Vorsichtige Hoffnung auf weltweite Entspannung

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie keimt vorsichtig Hoffnung auf. Rufe nach einem Wiederhochfahren von Wirtschaft und Alltagsleben werden lauter. Doch bei der Abwägung von Gefahren und Risiken bewegen sich Experten und Politiker noch immer auf dünnem Eis. Die Johns-Hopinks-Universität in Baltimore gab am Ostermontag (Stand: 14.00 Uhr) die Zahl der weltweit Infizierten mir 1.860.011 an.

US-Präsident Donald Trump möchte die USA schnellstmöglich in Normalbetrieb versetzen. In Spanien durften Hunderttausende wieder arbeiten gehen. In Italien, einem der am schwersten von der Pandemie getroffenen Länder, verlangsamte sich die Ausbreitung des Virus. In Großbritannien und Frankreich blieb die Lage weiter angespannt.

Angesichts der wirtschaftlichen Verluste ist die Versuchung groß, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren. Aber Virologen warnen: Es bestehe das Risiko, dass die Infiziertenzahlen dann wieder hochschnellen könnten. Der prominente Immunologe und Trump-Berater Anthony Fauci hält eine Rückkehr zur Normalität allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde. Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22.000 Menschen starben bis zum Ostermontag im Zusammenhang mit dem Virus.

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Trump will die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen bringen und voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das über den Zeitplan für eine Lockerung der geltenden Beschränkungen beraten soll. Da der Präsident sich schon massive Kritik der oppositionellen Demokraten und der Medien eingehandelt hatte, die Corona-Gefahr lange verharmlost und das Steuer erst viel zu spät herumgerissen zu haben, warnt Fauci seinen Chef jetzt vor übereilten Schritten in die andere Richtung: Möglicherweise könnte der Prozess einer vorsichtigen Öffnung „zumindest auf gewisse Weise“ im kommenden Monat beginnen.

Am Sonntag versuchte Trump den Vorwurf zu entkräften, er habe zu spät auf die heraufziehende Pandemie reagiert. Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: „Korrupte Medien!“. Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge schon Ende Jänner vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

In Spanien durften Hunderttausende Menschen erstmals nach zwei Wochen wieder in dieArbeit fahren. Der sogenannte Winterschlaf, mit dem die linke Regierung den Kampf gegen die Corona-Pandemie intensiviert hatte, ging in Madrid und einigen Regionen des Landes zu Ende, in denen der Ostermontag kein Feiertag ist. In der Hauptstadt fuhren nach Medienschätzungen rund 300.000 Menschen wieder in die Arbeit. In vielen anderen Regionen wie Katalonien, Valencia, den Balearen oder dem Baskenland war aber Feiertag. Von der umstrittenen Verschärfung der Ausgangssperre waren vor allem das Baugewerbe und weite Teile der Industrie betroffen.

Die strenge Ausgangssperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür. Ministerpräsident Pedro Sanchez mahnte am Sonntag: „Ich will mich sehr deutlich ausdrücken: Wir sind nicht einmal am Beginn einer zweiten Phase. Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein“, sagte der Regierungschef in einer Rede an die Nation.

Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt inzwischen auch über Ostern an. Mit knapp 3.500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurde am Montag die niedrigste Zahl seit dem 20. März verzeichnet. Spanien hat nun insgesamt rund 170 .00 Infizierte.

Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien, wo am Ostersonntag 431 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert wurden. So niedrig war der Anstieg seit längerem nicht gewesen. Insgesamt starben in dem Land seit Februar 19.899 Menschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 156.363 Fälle (plus gut 4.000). In Italien gilt ein strenges Maßnahmenpaket im Kampf gegen die Corona-Krise mit Ausgangsverboten und Betriebsschließungen noch bis zum 3. Mai.

Von einem „düsteren Tag“ sprach der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10.000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Großbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Aber zumindest der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und erholt sich auf dem Landsitz Chequers. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) habe sein Leben gerettet, twitterte der 55-Jährige. Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen kann. Derzeit wird er von Außenminister Dominic Raab vertreten.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus begann in Frankreich Wirkung zu zeigen, dennoch blieb die Lage ernst. Fast 14.400 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 verstorben, wie das Gesundheitsministerium in Paris mitteilte. Wenigstens sank am vierten Tag in Folge die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht. „Diese Daten bestätigen, dass die Epidemie in unserem Land in dynamischer Weise weitergeht und es weiterhin hart trifft“, so das Gesundheitsministerium. Man beobachte den Beginn „eines sehr hohen Plateaus“, müsse aber wachsam bleiben.

Am Montagabend wollte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut mit einer Rede an seine Landsleute wenden. Es wird erwartet, dass der Präsident die Dauer der Verlängerung der strengen Ausgangsbeschränkungen verkünden wird. Das „Journal du Dimanche“ schrieb, dass sogar eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung bis Mitte oder Ende Mai möglich sei. Die Regelungen gelten in Frankreich seit dem 17. März. Das Haus dürfen die Menschen nur für notwendige Dinge wie Einkaufen verlassen, Spazierengehen oder Sport ist nur eine Stunde pro Tag im Umkreis von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt.

Die Berater der deutschen Regierung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie empfahlen unterdessen die rasche Wiederaufnahme des Schulunterrichts. Außerdem sprechen sich die Wissenschafter in ihrer am Montag veröffentlichten Stellungnahme für die Nutzung von Atemschutzmasken und einen wesentlich verbesserten Überblick über die Ausbreitung der Seuche aus. „Die Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen sollte sobald wie irgend möglich erfolgen, und zwar schrittweise und nach Jahrgangsstufen differenziert“, schreiben sie in ihrer Expertise.

Voraussetzung für eine Lockerung sei, dass sich die Neuinfektionen auf einem niedrigen Niveau stabilisierten, das Gesundheitssystem nicht überlastet werde, Infizierte zunehmend identifiziert würden und Schutzmaßnahmen eingehalten würden. Die Forscher empfehlen die obligatorische Nutzung von Atemschutzmasken in bestimmten Fällen: „Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sollte als zusätzliche Maßnahme in bestimmten Bereichen wie dem öffentlichen Personenverkehr Pflicht werden.“ Zudem befürworten sie die Nutzung von Handy-Daten auf freiwilliger Basis, um einen besseren Überblick über die Seuche zu erhalten. Als unverzichtbar werten es die Wissenschafter, „die Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung substanziell zu verbessern.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet indes in der Coronakrise erneut zu äußerster Umsicht bei der Lockerung strenger Maßnahmen. „Jetzt ist die Zeit für Wachsamkeit. Jetzt ist die Zeit sehr, sehr vorsichtig zu sein“, sagte WHO-Experte Michael Ryan am Montag in Genf.

Wer erste Schritte zurück zur Normalität gehe, müsse mehrere Bedingungen erfüllen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dazu gehöre nicht zuletzt die Fähigkeit, die Infizierten schnell identifizieren und isolieren zu können. Er warnte, dass sich das Coronavirus zwar schnell ausbreite, aber sehr langsam weiche. Das Virus sei zehnmal tödlicher als die Schweinegrippe 2009, so Tedros. Die Menschen müssten auf absehbare Zeit ihr Verhalten ändern und soziale Distanz leben, hieß es.

Zur Frage, ob einmal Infizierte einen Schutz vor Wiederansteckung hätten, hielt sich die WHO zurück. Es gebe noch viel zu wenige Daten, um das wirklich grundsätzlich beantworten zu können. Aktuell gehe man davon aus, dass einmal Erkrankte zumindest für eine gewisse Zeit einen Schutz genießen würden. Wie lange diese Zeit sei, sei aber unklar.


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