Innsbrucker Villa samt Zubau mit Feingefühl saniert und erweitert

Erschwerte Bedingungen und Einschränkungen führen in der Welt der Architektur immer wieder zu bemerkenswerten Ergebnissen. Die behutsame Renovierung dieses Wohnhauses samt Zubau zeigt das.

Von Caterina Molzer-Sauper

Innsbruck – Die Bestandsvilla aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem sonnigen Südhang über Innsbruck wurde vom Team der Imgang Architekten aus Innsbruck behutsam adaptiert und auf den heutigen Stand der Technik gebracht. Der moderne Zubau mit Terrasse im Osten erweitert die Wohnfläche und sorgt für die gewünschte Großzügigkeit und Offenheit.

Der moderne Zubau in Sichtbeton-Bauweise und einer Fassade aus Glas. Schwarze Stahlprofile rahmen mit dem Geländer den Zubau ein.
© Alexander Kofler, In the Headroom

Nachdem vorerst der Abriss des alten Gebäudes im Raum stand, entschied man sich gemeinsam für eine andere Lösung. Vorgaben, wie etwa die Bauhöhen und die Einhaltung der Flugsicherungszone, welche die Aufstellung eines Kranes verhinderte, waren Gründe genug dafür, die Substanz zu erhalten und gemäß den Bedürfnissen und Wünschen der vierköpfigen Bauherrenfamilie zu adaptieren.

Über einen Fußweg gelangt man von der Straße über das Grundstück der Eltern zum Haus, die PKW parken einfach an der Straße. „Die Villa hatte viele Qualitäten, dir wir auch erhalten wollten, und daher entschieden wir uns für das Einziehen neuer Decken und Fußböden, eine neue Treppe und das sensible Adaptieren der äußeren Hülle an die heutige Zeit“, so Architekt Christoph Milborn. Der Grundriss wurde neu angelegt, wobei die Situierung der Fenster erhalten blieb. Sie wurden lediglich vergrößert, um mehr Licht in die Räumlichkeiten zu bringen.

Der moderne Zubau in Sichtbeton-Bauweise und einer Fassade aus Glas.
© Alexander Kofler, In the Headroom

Auch die typischen Faschen um die Fenster im Dachgeschoß wurden neu gedacht. Das Entfernen des massiven Vordaches bewirkt eine Charakterveränderung des Gebäudes hin zur bürgerlichen, städtischen Villa. Der spezielle Putz mit Besenzug-Technik ist ebenfalls ein schönes Zitat aus vergangenen Zeiten.

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Nachdem das ursprüngliche Wohnhaus außer dem Garten und einer Markise an der Fassade keine bespielbaren Außenflächen hatte, dient der eingeschoßige, 23 Quadratmeter große Zubau nicht nur als Erweiterung für den neuen Wohn-Ess-Bereich im Erdgeschoß, sondern fasst auch gemeinsam mit dem Altbestand die neue Terrasse ein.

Der Zubau wurde in brettergeschalter Sichtbeton-Bauweise errichtet, mit einer Fassade aus Glas und schwarzen Schichtstoffplatten versehen und mit Holzlatten als Sichtschutz ergänzt. Schwarze Stahlprofile rahmen gemeinsam mit dem Geländer den Zubau ein und können als Konstruktion für ein Sonnensegel genützt werden.

Viele bemerkenswerte Details an der Fassade erinnern an vergangene Tage.
© Alexander Kofler, In the Headroom

Im Obergeschoß des Bestandsgebäudes befinden sich das Elternschlafzimmer mit Schrankraum, ein Büro sowie ein Bad. Das Dachgeschoß ist mit zwei Zimmern, einem Gemeinschaftsbereich und einem Bad den beiden Kindern der Familie vorbehalten, die somit ihr eigenes Reich unter dem Dach genießen können.

Das Wohnhaus aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts hat durch die sensiblen Eingriffe seinen Charme nicht nur behalten, sondern vielmehr vergrößert.
© Alexander Kofler, In the Headroom

Thermisch komplett saniert entspricht das Wohnhaus allen Bedürfnissen des zeitgemäßen Wohnens und kann auch jederzeit an eine Luft-Wasser-Wärmepumpe angeschlossen werden.

Der alte Keller mit gepflastertem Boden erinnert im Inneren mit seiner alten Substanz als einziges an die alten Zeiten.

Hier wurde ein schönes Beispiel für die Revitalisierung eines Gebäudes mit Geschichte und dessen Transformation ins Heute realisiert.


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