Nissans Dauerläufer nahm alle Wege

20.000 Kilometer legte der Nissan Qashqai im TT-Dauertest im Zeitraffer zurück. Nie ließ uns das SUV im Stich – und offenbarte das Geheimnis seines Erfolges. Topausstattung macht ihn aber unnötig teuer.

Ob Stadt oder Land: Der Nissan Qashqai macht eine gute Figur – er ist das Paradebeispiel eines gelungenen Crossover-Fahrzeugs.
© Fellner Reinhard

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – 2007 präsentierte Nissan mit dem Qashqai das erste Kompakt-SUV modernen Zuschnitts. 2014 rollte die zweite Qashqai-Generation auf die Straßen und toppte seither den Erfolg der ersten. So war das SUV 2017 nicht nur das meistproduzierte Fahrzeug Großbritanniens, sondern zeitweise auch das meistverkaufte SUV innerhalb der EU. Diesen Erfolg wollte Nissan absichern und ließ den Qashqai fast schon im Jahrestakt auffrischen.

Nach der Überarbeitung von Fahrwerk und Lenkung widmeten sich die Japaner 2019 weiteren Komponenten, die für den Kunden direkt spürbar sind. So wurde das komplette Motorenprogramm, ob Benzin oder Diesel, runderneuert und dazu schon innerhalb eines Jahres die Multimediaeinheit wieder aufgefrischt. Der neue 150-PS-Diesel (sauber nach Euro6d-Temp samt Harnstofftank) gepaart mit Allradantrieb und Automatik rollte gleich darauf in den TT-Dauertestfuhrpark. Keinerlei Sorge hatten wir wegen der Zuverlässigkeit. So blieben schon letzte Nissan-Dauertester über Tausende Kilometer mängellos. Auch Deutschlands renommierteste Fachzeitschrift titelte nach 100.000 Kilometern: „Platz Nr. 1, zuverlässigstes SUV aller Zeiten, kein Ausfall auf 100.000 Kilometern!“

Die Vorschusslorbeeren manifestierten sich dann über die letzten 20.000 Kilometer. Ob Großstadtdschungel, Termin in Wien oder Schneegestöber in Obergurgl: Man merkt dem Qashqai an, dass es sich um ein besonders ausgewogenes, ausgereiftes und routiniert verarbeitetes Auto handelt. Auch auf vereister Schneefahrbahn und Minusgraden knistert und klappert bei so einem Auto halt nichts.

Für Tiroler allemal eine Überlegung wert: Der elektronisch gesteuerte Allradantrieb (All Mode 4x4) ist nicht nur im Winter ein Hit. Das auch aus dem größeren X-Trail bekannte System verteilt die Motorkraft in Sekundenbruchteilen an das jeweils gripstärkste Antriebsrad an der Vorder- oder Hinterachse oder insgesamt bis zu 50 Prozent auf die Hinterachse. In der Einstellung „Lock“ wechselt es auf permanenten Allradantrieb und begeisterte im schon erwähnten Ötztal mit geradezu stoischer Stabilität auf Schneefahrbahnen. Da wird der Alltagsheld schnell zum Zehnkämpfer.

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Die neue Multimediaeinheit versteht sich über Apple Carplay oder Android Auto umgehend mit dem Smartphone des Lenkers und steht mit allen technischen Neuerungen für das Wesen und den Erfolg dieses Autos. Alles ist leicht und logisch zu bedienen, nichts nervt oder stört im Alltag – eine Wohltat unter den überfrachteten Bedienkonzepten mancher Konkurrenzmodelle.

Dies alles gilt auch für das Fahren. Der Qashqai fühlt sich praktisch überall zu Hause. Tendenz bei der Abstimmung: mehr Komfort als Sport.

Der neue 150-PS-Diesel wurde im Testwagen leider unter Wert verkauft. So nahm ihm die stufenlose Automatik viel an Kraft und Spontanität – auch der Testverbrauch war mit 6,8 Litern gerade noch angemessen. Eine klare Empfehlung zur Schaltversion also. Auch die Top-Ausstattung Tekna+ muss es nicht sein. Sie macht aus einem sehr guten Kompakt-SUV kein Auto für 46.386 Euro – Nappaleder hin, Glasdach her. So liegt bei einem so ausgewogenen Fahrzeug die beste Wahl wohl auch in der Mitte des Modellangebots. Da warten bei Aktionen schon für gut die Hälfte des Testwagenpreises Modelle, die alle Qualitäten des Qashqai in sich tragen.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1749 ccm

Drehmoment: 340 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 110 kW/150 PS

L/B/H: 4394/2070/1630 mm

Gewicht: 1655/2110 kg

Kofferraumvolumen: 430–1598 l

Tankinhalt: 65 l

Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h

0–100 km/h: 11,2 Sekunden

Verbrauch: 6,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (Tekna+ Xtronic) 46.386 Euro

CO2-Emission: 145 g/km


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