Schutzausrüstung notwendig, wir haben eigene Infekt-Autos für den Transport geschaffen, aber danach muss alles wieder gründlich desinfiziert werden.“ Der Aufwand sei wegen der Sicherheitsvorkehrungen, damit es zu keiner Ansteckung mit Corona komme, derzeit enorm, betont Spiegl. Und natürlich seien dadurch auch die Einsätze teurer.

Die Bergungen sind aufwändig. Schon bei der Anfahrt der Bergretter braucht es Schutzausrüstung.
Hermann Spiegl (Landesleiter der Bergrettung)

Viele Downhillstrecken sind aktuell gesperrt, aber Geisler behält es sich vor, dass bei gröberen Problemen möglicherweise ein Betretungsverbot erlassen wird. Sein abschließendes Credo: Die neue Freiheit darf kein Freibrief für alle sportlichen Aktivitäten sein.

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