Malerin Michaela Schwarz-Weismann: Der Schlaf macht alle gleich

Die in Wien lebende Tiroler Malerin Michaela Schwarz-Weismann kann noch nicht abschätzen, wie die aktuelle Krise ihre Art des Kunst-Machens verändern wird.

Schlafende Männer sind das zentrale Thema der Malerei von Michaela Schwarz-Weismann.
© jork weismann

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Rückzug, Stillstand bzw. Schlaf ist seit Jahren das Thema der in Wien lebenden Tiroler Malerin Michaela Schwarz-Weismann. Und das lange bevor dieser Zustand unfreiwillig unser aller Leben bestimmt hat. Die Initialzündung, sich auf diese Problematik intensiv einzulassen, sei eigentlich ihre Fassungslosigkeit angesichts der Wahl von jemandem wie Donald Trump zum US-Präsidenten gewesen, erklärt die Künstlerin, was in ihr den Impuls entzündet habe, Männer malend in den Zustand des Schlafs zu versetzen, sie sozusagen lahmzulegen.

Um auf subversive Weise vielleicht ein Nachdenken über die patriarchalen bzw. kapitalistischen Strukturen unserer Gesellschaft anzuzetteln, Platz für alternative Konzepte zu machen, so Michaela Schwarz. Sind für sie als feministisch bewegte Frau doch Männer die Metapher für ein Denken, das es ihrer Meinung nach kritisch zu hinterfragen gilt. Je mehr sich die 47-Jährige, die zwischen 1998 und 2002 an der Wiener Angewandten in der Klasse von Paolo Piva Architektur und Produkt-Design studiert hat, bevor sie ans Royal College of Art in London übersiedelt ist, auf dieses Thema eingelassen hat, desto mehr wurde für sie allerdings zunehmend der Zustand des Schlafs an sich relevant.

Als Stadium des absoluten Stillstands, in dem der Schlafende in eine irreale Welt eintaucht, um in diesem Zustand aber gleichzeitig auch völlig schutzlos der Außenwelt ausgeliefert zu sein. Andererseits ist der Schlaf für sie eine Situation, die alle gleichmacht. Lässt Michaela Schwarz allerdings Frauen in ihren Bildern schlafen, sind dies makellose Wesen, die meist am Kopf stehen. Um auf diese Weise fragwürdige Frauenbilder bzw. die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit der Modewelt kritisch zu hinterfragen. Eine Welt, in der sich das ehemalige Model bestens auskennt.

In dem praktisch der ganzen Welt verordneten aktuellen Zwangsstillstand ortet die Künstlerin dagegen keine reelle Chance eines prinzipiellen Umdenkens. Seien im Moment doch alle existenziell gestresst, hätten Angst davor, wie es weitergeht. Besonders auch freischaffende, ohne jedes Sicherheitsnetz arbeitende KünstlerInnen wie sie, deren Personale im Oberösterreichischen Kunstverein in Linz wenige Tage nach ihrer Eröffnung geschlossen werden musste. Eine Ausstellung, in der sie sich mit dem Schlaf des Dornröschens auseinandersetzt. Im Rahmen der Schau geplante Lesungen und Schlafperformances mussten genauso abgesagt werden wie die Vienna Art, bei der sie mit ihrem neuesten Bilderzyklus „turn“ mit dabei gewesen wäre. Die Hoffnung, dass die Linzer Ausstellung verlängert bzw. die Messe im Herbst stattfinden können wird, hat Michaela Schwarz allerdings noch nicht aufgegeben.

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Dass die Menschen aus dieser unfreiwilligen Ruhe Kraft schöpfen könnten, daran glaubt Michaela Schwarz nicht wirklich. Zu groß sei die generelle Verunsicherung der Szene, hätte man doch gerade als Künstler das Gefühl, dass die großen Gelder wieder an die Großen gingen und die Kleinen durch den Rost fallen.

Weshalb für sie spontane Aktionen wie die der Klocker-Stiftung so wichtig sind, die bekanntlich 115.000 Euro für den Ankauf von Arbeiten Tiroler KünstlerInnen zur Verfügung gestellt hat. Ausgewählt wurden von einer Jury 28 Arbeiten, darunter auch eine von Michaela Schwarz. Die es sehr bedauert, in ihrer Heimatstadt Innsbruck als Künstlerin bisher nicht präsent zu sein. Sie habe sich mit Projekten zwar bereits bei der Tiroler Künstlerschaft beworben, geworden ist es bis jetzt allerdings zu ihrem Bedauern – noch – nichts.

Aber auch treue Sammler fallen in Zeiten wie diesen komplett aus und dass diese nach dem Ende der Krise wirklich Lust und Geld für Kunst haben, glaubt Michaela Schwarz nicht wirklich. Ob bzw. wie sehr die aktuelle Situation ihre Art des Kunst-Machens verändern wird, kann sie im Moment nicht abschätzen. In ihrem leeren Atelier stehe sie täglich vor leeren Leinwänden, ohne wirklich zu wissen, womit sie sie füllen soll. Eine Zäsur bedeutet die aktuelle Situation aber auf alle Fälle, die Michaela Schwarz-Weismann aquarellierend, zeichnend und schreibend aufzuarbeiten versucht. Was dabei herauskommt, wird spannend. Für die Künstlerin genauso wie für Freunde ihrer bisher sehr poetisch dekorativ in hyperrealistischer Manier in der Fläche zelebrierten Malerei.


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