Fast 2.000 Coronavirus-Tote in den USA binnen eines Tages

Während in China die strickten Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus immer mehr gelockert werden, ist die Gefahr in den USA und Europa noch lange nicht gebannt. Frühestens Ende April wird in einigen Ländern ein erster Schritt in die Normalität gewagt, wie etwa in Österreich und Dänemark. Das löste Kritik des Europa-Büros der Weltgesundheitsorganisation WHO aus.

Die Zahl der Infektionen stieg in Europa auf mehr als 750.000. Das ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Behördenangaben vom Mittwoch. Europa ist damit weltweit am schwersten von der Pandemie betroffen: Mehr als die Hälfte aller Infektionen wurden auf dem Subkontinent verzeichnet. In China ist die Zahl der Infektions- und Todesfälle stark zurückgegangen. Seit Ende März wurde die Abschottung daher schrittweise aufgehoben.

Noch keine Entspannung gab es im besonders schwer von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Spanien, dort ist die Zahl der Todesfälle erneut angestiegen. Binnen 24 Stunden seien 757 Menschen mit oder an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Es war bereits der zweite Tag in Folge, an dem das Land nach einem vorherigen Rückgang wieder mehr Tote verzeichnete. Rückläufige Todeszahlen vier Tage in Folge hatten zuletzt die Hoffnung keimen lassen, dass Spanien das Schlimmste hinter sich habe. Am Dienstag meldete das Gesundheitsministerium mit 743 neuen Corona-Toten binnen eines Tages dann wieder einen Anstieg.

Auch die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich leicht auf knapp 146.700, wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte, und überholte damit die Infektionszahlen in Italien. Die Zahl der Toten lag in Spanien nun bei insgesamt 14.555. Spanien ist mit Italien das am schwersten von der Pandemie betroffene Land.

Dennoch plant Spanien nach Auffassung der Regierung, Ende April Schritt für Schritt zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Kurz vor der offiziellen Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen bis 26. April versicherte Finanzministerin und Regierungssprecherin Maria Jesus Montero, dass die Bürger danach langsam „ihr normales Leben zurückgewinnen können“.

Für Menschen, die Straßen und Plätze bevölkerten, werde es aber „klare Anweisungen“ der Regierung geben, so Montero in einem Interview mit dem Sender „Antena 3“. In Spanien herrscht seit dem 15. März ein striktes Ausgehverbot, das nun bereits zum zweiten Mal verlängert wird. Das Parlament muss der von Ministerpräsident Pedro Sanchez angekündigten Maßnahme am Donnerstag noch zustimmen. Die knapp 47 Millionen Spanier dürfen nur zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür, Spaziergänge oder Sport sind nicht erlaubt.

Auch Dänemark plant wie Österreich eine vorsichtige Lockerung der Maßnahmen. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einer „ersten vorsichtigen Phase“ der Öffnung des Landes. In einem ersten Schritt sollen dänische Kinderkrippen, Kindergärten sowie die Schulen für Kinder bis zur fünften Klasse ab dem 15. April wieder öffnen. Damit will die dänische Regierung zunächst die Eltern entlasten, die sich neben der Arbeit im Home Office bisher auch noch um ihre jüngeren Kinder kümmern mussten.

Das wiederum kritisierte das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO und warnte vor einer frühzeitigen Lockerung der gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus erlassenen Maßnahmen. „Jetzt ist nicht die Zeit, um Maßnahmen zu entspannen“, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Mittwoch auf einer online übertragenen Pressekonferenz. Wachsendes Wissen über Covid-19 und positive Entwicklungen in einigen Staaten bedeuteten noch lange nicht, dass man das Coronavirus SARS-CoV-2 besiegt habe. Vielmehr biete dies die Chance, das Virus besser in den Griff zu bekommen.

Es sei nicht der richtige Zeitpunkt, um das Visier hochzuklappen, sagte Kluge. „Wir haben noch einen weiten Weg in diesem Marathon vor uns.“ Später ergänzte er: „Ein Land kann Covid-19 nicht alleine bekämpfen oder stoppen.“ Der Kampf gegen die Corona-Krise müsse vielmehr international abgestimmt ablaufen.

In den USA waren innerhalb von 24 Stunden die weltweite Rekordzahl von fast 2.000 Menschen mit oder an den Folgen der Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Laut Zahlen der Johns-Hopkins-Universität vom Dienstagabend erlagen seit dem Vortag genau 1.939 Menschen in den Vereinigten Staaten der von dem neuartigen Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Es handelt sich um die höchste Zahl von Todesopfern, die seit Beginn der Ausbreitung des Erregers innerhalb eines Tages in einem Land verzeichnet wurde. Die Gesamtzahl der Corona-Toten in den USA stieg damit auf 12.722. In der weltweiten Statistik der Todesopfer der Pandemie liegen die Vereinigten Staaten weiterhin auf dem dritten Platz hinter Italien (17.127) und Spanien (13.798).

Die Zahl der Infektionsfälle in den USA stieg laut der Johns-Hopkins-Universität auf fast 400.000. Bis Dienstagabend verzeichnete die Hochschule rund 398.000 Fälle. In dieser Statistik liegen die Vereinigten Staaten weltweit mit deutlichem Abstand vorn. Der massive Anstieg der Fallzahlen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in den USA inzwischen in immer größerem Umfang auf das Virus getestet wird.

Das neue Coronavirus breitet sich zunehmend auch in Afrika aus. Die Zahl der bestätigten Infektionen in Afrika sei auf mehr als 10.000 angestiegen, mehr als 500 Menschen seien gestorben, gab die WHO in einer Erklärung bekannt.

Nachdem das Virus SARS-CoV-2 den Kontinent im Vergleich zu anderen Weltregionen erst sehr spät durch Reisende aus Europa, den USA und Asien erreicht hat, breite es sich nun sehr schnell aus. Hilfsorganisationen wie World Vision oder Save the Children warnen bereits vor einer drohenden Katastrophe schwersten Ausmaßes, die auch die Zukunftschancen der Kinder beeinträchtige. In Afrika, wo ein Leben auf Distanz in vielen Armensiedlungen nicht möglich ist und auch die Hygienebedingungen nicht immer optimal sind, befürchten Experten eine hohe Dunkelziffer bei der Zahl der Infizierten.

„Covid-19 hat das Potenzial, nicht nur Tausende Tote zu verursachen, sondern auch eine ökonomische und soziale Verwüstung auszulösen“, warnte WHO-Regionaldirektor Matshidiso Moeti mit Hinweis auf eine in vielen Ländern nur schwach ausgeprägte medizinische Infrastruktur. Der Kontinent habe aber noch die Chance, die Übertragung des Virus deutlich zu reduzieren und zu verlangsamen. Als offiziell unbetroffen von Covid-19 gelten in Afrika nur das Bergkönigreich Lesotho sowie die Inselgruppen der Komoren und Sao Tome und Principe. Nach Angaben der Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) könnten die Volkswirtschaften vieler Länder auf dem Kontinent durch die Folgen der Krise stark in Mitleidenschaft gezogen werden.


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