Flüchtlinge auf Schlauchboot in Mittelmeer vermisst

Internationale Organisationen sorgen sich um das Schicksal von dutzenden Flüchtlingen, deren Schlauchboot im Mittelmeer seit dem Wochenende vermisst wird. „Wir sind sehr besorgt“, sagte am Sonntag eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Das Boot sei offenbar gekentert. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex teilte mit, sie habe bereits nach dem Boot gesucht.

Ein Frontex-Flugzeug soll die Suche am Montag fortsetzen. Nach Angaben der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea Watch befanden sich mutmaßlich 85 Menschen auf dem Schlauchboot. Sea Watch sowie die ebenfalls deutsche Organisation United4Rescue hatten nach eigenen Angaben am Wochenende dieses Boot sowie drei weitere Flüchtlingsboote in Seenot vor der Südküste von Malta gesichtet.

Von den übrigen drei Booten erreichte eines laut Frontex inzwischen Italien. Die beiden anderen seien zuletzt weiterhin auf See gesichtet worden. Auf diesen drei Booten befanden sich nach Angaben von Sea Watch insgesamt 173 Menschen.

Die Hilfsorganisation „Alarm Phone“ veröffentlichte am Montag die Tonaufnahme eines telefonischen Anrufes veröffentlicht, mit dem eine Migrantin an Bord eines im Mittelmeer in Seenot geratenen Schlauchbootes um Hilfe bat. Die französisch sprechende Frau erklärte, sie sei schwanger und mit einer kranken Tochter unterwegs. „Die Menschen sterben hier“, sagte die Frau verzweifelt.

Eine männliche Stimme sagte hinzu, dass sich zwei Leichen an Bord des Bootes befanden. Veröffentlicht wurde auch die Tonaufnahme eines weiteren Migranten an Bord eines Schlauchbootes mit insgesamt 47 Personen an Bord. „Wir sind in kritischem Zustand, wir können nicht länger warten“, sagte er.

Das von der spanischen NGO Maydayterraneo betriebene Schiff „Aita Mari“ kündigte indes an, dass es das Schlauchboot mit 47 Personen an Bord lokalisiert habe. Das Schiff verfüge jedoch nicht über genügende Mittel für die Rettung von so vielen Menschen und benötige daher Unterstützung, berichtete „Alarm Phone“.

Italien hatte in der vergangenen Woche wegen der Coronavirus-Pandemie alle seine Häfen geschlossen, auch für Schiffe mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen. Die Entscheidung wurde von Sea Watch und anderen Seenotrettungsorganisationen heftig kritisiert.

Sizilien stellte indes die Fähre „Azzurra“ der italienischen Reederei GNV als Schiff zur Verfügung, in dem die 156 Migranten des Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ eine zweiwöchige Quarantäne verbringen sollen. An Bord sei Platz für bis zu 488 Personen.

Dort könnten auch Covid-19 positiv getestete Patienten in Quarantäne gehalten werden, berichtete der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci. An Bord der „Azzurra“ sollen künftig auch andere Migranten gehen, die auf Sizilien eintreffen. Danach sollen sie auf andere EU-Länder umverteilt werden.

Migranten sollen in Italien nicht mehr in Hotspots auf Sizilien untergebracht werden, nachdem in Pozzallo ein 15-jähriger Ägypter positiv auf Covid-19 getestet wurde. „Die sizilianische Bevölkerung hat Angst. Wir müssen soziale Spannungen vermeiden. Migranten in Seenot müssen gerettet und unter Quarantäne gestellt werden. Und dies an Bord eines Schiffes“, sagte der Präsident Siziliens.

Die von der deutschen NGO „Sea Eye“ betriebene „Alan Kurdi“ befindet sich vor der westlichen Küste Siziliens und wartet darauf, dass die Migranten an Bord der „Azzurra“ gehen können. Die „Alan Kurdi“ ist das einzige Rettungsschiff, das noch im zentralen Mittelmeer unterwegs ist. Die sogenannte Malta-Vereinbarung ist aktuell wegen der Krise ausgesetzt. Darin hatten sich Länder wie Deutschland bereit erklärt, einen Teil der Migranten von Rettungsschiffen aufzunehmen, die zum Beispiel in Italien ankommen. Italien hat in der Corona-Krise bisher mehr als 19.000 Tote verzeichnet, im gesamten Land gelten seit Wochen strenge Ausgangssperren.


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