Arbeiten von daheim aus: Home-Office braucht Spielregeln

Seit der Corona-Krise wird die Arbeit sehr oft zuhause, also im Home-Office, erledigt. Schwierig ist Home-Office für die meisten, für Chefinnen und Chefs genauso wie für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Für viele Arbeitnehmer kam das Übersiedeln ins Home-Office zu den Kindern sehr plötzlich.
© Getty Images

Wien, Innsbruck – Home-Office war lange Zeit ein Thema, das viele Arbeitgeber nicht für sich genutzt haben bzw. nicht nutzen wollten. In Zeiten von Corona kann das Konzept „Arbeiten von zuhause“ aber nicht mehr ignoriert werden: Spätestens seit dem Regierungserlass, der allen einer Risikogruppe angehörenden Angestellten verbietet, zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, müssen Vorgesetzte auch in Österreich Home-Office-Lösungen finden. Eine Umfrage zum Berufsleben des Personalvermittlers StepStone in der Corona-Krise zeigt, dass schon gleich zu Beginn der ersten Ausgangsbeschränkungen 40 Prozent aller Befragten ihre professionelle Tätigkeit auf Home-Office umstellen mussten, 54 Prozent der Befragten haben grundsätzlich die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Auch wenn sich die meisten gut damit arrangieren, sehen doch einige auch Herausforderungen: Ein Drittel (31 %) der Befragten, die nun von zuhause aus arbeiten, vermissen besonders den Austausch mit ihren Kollegen. Und weitere 23 Prozent haben Probleme, weil das benötigte Equipment wie etwa Unterlagen, Hardware oder Software daheim fehlt.

Und auch für Arbeitgeber ist es oftmals schwierig, die Mitarbeiter im Home-Office werken zu lassen. Veronika Jakl, Expertin für Arbeitspsychologie, hat Tipps für Chefinnen und Chefs. Und sie beruhigt: „Home-Office hat viel mit Vertrauen zu tun. Wenn jemand nicht ans Telefon geht, gehen Sie davon aus, dass die Person gerade auf der Toilette ist und nicht vorm Fernseher.“ Arbeitgeber sollten zudem bedenken, dass nicht alle Mitarbeiter über eine ideale Home-Office-Infra­struktur verfügen würden. „Seien Sie rücksichtsvoll, wenn jemand etwa nicht aktiv an jeder Videokonferenz teilnehmen kann.“ Home-Office ist aber auch für Angestellte nicht immer einfach, sondern kann sich auch zum Problem entwickeln. Gerade jetzt müssen sehr viele zuhause arbeiten – und auch ihre Kinder müssen anstatt in die Schule zuhause bleiben. Das birgt viel Stress- und Konfliktpotential – umso wichtiger sei es, hier klare Strukturen zu schaffen.

Arbeitspsychologin Jakl spricht aus eigener Erfahrung: „Wir versuchen, eine gewisse Routine hinzubekommen, welche sich nicht wesentlich von jener Routine unterscheidet, die unseren Alltag bisher bestimmt hat. So starten wir koordiniert in den Tag und schleppen kein (vermeidbares) Chaos den halben Tag mit.“

Wichtig sei für alle Beteiligten, dass sie trotz aller Unsicherheiten die Zeit während der Krise zuhause auch genießen können. Denn eines ist für die Expertin klar: „So viele Möglichkeiten, gemeinsam zu basteln, zu spielen und Zeit zu verbringen, kommen im Leben nicht oft.“ (ver)

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