Handcreme mit Desinfektion aus Osttirol: „Durch Corona auf Idee gekommen“

Der Kosmetikhersteller Unterweger entwickelte eine Desinfektion, die zugleich eine Handcreme ist. Auch andere Firmen sind einfallsreich.

Bei Unterweger wurde so lange getüftelt, bis der Erfolg da war.
© Firma Unterweger

Von Catharina Oblasser

Assling, Oberndorf, Scheffau – Saubere Hände sind in Zeiten der Corona-Krise das Um und Auf. Aber das ständige Waschen mit Seife oder die Verwendung von Desinfektionsmitteln hat auch den Nachteil, dass die Haut stark austrocknet. Über Abhilfe machten sich die Fachleute der Unterweger-Latschenölbrennerei in Assling (Osttirol) Gedanken.

Das traditionsreiche Unternehmen, gegründet 1886, produziert heute auch Kosmetik- und Pflegeprodukte. Vor etwa drei Wochen wurde die Hand-Hygiene-Lotion auf den Markt gebracht, sagt Firmenchef Michael Unterweger. „Der Vorteil ist, dass man die Hände nicht zu waschen braucht. Man desinfiziert sie mit der Lotion, die zugleich eine Pflege ist.“ Das Produkt enthält 83,3 Prozent Alkohol und Wasserstoffperoxid – so wie die Weltgesundheitsorganisation WHO es für Desinfektionslösungen vorgibt. „Alkohol hat die Eigenschaft, die Haut sehr stark auszutrocknen“, erklärt Unterweger. „Deshalb enthält die Lotion Glycerin und Wirkstoffe der Kamille, um diesem Effekt entgegenzuwirken.“

Bei dem neuen Produkt denkt die Osttiroler Firma allerdings langfristig. „Durch Corona sind wir erst auf die Idee gekommen“, meint Unterweger. „Doch die Lotion wurde als Kosmetikum zugelassen, sodass sie auf Dauer verkauft werden kann – auch nach der Corona-Krise.“

Seit einigen Wochen laufen bei der Osttiroler Firma Unterweger die Hand-Hygiene-Lotionen vom Band.
© Firma Unterweger

Dazu muss man wissen, dass es zurzeit eine Ausnahmeregelung für die Herstellung von Desinfektionsmitteln gibt, um den großen Bedarf zu decken. So ist es etwa möglich, dass zum Beispiel ein Schnapsbrenner in kürzester Zeit auf die Produktion dieser Mittel umsteigt. Das geht aber nur, solange die Ausnahmeregelung gilt.

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Zwischen drei- und viertausend Liter der Hand-Hygiene-Lotion sind in Assling bereits abgefüllt und verkauft worden – nach Südtirol, Deutschland und in andere österreichische Regionen.

Auch im Tiroler Unterland sind Firmen findig in Zeiten der Krise. Zwei Kleinunternehmer aus Oberndorf haben eine Spuck-Schutz-Maske aus durchsichtigem Kunststoff entwickelt, die in 3D ausgedruckt wird. Sie ähnelt einem Visier, wie man es beim Schweißen benützt. Verwendung findet die Maske bei Ärzten und Pflegepersonal der Region.

Drei kleine Firmen haben auf die Erzeugung von Gesichtsmasken aus Stoff umgestellt: eine Gerberei aus Scheffau, eine Trachtenschneiderei aus Kirchbichl und ein Raumausstatter aus Hopfgarten im Brixental. Die Stoffmasken gehen unter anderem an Pflegekräfte.


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