„Gemeinsam versorgt“: Digitales Angebot für analoge Hilfe des Nachbarn

Unter dem Titel „Gemeinsam versorgt“ werden örtliche Händler, Kunden und Freiwillige über eine App miteinander vernetzt.

In Mils bei Hall ist man Vorreiter in der digitalen Nachbarschaftshilfe durch „Gemeinsam versorgt“, worüber sich Amtsleiter Roland Klingler, miniM-Filialleiterin Özlem Karakus und BM Peter Hanser (v. l.) freuen.
© Schiechtl

Von Thomas Parth

Innsbruck, Mils b. Hall – Vor allem ältere, kranke und weniger mobile Personen können künftig via Hotline oder Handy-App in ihrer Gemeinde einkaufen. Das ermöglicht die Initiative „Gemeinsam versorgt“. Die Hilfesuchenden können bargeld- und kontaktlos Waren des täglichen Bedarfs, wie gewohnt, bei lokalen Händlern erstehen. Dabei müssen sie jedoch nicht die eigene Wohnung verlassen. Freiwillige „Einkaufsengel“ bekommen via App die Einkaufsliste, erledigen den Kauf und liefern bis nachhause zum Kunden.

In teilnehmenden Gemeinden können Hilfesuchende einfach per Anruf bei der Hotline 0512/327327 oder via App „Gemeinsam versorgt“ (in Kürze erhältlich via Google Play Store und Apple App Store) Produkte des täglichen Bedarfs bestellen.

„Uns ist es ein großes Anliegen, eine gesamthafte Lösung zu präsentieren, die alles verbindet – und bei der Lebensmittelhändler, in weiterer Folge auch Trafiken und andere Bereiche, mit dabei sind. Regionalität ist ein Gebot der Stunde“, erklärt der Gemeindeverbandspräsident, BM Ernst Schöpf. „Für die Gemeinden entsteht kaum ein Aufwand. Wichtig auch: Die Freiwilligen vor Ort werden eingebunden. Das ist die intelligente Weiterentwicklung der Nachbarschaftshilfe“, betont Schöpf.

Mitmachen können auch Einrichtungen wie Bauernläden oder kleinere Händler, ganz ohne Bankomatkasse, denn auch die Bezahlung der Waren, die Bonkontrolle und die Verrechnung kann direkt über die App abgewickelt werden. Ein weiterer Vorteil für die Gemeinden: Sie haben aktuell ein erhöhtes Risiko in Sachen finanzieller Verantwortung bei der Übernahme und Verrechnung von z. B. Supermarkt-Lieferscheinen. „Gemeinsam versorgt“ macht diese Lieferscheine obsolet.

Der Startschuss für „Gemeinsam versorgt“ erfolgt in Mils bei Hall in Tirol. BM Peter Hanser: „Hilfe für bedürftige Bürger haben wir in Mils immer großgeschrieben. Die Initiative ‚Gemeinsam versorgt‘ ist uns sehr willkommen. Der Milser Topographie ist es geschuldet, dass es nicht immer einfach ist, Besorgungen zu erledigen. Deshalb ist ein derartiges Nachbarschaftshilfeprojekt sehr zu begrüßen.“

Der Milser Amtsleiter Roland Klingler zeigt auf, wie „Gemeinsam versorgt“ hinter den Kulissen funktioniert: „Die Verwaltung für Betreutes Wohnen ist unsere Koordinationsstelle bei der Milser Nachbarschaftshilfe ‚IFürDi‘. Mit ‚Gemeinsam versorgt‘ wird diese Hilfe noch einfacher und effizienter.“

Auch das Land Tirol steht hinter dieser Lösung, wie Landesrat Johannes Tratter betont: „Es ist mir ein großes Anliegen, die Tiroler Gemeinden in den aktuell schwierigen Zeiten bestmöglich zu unterstützen. Durch ‚Gemeinsam versorgt‘ können viele Insellösungen zu einer gemeinsamen und schlagkräftigen landesweiten Initiative zusammengefasst werden.“ Landesrätin Gabriele Fischer schlägt in dieselbe Kerbe: „Uns ist eine Lösung wichtig, die für alle entsprechend nutzbar ist. Wir wollen in dieser Situation niemanden zurücklassen und müssen gerade auf die Hilfesuchenden in unserer Gesellschaft achten.“

Bereits nach Ostern sind neben MPreis (mit Baguette und T&G) auch die Rewe-Gruppe (mit Merkur, Billa, Penny, Adeg und Bipa) sowie dm als weitere Partner mit im Boot. Interessierte regionale Anbieter können sich jederzeit bei der Servicehotline 0512/327327 melden.

„Durch Covid-19 ist es ein Gebot der Stunde, Hilfe einfach, dauerhaft und sicher zu organisieren. Doch auch nach Corona bleibt der Bedarf an Nachbarschaftshilfe bestehen. ‚Gemeinsam versorgt‘ ist ein Projekt, das auch über die Krise hinaus von bleibendem Wert sein wird“, sind die Initiatoren überzeugt.

Nach Tirol folgt bald die österreichweite Ausrollung des Projekts.


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