Kein Kultursommer wie damals in Tirol, Corona-Hilfsfonds kommt

Auch nach dem Ende des Veranstaltungsverbots wird der Kulturbetrieb nur langsam wieder anlaufen. Sonderförderungen sollen helfen.

Als Corona noch unbekannt war: Landesrätin Palfrader eröffnet die Innsbrucker Festwochen 2019. Heuer wackelt diese Veranstaltung.
© Die Fotografen

Innsbruck – Ihren wachsenden Appetit auf Theater, Konzert und Co. müssen Kulturfreunde noch länger zügeln. Kanzler Kurz hat das Veranstaltungsverbot aufgrund der Corona-Krise bis Ende Juni verlängert – vorläufig. Denn Zweifel, dass es im Juli wieder in Richtung Normalität gehen könnte, sind berechtigt.

Von politischer Seite wird nichts beschönigt. „Wir werden auch im Sommer keinen Kulturbetrieb wie vorher haben können“, zeigt sich Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) offen skeptisch. Zugangsbeschränkungen, Abstand halten, erhöhte Sicherheitsauflagen: Nur unter solchen Bedingungen sei an öffentliche Versammlungen überhaupt zu denken.

Das Tiroler Landestheater musste seinen Neustart auf Ende September verschieben. Der Abbruch der laufenden Spielzeit im März bedeutet einen Millionenverlust. Die Sommerfestspiele Erl sind abgesagt, ebenso die Volksschauspiele in Telfs. Und auch über den Festwochen der Alten Musik, ein Innsbrucker Kulturhighlight im Juli und August, steht ein Fragezeichen. „Indoor-Konzerte und szenische Opern sind undenkbar“, glaubt Landesrätin Palfrader. Ob ein reduziertes Programm möglich ist oder doch die Absage erfolgt, entscheidet sich Ende April.

Landestheater und Fest­wochen sind öffentliche Kulturbetriebe, finanziert von Stadt Innsbruck und Land Tirol. Um das Budgetloch müssen sich daher die politisch Zuständigen kümmern.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Noch viel schlimmer trifft Corona die freie Szene, die zumeist in Vereinsform organisiert ist. Der Dachverband Tiroler Kulturinitiativen (TKI) beziffert den finanziellen Schaden seiner Mitglieder im ersten Monat der Pandemie mit fast 600.000 Euro und erinnert Palfrader an ihr Versprechen, „niemanden im Stich zu lassen“.

Nicht ohne Erfolg. Denn mit 4,5 Millionen Euro wird nun ein Soforthilfefonds des Landes gefüllt, eigens geschaffen für den stillstehenden Kulturbetrieb. Noch fehlt der Sanktus des Landtages. Dieser soll die Gelder in einer Sondersitzung am 16. April freigeben.

Die Hilfsmillionen kommen der Kultur weit gefächert zugute, etwa in Form von Kunstankäufen, Atelier­förderungen oder Arbeits­stipendien. Oberstes Ziel ist es dabei, dass Tirols Kulturschaffende weiterhin in ihren Metiers tätig bleiben können.

Weiteres Entgegenkommen gibt es bei laufenden Förderungen: Wer Events verschiebt, behält die Förderzusage. Bei Absagen verzichtet das Land darauf, Förderungen zurückzuverlangen, so Kosten entstanden sind.

Auch der Bund unterstützt Kunst und Kultur mit Hilfspaketen, dazu kommt finanzielle Hilfe von der Künstlersozialversicherung und den Verwertungsgesellschaften AKM und Literar Mechana.

Als ersten Schritt empfiehlt Palfrader die Kontaktaufnahme mit der Kulturabteilung des Landes; auch das Kulturstaatssekretariat informiert über Fördermöglichkeiten.

Wie hoch die finanzielle Unterstützung pro Kopf ausfällt, kann Palfrader nicht beziffern: „Das hängt von der Zahl der Anträge und der Dauer einer Förderung ab.“

Eine Mehrfachförderung aus verschiedenen Töpfen von Bund und Land soll aus Gründen der Fairness ausgeschlossen werden. (mark)

Infos über Födermöglichkeiten

Kulturabteilung des Landes Tirol: kultur@tirol.gv.at, Tel. 0512/508-3752. Kulturstaatssekretariat: Hotline 01 53115 202555.


Kommentieren


Schlagworte