Flughafen, Altstadt: Innsbruck könnte Baustellen in der Corona-Krise vorziehen

Eigentlich wollte man an der Piste des Flughafens oder in der Innsbrucker Altstadt erst in ferner Zukunft bauen. Doch dann kam die Krise. Und jetzt könnten sich diese Pläne ändern. Mit drastischen Folgen.

Die Altstadt ist derzeit leer gefegt. Das könnte für einen früheren Baustart zur Erneuerung der Wasserleitungen genützt werden.
© Michael Kristen

Von Denise Daum und Marco Witting

Innsbruck – Nach mehreren Wochen tagte gestern in Innsbruck wieder der Stadtsenat – mit nötigem Abstand in den Ursulinensälen. Ganz nah sind der Stadtpolitik derzeit noch die Infektionszahlen in der Landeshauptstadt, die sich weiter im Sinkflug befinden. Und während der Alltag im Magistrat noch von den unmittelbaren Folgen der Corona-Krise beschäftigt wird, könnten eben wegen der Pandemie am Horizont zwei Bauvorhaben auftauchen, die eigentlich erst in ferner Zukunft geplant wären. Die Krise macht vieles möglich und könnte, rein theoretisch, zwei Zeitfenster öffnen. Eines am Flughafen. Das andere in der Altstadt.

Der Umbau des Flughafen-Terminals ist derzeit kein Thema. So wurde erst der Architekturwettbewerb gestoppt. Doch die Sanierung der Piste, die ebenfalls ansteht, die könnte jetzt doch früher eingetaktet sein. Wirtschaftsstadträtin Christine Oppitz-Plörer sagte dazu gestern: „Das wäre ein richtiges Signal – auch für die Bauwirtschaft. Es ist aber jetzt zu früh zu sagen, ob das klappt. Es wäre aber überlegenswert.“ Dafür spricht, dass wohl auch auf absehbare Zeit die Luftfahrtbranche am Boden bleiben muss und die Piste jedenfalls saniert werden muss. Dagegen spricht, so hört man es aus der Stadt, dass damit umfangreiche Behördenverfahren verbunden sind – auf Bundes- und Landesebene. Wenn, dann soll die Maßnahme aber „in diesem Jahr“ durchgeführt werden, wie Oppitz-Plörer bei einer Video-­Pressekonferenz der Koalition erklärte.

Generell sprach sich Oppitz-Plörer für vereinfachte Behördenverfahren und Ausschreibungen unmittelbar nach der Krise aus, um die Wirtschaft zu unterstützen und anzukurbeln.

Ganz konkret sind indes die Pläne für die Altstadt. Dort müssen bekanntlich die 130 Jahre alten Trinkwasserleitungen erneuert werden. Im Zuge dieser notwendigen Arbeiten werden auch Strom, Internet, Erdgas, die Kanal-Hausanschlüsse und die Straßenentwässerung modernisiert. Eine Großbaustelle also. Eröffnet werden könnte diese nun schon im Juni statt wie ursprünglich avisiert im Februar 2021. Die Stadt rechnet damit, dass die Kundenfrequenz im heurigen Sommer aufgrund der Corona-Krise und ihrer wohl länger andauernden Nachwehen deutlich zurückgehen wird. Und dieser Umstand soll genützt werden, um die – ohnedies unausweichlichen – Bauarbeiten vorzuziehen, heißt es dazu aus dem Büro des Bürgermeisters. Fixiert ist aber noch nichts.

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Die Altstadtkaufleute sind allerdings schon alarmiert. Peter-Paul Bloder, Obmann des Altstadtvereins, hält rein gar nichts von einem vorgezogenen Baustart. „Wenn sofort nach der Corona-Krise die Baustellen-Krise kommt, hätte das fatale Folgen. Das kann sich kein Unternehmer leisten“, warnt Bloder, der für die Zeit der Bauarbeiten mit einem Umsatzrückgang von 50 bis 70 Prozent rechnet. In einer eilig einberufenen Vorstandssitzung habe sich deshalb die Mehrheit der Vorstandsmitglieder gegen einen Baustart im heurigen Sommer ausgesprochen.

IKB-Vorstand Thomas Pühringer schickt voraus, dass die Arbeiten in der Altstadt „wirklich ganz, ganz dringend notwendig sind“. Der Wunsch eines vorgezogenen Baubeginns sei nicht von den IKB ausgegangen, sondern von einigen Wirtschafts­treibenden in der Altstadt angesichts der Corona-Krise gekommen. „Wir prüfen aktuell, ob ein Baustart noch vor dem Sommer 2020 möglich ist. Uns wäre es natürlich sehr recht, wenn wir früher anfangen können.“ Die IKB wollen demnächst ein entsprechendes Konzept vorlegen und das Gespräch mit den Betroffenen in der Altstadt suchen.

Die Entscheidung liegt dann bei der Politik. Stadtsenats- und Ausschusssitzungen wird es weiterhin in den Ursulinensälen geben. Eine Gemeinderatssitzung erst nach einem Beschluss des Landes.


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