Verkleidung und Spaß in Kaltenbach auch ohne Faschingszeit

Nach einem Coronavirus-Vedachtsfall im Umfeld der Lebenshilfe-WG in Kaltenbach waren besondere Schutzmaßnahmen unerlässlich.

Die Assistentinnen Nathalie und Anna-Maria hatten sich ebenso rasch an die Schutzkleidung gewöhnt wie die Bewohner.
© Lebenshilfe Tirol

Kaltenbach –„Ist jetzt Fasching“, fragt eine Bewohnerin einer Lebenshilfe-Wohngruppe in Kaltenbach im Zillertal, als sie ihre Assistentin erstmals mit einem kompletten Corona-Schutzanzug sieht. Sogar die Augen sind durch eine Brille geschützt. „Ja, könnte man beinahe meinen“, antwortet die Assistentin und beide lachen. Es braucht viel Humor und Einfühlungsvermögen in diesen Tagen im Wohnhaus. Soziale Kontakte zu verringern und Distanz zu erhöhen mag zwar ein Rezept gegen die Weiterverbreitung des Coronavirus sein, in der persönlichen Begleitung und intensiven Pflege helfen aber nur erhöhte Schutzmaßnahmen.

„Wir hatten einen Verdachtsfall einer Mitarbeiterin im Umfeld und sollten daher in Selbstquarantäne gehen“, beschreibt Assistentin Sonja Brenner die Situation. „Nur, das sagt sich so leicht, aber Fakt ist, die Menschen brauchen uns. Daher können wir Assistentinnen nicht einfach zuhause bleiben.“ So musste das zwölfköpfige Team ab Bekanntwerden Ende März für gut eine Woche den Dienst mit voller Schutzausrüstung antreten, um die neun Bewohnerinnen und Bewohner nicht zu gefährden. Egal ob bei der Körperpflege, beim Duschen, beim Kochen, beim Essen oder bei Gesprächen.

„Das war schon eine heftige Zeit. Da heißt es locker bleiben und den Bewohnern trotzdem das Gefühl geben, dass alles normal weiterläuft.“ Denn nicht alle konnten mit der neuen Situation gleich gut umgehen. So verstanden manche Bewohner nicht, was gerade passiert. Sie hatten teilweise Angst, wollten spazieren gehen, Kaffee trinken in einem Gasthaus oder etwas einkaufen. Andere waren hingegen total entspannt und machten sich wenig aus der „Maskerade“. Mit der Zeit hatten sich alle an die Schutzbekleidung gewöhnt, die auch dem Team Sicherheit gab.

Schnell an „verkleidete Assistenten“ gewöhnt

Denn den Bewohnern fehlt oft das Gefühl für Nähe und Distanz und gerade in der Pflege können Abstände nicht eingehalten werden. „Ich habe mich mit dem Schutzanzug sehr wohl gefühlt, weil ich wusste, dass ich nichts übertragen kann und selbst geschützt bin und dadurch auch meine Familie zuhause“, erzählt Petra Vigil, die auch jetzt nach der „Quarantäne“ auf eine Maske nicht mehr verzichten will. „Es fühlt sich mittlerweile komisch an, die Schutzausrüstung nicht mehr zu tragen“, verrät sie. Und auch die Bewohner haben sich schnell an ihre „verkleideten Assistenten“ gewöhnt. „Mei, des passt dir voll gut und des is’ eh schön“, zwinkert eine Frau ihrer Assistentin zu.

Respekt zollen dem Team auch die Nachbarn der Wohnanlage. „Wahnsinn, was ihr alles macht. Echt toll.“ Dieses Lob gibt Wohnhausleiterin Maria Stöckl gerne weiter, denn auch sie findet den Zusammenhalt im Team bemerkenswert. Auch die Zivildiener sind von der Situation betroffen und meistern die Herausforderungen sehr gut. Gespräche – Austausch über Sorgen, Ängste und Bedenken im Team – und transparente Information von Seiten der Geschäftsführung waren eine hilfreiche Unterstützung.

Nun, wo die Zeit der „Selbst­isolation“ des Wohnhauses zu Ende ist, freuen sich die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Assistentinnen und Assistenten auf die ein oder andere kleine Runde allein oder zu zweit durch das Dorf und machen schon wieder erste Urlaubspläne. Wohlwissend, dass es bis zum nächsten Urlaub noch eine Weile dauern wird. (TT, np)


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