Neue Angriffe trotz angekündigter Feuerpause im Jemen

Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben eine Unterbrechung ihres Militäreinsatzes gegen die Houthi-Miliz im Jemen angekündigt. Die Feuerpause werde Donnerstagmittag in Kraft und zunächst zwei Wochen gelten. Eine Verlängerung sei möglich, teilte der Sprecher der Militärallianz, Oberst Turki al-Malki, am Mittwoch mit. Allerdings wurden noch in der Nacht mehrere Angriffe gemeldet.

Mit der Feuerpause sollen die Bemühungen der Vereinten Nationen um ein Ende des seit fünf Jahren anhaltenden Krieges unterstützt und ein potenzielles Übergreifen der Coronavirus-Pandemie auf den Jemen verhindert werden, so Oberst Al-Malki. Ob die von Saudi-Arabiens Erzfeind Iran unterstützten Houthis sich anschließen, war unklar. Ihr Sprecher Mohammed Abdulsalam erklärte via Twitter, die Vorstellungen der Rebellen zur Beendigung des Kriegs seien der UNO mitgeteilt und die Grundlagen für einen politischen Dialog und eine Übergangsphase erläutert worden.

Noch in der Nacht teilte Jemens Informationsministerium mit, die Houthis hätten die Hafenstadt Hodeida und die Stadt Marib im Landesinneren mit Raketen beschossen. Die Houthis teilten wiederum über von ihnen kontrollierte Medien mit, die saudi-arabische Militärallianz habe Ziele in zwei Provinzen angegriffen.

Der UNO-Sondergesandte Martin Griffiths begrüßte die Feuerpausen-Initiative. Die Konfliktparteien sollten die Gelegenheit nutzen, einen umfassenden und dauerhaften Frieden zu erreichen. „Ich bin dankbar, dass das Königreich Saudi-Arabien und die arabischen Verbündeten diesen für den Jemen kritischen Moment erkannt und darauf reagiert haben“, sagte Griffiths. Die einseitige Waffenruhe werde ein „günstiges Umfeld“ schaffen, um den politischen Prozess voranzutreiben. Griffiths bemüht sich als UNO-Sondervermittler seit mehr als zwei Jahren um eine Lösung des Konflikts.

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Die Houthis hatten die international anerkannte und von Saudi-Arabien unterstützte Regierung Ende 2014 aus der Hauptstadt Sanaa verdrängt. Mittlerweile wurden in dem Konflikt, der als Stellvertreterkrieg zwischen den rivalisierenden Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran gilt, mehr als 100.000 Menschen getötet. Millionen Menschen sind in dem Land, das ohnehin zu den ärmsten der Erde zählt, von Hunger bedroht und mussten flüchten. Hinzu kommt nun auch noch die Gefahr durch die Coronavirus-Pandemie. Nach Angaben von Oberst Al-Malki wurden im Jemen allerdings bisher keine Infektionsfälle verzeichnet.


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