Helden des Alltags: „Bäume ausreißen kann ich keine mehr, aber das geht!“

Wie so viele Freiwillige im Land liefert Roswitha Zangerl aus Arzl im Pitztal „Essen auf Rädern“ aus. Ein Service, der stark nachgefragt wird.

Ein kurzer Rundruf in Imst, Haiming und Arzl ergab, dass „Essen auf Rädern“ immer stärker nachgefragt wird, unabhängig von den momentan schwierigen Verhältnissen aufgrund der Covid-19-Pandemie.
© Parth

Von Thomas Parth

Arzl i. P. – Sie ist „die Neue“ im Team. Erst seit gut zwei Wochen bringt die ehemalige Bäuerin Roswitha Zangerl mit ihrem Privat-Pkw „Essen auf Rädern“ in ihrem Heimatort an den Mann und an die Frau.

Gekocht wird in der Küche des Pflegezentrums Pitztal, wie Heimleiter Adalbert Kathrein bestätigt: „Wir stellen eine vermehrte Nachfrage nach Essen auf Rädern fest. Diese wird sicher auch nach Corona anhalten.“ Für die Auslieferung zeichnet der Sozial- und Gesundheitssprengel Pitztal unter der Leitung von Manuela Prantl verantwortlich: „Im Monat März wurden im Pitztal 1077 Essen auf Rädern nachgefragt.“

Roswitha Zangerl aus Arzl liefert Essen an ihre Mitbürger aus.
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Roswitha Zangerl hat eine klare Meinung zu ihrem „Rentner-Job“, wie sie ihre Beschäftigung selbst nennt: „Bäume ausreißen kann ich keine mehr, aber das geht!“ Selbst war sie nie in der Situation, Essen auf Rädern beanspruchen zu müssen: „Wenn’s mal knapp ist, kocht meine Tochter.“ Von ihr hat die humorvolle Pensionistin auch den selbstgenähten Nasen-Mund-Schutz. „Die jungen Leute sind da fix, holen sich die Nähanleitung aus dem Internet und schon ist die Maske fertig“, lacht die 68-jährige Arzlerin: „Für mich braucht es kein Wisch-wasch-Handy, wie ich immer sage. Für mich ist es wichtig, wenn ich telefonieren und mit den Leuten reden kann. Da reicht mir mein Seniorenhandy völlig aus.“

Diese Kommunikationsfreude ist aktuell durch die Corona-Maßnahmen stark gebremst: „Nochmalerweise gehen sich immer ein paar Worte aus. Aber jetzt sind die Leute angewiesen, die Thermo-Box, in der das Essen am Vortag geliefert wurde, vor die Türe zu stellen. Ich tausche die Boxen und liefere die frisch gekochte Mahlzeit. Da geht sich leider kein Huangart mehr aus. Aber das muss momentan halt so sein.“

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Selbst fühlt sich die Arzlerin „gut beinander“. Als Pensionistin und vor allem seit dem Tod ihres Mannes habe sie viel Zeit: „Ich habe gesagt, wenn ihr mal jemanden braucht, kann ich das Ausliefern schon übernehmen. Die Arbeit ist nicht schwer und anderen Menschen ist damit geholfen. Und je mehr Freiwillige sich melden, desto weniger oft muss man fahren.“ Die Mutter von vier Kindern hat ihren Bauernhof schon länger übergeben. Ihr ganzer Stolz sind ihre sieben Enkelkinder.

Ihre „Runde“ im eigenen Ort zu den Ortsteilen Arzl-Dorf, Osterstein, Steinhof, Leins, Hochasten und Wald hat Roswitha Zangerl binnen einer guten Stunde erledigt. Immerhin sind es gut 32 Kilometer, die sie dabei mit ihrem Privatauto zurücklegt. Vor dem Winter hat sie allerdings Respekt: „Aber da springen dann die Mander ein. Die trauen sich mehr und haben vielfach auch Allradautos.“

Beim traditionellen Fastensuppen-Essen wurde die rüstige Seniorin darauf aufmerksam gemacht, dass ein Schülerlotse ausgefallen ist. „Jetzt springe ich halt da auch noch ein ... sobald die Schule wieder anfängt“, ist Zangerl guter Dinge.


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