Die Radieschenernte auf den Tiroler Feldern ist gesichert

Erntehelfer, die sich über die Plattform „dielebensmittelhelfer“ gemeldet haben, sind im Einsatz und machen einen guten Job.

In kleinen Teams mit Abstand werden derzeit auf den Thaurer Feldern Radieschen geerntet.
© privat

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Der Aufruf, sich bei der österreichweiten Plattform für Lebensmittelhelfer zu bewerben, bewegt seit Beginn der Corona-Krise die Gemüter. In zahlreichen Leserbriefen werden Vorschläge gemacht, wie einzelne Gruppen dazu beitragen können, dass die anstehende Radieschenernte – Tirol weist in Österreich die größte Anbaufläche dafür auf – trotz fehlender Arbeiter aus Osteuropa geschafft werden könne.

Als wir mit Romed Giner, stellvertretender Obmann der Tiroler Gemüsebauern, telefonieren, blinkt wieder eine Nachricht auf. „Ich bin dabei. Sagen Sie mir wann und wo und schon stehe ich am Feld“, heißt es in der E-Mail. Gerade in Krisenzeiten ist es für viele Menschen ein unerträglicher Gedanke, dass wertvolle Lebensmittel verderben, weil sie nicht geerntet werden können.

Giner hat eine gute Nachricht: „Es sind schon Leute von der Plattform im Einsatz und sie machen ihre Sache gut.“ In Summe habe man etwa 120 Personen tirolweit eingesetzt. Gezählt wurden rund 1200 Meldungen. „Diese Plattform war von Ministerin Köstinger sicher gut gemeint, aber ein Schnellschuss. Sie hätte mehr Vorgaben enthalten müssen. Nicht alle, die sich melden, sind geeignet.“

Giner weist vor allem darauf hin, dass verlässliche kleine Teams gebildet werden müssen, das sei nur möglich, wenn die Helfer, die neben der Stammmannschaft auf dem Feld sind, nicht so häufig wechseln. „Wir müssen auf die Schutzbestimmungen achten und darauf, dass wir das Virus nicht in die ganze Mannschaft einschleppen.“ Sonst müsse man zusperren, das wäre eine Katastrophe. Interessant ist, wer sich meldet. Es sind viele Asylwerber, aber auch Studenten, generell Personen quer durch alle Schichten. Bezahlt werden sie nach dem Kollektiv für Erntehelfer. (6,65 Euro netto/Stunde, Montag bis Sonntag 40 Stunden). Giner bedankt sich bei allen Engagierten und richtet zwei Appelle an die Politik „Es muss sichergestellt sein, dass die Zuverdienstgrenze für die Helfer angehoben wird.“

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Die nächste Erntephase stehe dann Ende April an, da werde man bei Bedarf wieder Leute aus der Plattform kontaktieren. Wenn bis Mitte Mai die Wirtschaft wieder hochfahre, wären viele Produkte erntereif. „Ich denke, dass wir dann nicht mehr auf die jetzigen Freiwilligen zurückgreifen können. Die Menschen werden dann vielfach wieder ihrer Arbeit nachgehen können“, so Giner.

Derzeit werden intensive Gespräche geführt, ob man gewohnte Erntehelfer einfliegen und nach der Quarantäne einsetzen könnte. Auch hier gibt es Hindernisse: „Viele meiner Arbeiter sind noch nie geflogen. Einer sagte: ,Chef, ich steige in keine Teufelsmaschine.‘“ In der herausfordernden Zeit müsse auch der Handel den Bauern entgegenkommen, schließt Giner.


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