Noch viele offene Fragen bei Laptops für Pflichtschüler

Die Bundesregierung will bis zu 12.000 digitale Endgeräte an Schüler an Bundesschulen (AHS, BMHS) verleihen, die bisher mangels Rechner nicht am Heimunterricht teilnehmen konnten. Ob es ähnliche Angebote auch für Kinder und Jugendliche an den Pflichtschulen (v.a. Volks-, Neue Mittelschule) geben wird und in welcher Form, unterscheidet sich je nach Bundesland, zeigt ein APA-Rundruf.

Vorarlberg hat etwa seine Unternehmen und Bürger zu einer Computer-Spende für bedürftige Kinder aufgerufen. Benötigt werden laut Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) rund 1.000 Geräte. In den vergangenen Wochen waren etwa acht Prozent der Schüler - etwa 2.000 Heranwachsende - für die Lehrer gar nicht oder fast nicht erreichbar. Durch intensiven Einsatz auch von Begleitlehrern und Schulsozialarbeitern konnte diese Zahl auf 200 reduziert werden. Die gespendeten Geräte werden neu aufgesetzt und an die Schulen verteilt, wo sie von den Lehrern weitergegeben werden. Die Schüler dürfen die Computer anders als an den AHS und BMHS danach behalten. Die ersten 200 Schüler sollen bereits kommende Woche einen PC bekommen.

In Tirol werden Familien mit Kindern zwischen sechs und 14 Jahren unabhängig vom Schultyp bei der Anschaffung von mobilen Endgeräten über einen Fonds des Landes und der Arbeiterkammer unterstützt. Ein bestimmtes Haushaltseinkommen darf dabei nicht überschritten werden, gefördert werden 50 Prozent der förderbaren Kosten (maximal 250 Euro) von Laptops, Chromebooks und Tablets mit Tastatur oder Multifunktionsdruckern. Pro Familie könne nur ein Ansuchen gestellt werden, hieß es dazu aus dem Landhaus. Land und Arbeiterkammer stellen dafür vier Mio. Euro zur Verfügung, die Kammer übernimmt davon 800.000 Euro.

Im Burgenland ist an den Pflichtschulen der Bedarf an elektronischen Endgeräten wie PCs, Laptops oder Tablets laut Bildungsdirektion zum Großteil gedeckt, der Mangel liege im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Um ihn auszugleichen, werden Gespräche mit Gemeinden und privaten Schulerhaltern geführt. Außerdem ergingen Aufrufe an Institutionen, nicht benötigte Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Sollte in Einzelfällen der Bedarf dadurch nicht gedeckt werden, werde das Land individuelle Lösungen anbieten.

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Das Land Oberösterreich wird keine Laptops für bedürftige Schüler anschaffen. Laut dem Bildungsressort liege der Anteil jener, die mit dem Homeschooling nicht erreicht werden konnten, nämlich nur bei 0,47 Prozent - das sind 586 Schüler. Meist hätten diese auch im normalen Unterricht bereits Probleme gehabt und seien auch nicht alle mangels Laptop oder Internetverbindung vom Radar verschwunden. Man gehe vielmehr davon aus, dass sich einige - vor allem rumänische - Migrantenkinder gar nicht mehr im Land befinden. Wo man Schüler aus technischen Gründen nicht erreicht, würden die Lehrer versuchen Lösungen zu finden, hieß es im Bildungsressort. So können etwa an vielen Volksschulen Eltern die Arbeitsblätter direkt in der Schule abholen und ausgefüllt wieder zurückbringen. Sollten oberösterreichische Firmen aber Computer zur Verfügung stellen können, die sie selbst nicht benötigen, würde man das natürlich begrüßen.

In Salzburg soll die Bedarfsanalyse für den Pflichtschulbereich Anfang nächster Woche vorliegen, heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Maria Hutter (ÖVP). Parallel dazu werde an einem maßgeschneiderten Maßnahmenpaket gearbeitet, das gemeinsam mit dem Bedarf im Laufe der nächsten Woche präsentiert werden soll. Derzeit seien rund fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler an den Pflichtschulen im Land Salzburg für die Schulen schwer erreichbar, wobei es hier starke regionale Unterschiede gebe. In Salzburg wird ebenfalls auf die Möglichkeit von Ausdrucken für den Heimunterricht verwiesen.

Auch in Wien, Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark wird noch bis Anfang kommender Woche der konkrete Bedarf an digitalen Endgeräten erhoben. In Wien geht man aufgrund der Rückmeldungen aus den Schulen von rund zwei Prozent der Kinder aus, die man derzeit nicht erreiche, hieß es im Büro von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Bei vielen sei anzunehmen, dass keine Endgeräte zur Verfügung stünden. Bedarf dürfte es vor allem in den Mittelschulen geben, vermutet man in Wien. Umfassendere Informationen dazu werde es in Kürze geben, hieß es - wobei die Zuständigkeit für die Ausstattung von Schülerinnen und Schülern im Bildungsministerium liege, wie betont wurde. Schade sei es, dass in der gestern angekündigten Initiative des Bundes die Pflichtschulen nicht berücksichtigt seien, wurde zudem beklagt.

In Kärnten ist der für Bildung zuständige Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) bis Donnerstag davon ausgegangen, dass der Bund den Schülern Computer zur Verfügung stellen wird. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) habe aber nun die Pflichtschulen „quasi zur Ländersache erklärt“, so Kaiser. Es sei momentan sehr schwierig, Laptops am Markt zu kaufen. „Wir werden alles versuchen, es wird da und dort auch ein Zusammenstoppeln sein müssen.“ Auch die Landesregierung könne nicht zaubern. Wer keinen Computer hat, könne auch mit „analogen“ Lernpaketen - also Ausdrucken - den Stoff vertiefen und Fragen via Telefon mit dem Lehrer besprechen. Auch Volksschüler bekommen analoge Lernpakete zur Verfügung gestellt.

In Niederösterreich soll nach der Erhebung des Bedarfs ein Gesamtkonzept erstellt werden, hieß es auf Anfrage in der Bildungsdirektion. Auch in der Steiermark wird die Zahl jener Schüler, die nicht am Homeschooling teilnehmen konnten, bis Anfang nächster Woche erhoben. Um Endgeräte für Pflichtschüler bereitzustellen, müsste wohl das Land einspringen, hieß es aus der steirischen Bildungsdirektion.


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